Trendumkehr bei Binnenwanderung: Diaby spricht von Weckruf
27.07.2024 - 16:45:00 | dts-nachrichtenagentur.deErst Mitte Juli hatte er in einem Interview gesagt, in den vergangenen 35 Jahren seien viele Menschen aus Ostdeutschland weggegangen, weil es an Arbeit fehle. "Jetzt hat sich das gedreht und es mangelt an ArbeitskrĂ€ften", so Schneider. Und in der Tat waren von 2017 an erstmals seit der Wende jedes Jahr mehr Menschen vom Westen in den Osten umgezogen als in der anderen Richtung - bis zum Jahr 2022. Der SPD-Bundestagsabgeordnete aus Halle (Saale) Karamba Diaby hofft nicht, dass die neuen Daten, die fĂŒr 2023 erstmals wieder einen Binnenwanderungsverlust fĂŒr Ostdeutschland zeigen, schon eine dauerhafte Trendumkehr bedeuten. "Das negative Wanderungssaldo ist eine Momentaufnahme", sagte Diaby der dts Nachrichtenagentur. "Ich finde aber: Das kann auch ein Weckruf sein. Wir mĂŒssen uns in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern fĂŒr gut bezahlte, sichere ArbeitsplĂ€tze, eine belastbare Infrastruktur sowie gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen, damit sich Menschen hier wohlfĂŒhlen und heimisch werden bzw. bleiben." Sein Fraktionskollege Herbert Wollmann aus Stendal in Sachsen-Anhalt zeigte sich "nicht ĂŒberrascht". "Wenn sich der umkehrende Wanderungssaldo auf verstĂ€rkte Ost-West-Binnenwanderung von MĂ€nnern mit nicht deutschem Pass zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst, so spiegelt das den subjektiven Eindruck vor Ort wider: Die Einwanderer (abgesehen von ukrainischer Herkunft) sind ĂŒberwiegend mĂ€nnlich, untereinander gut vernetzt und orientieren sich an verwandtschaftlichen Beziehungen, die oft nach Westdeutschland reichen", sagte Wollmann am Samstag. Und in der Tat kommt der Wanderungsverlust fĂŒr Ostdeutschland vor allem durch den Fortzug von AuslĂ€ndern in den Westen zustande. Betrachtet man nur Menschen mit deutschem Pass, gab es in 2023 sogar einen Wanderungsgewinn fĂŒr den Osten von ĂŒber 10.000 Personen. Dementsprechend interpretieren Bundestagsabgeordnete der AfD die Zahlen auch ganz anders: "Ich freue mich ĂŒber die neue Ost-West-Wanderung. Denn sie bedeutet: Der Osten wird lebenswerter. Viele Ostdeutsche kehren zurĂŒck in ihre Heimat", sagte Barbara Benkstein (AfD), Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis MeiĂen in Sachsen. In ein Ă€hnliches Horn stöĂt ihr Fraktionskollege Thomas Dietz aus dem Erzgebirgskreis: "Bei der verstĂ€rkten Wanderungsbewegung von Personen mit deutschem Pass von West nach Ost zeigt sich die Sehnsucht der einheimischen Bevölkerung nach ihren Wurzeln, die oftmals in den ostdeutschen BundeslĂ€ndern liegen." Hier finde man noch "ein StĂŒck `NormalitĂ€t` vergangener Jahrzehnte, die im Westen mittlerweile schmerzlich vermisst wird", sagte Dietz. Laut Zahlen aus den BundeslĂ€ndern, die die dts Nachrichtenagentur ausgewertet hat, zogen im Jahr 2023 genau 85.335 Menschen von den alten in die neuen BundeslĂ€nder, 88.297 Menschen verlegten gleichzeitig ihren Wohnsitz von Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen oder ThĂŒringen in eines der West-BundeslĂ€nder. Unterm Strich ergibt sich damit erstmals seit 2016 aus der Binnenwanderung wieder ein Wanderungsverlust fĂŒr den Osten, und zwar in Höhe von 2.962 Einwohnern. Das Land Berlin wurde dabei nicht berĂŒcksichtigt, so macht es seit Jahren auch das Statistische Bundesamt in der entsprechenden jĂ€hrlichen Auswertung. Die Behörde hat die Berechnung fĂŒr 2023 bestĂ€tigt und plant nach eigenen Angaben im August oder September eine eigene Veröffentlichung.
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