Pkw-Maut: Zeugen widersprechen Ex-Minister Scheuer vor Gericht
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 12:32 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Zeugen schildern GesprÀch im Ministerium
- Klaus-Peter Schulenberg berichtete von einem Angebot, VertragsabschlĂŒsse bis zur EuGH-Entscheidung ĂŒber die Pkw-Maut zu verschieben.
- Das Treffen fand im November 2018 im Bundesverkehrsministerium mit Andreas Scheuer und Gerhard Schulz statt.
- Georg Kapsch bestÀtigte, dass Schulenberg dort zum Abwarten bis zum Abschluss des Verfahrens aufgerufen habe.
Im Prozess gegen den frĂŒheren Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen einer mutmaĂlichen Falschaussage haben zwei Hauptzeugen seinen Darstellungen in einem zentralen Punkt widersprochen.
Verschiebung der VertrÀge im Mittelpunkt
Der Chef des Ticketspezialisten CTS Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, sagte vor dem Landgericht Berlin, er habe Scheuer im November 2018 ein Verschiebungsangebot gemacht. Danach hĂ€tten die VertragsabschlĂŒsse zur Pkw-Maut bis zu einer Entscheidung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs ĂŒber eine Klage warten können.
Der EuGH kippte die Pkw-Maut im Juni 2019. Scheuer wird vorgeworfen, die VertrĂ€ge bereits Ende 2018 geschlossen zu haben, obwohl noch keine Rechtssicherheit bestand. Infolge des Urteils entstand ein Millionen-Schaden fĂŒr die Steuerzahler.
Treffen mit Scheuer und Schulz
Auch Georg Kapsch, Chef des österreichischen Unternehmens Kapsch, wurde als Zeuge vernommen. An dem Treffen im Ministerium nahmen neben den beiden Unternehmern Scheuer und der damalige StaatssekretÀr Gerhard Schulz teil.
Kapsch zufolge ging es um Finanzierungsfragen und den engen Zeitplan bis zum geplanten Start der Pkw-Maut. Schulenberg habe darauf hingewiesen, dass ohnehin ein EuGH-Verfahren laufe, und zum Warten aufgefordert. Diese Aussage sei zuvor nicht mit ihm abgestimmt gewesen.
Gutachten zur EuroparechtskonformitÀt
Nach Kapschs Schilderung reagierte das Ministerium auf den Vorschlag mit dem Hinweis, man mĂŒsse sich keine Gedanken machen. Es habe Gutachten gegeben, die die Pkw-Maut als europarechtskonform einstuften.
Die Staatsanwaltschaft wirft Scheuer und Schulz vor, im Untersuchungsausschuss des Bundestags bewusst wahrheitswidrig und entgegen ihrer tatsĂ€chlichen Erinnerung erklĂ€rt zu haben, sie könnten sich an ein Verschiebungsangebot nicht erinnern. Beide bestreiten die VorwĂŒrfe.
Scheuer hatte vor Gericht erklĂ€rt: «An ein Verschiebungsangebot habe ich keine Erinnerung.» Die Aussagen von Schulenberg und Kapsch entsprechen ihren frĂŒheren Angaben im Untersuchungsausschuss.
Warum das Treffen zentral ist
Im Mittelpunkt des Verfahrens steht nicht die allgemeine politische Verantwortung fĂŒr die gescheiterte Pkw-Maut, sondern eine konkrete Erinnerung an ein Treffen im November 2018. Nach Darstellung der beiden Betreibervertreter wurde dort angesprochen, VertragsabschlĂŒsse bis zur Entscheidung des EuropĂ€ischen Gerichtshofs abzuwarten. Genau diese Möglichkeit soll Scheuer im Untersuchungsausschuss spĂ€ter verneint haben.
Die zeitliche Abfolge ist fĂŒr die Bewertung entscheidend: Der EuGH erklĂ€rte die deutsche Pkw-Maut im Juni 2019 fĂŒr unvereinbar mit europĂ€ischem Recht. Die VertrĂ€ge mit den vorgesehenen Betreibern waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Dadurch entstanden dem Bund beziehungsweise den Steuerzahlern erhebliche finanzielle Belastungen.
Politische und rechtliche Folgen
Der Prozess muss klĂ€ren, ob Scheuer und der frĂŒhere StaatssekretĂ€r Gerhard Schulz bewusst falsch aussagten oder sich tatsĂ€chlich nicht an das GesprĂ€ch erinnern konnten. Die Aussagen von Schulenberg und Kapsch stĂ€rken die Anklageperspektive, ersetzen aber nicht die gerichtliche BeweiswĂŒrdigung.
FĂŒr die Ăffentlichkeit ist der Fall auch deshalb relevant, weil UntersuchungsausschĂŒsse auf wahrheitsgemĂ€Ăe Aussagen angewiesen sind. Eine nachgewiesene Falschaussage wĂŒrde die politische Aufarbeitung der Pkw-Maut um eine strafrechtliche Dimension erweitern. Das Gericht muss dabei sowohl die Aussagen der Zeugen als auch mögliche WidersprĂŒche und die damaligen GesprĂ€chsumstĂ€nde bewerten.
