Das sind die Folgen der Fan-Gewalt in Dresden
05.04.2026 - 12:40:36 | dpa.dePyrotechnik, Platzsturm, Polizei im GroĂeinsatz: Nach den Fan-Ausschreitungen beim Zweitliga-Abendspiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC (0:1) ist die BestĂŒrzung groĂ - nicht nur bei den Vereinen. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhĂ€ngig. Der Deutsche FuĂball-Bund kĂŒndigte an, nach den Osterfeiertagen Ermittlungsverfahren gegen die Clubs einzuleiten. Dynamo und die Hertha mĂŒssen sich erklĂ€ren.Â
Was ist passiert?
Das brisante Zweitligaspiel musste von Schiedsrichter Sven Jablonski zweimal unterbrochen werden. Erst wegen Rauchschwaden nach abgebrannter Pyrotechnik. Dann kletterten AnhĂ€nger beider Teams ĂŒber die ZĂ€une. Dresdner AnhĂ€nger rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock. Pyrotechnik wurde gezielt aufeinander abgeschossen.Â
Jablonski schickte beide Teams wegen der Krawalle in die Kabinen. Polizisten drĂ€ngten die Dynamo-AnhĂ€nger zurĂŒck in ihren Block. Dort wurde dann eine Hertha-Fahne abgebrannt, in der Fanszene eine der schlimmstmöglichen Beleidigung der Kontrahenten.Â
Ein Problem: Die Ausschreitungen waren absehbar, die ernste RivalitĂ€t beider Gruppierungen ist bekannt. Schon rund um das Hinspiel Anfang November hatte es in Berlin Auseinandersetzungen gegeben. Seitdem ist das VerhĂ€ltnis der Hertha-Fans mit der Berliner Polizei sehr angespannt.Â
Was sagt die Polizei?
Die Dresdner Polizei leitete mehr als ein Dutzend Ermittlungsverfahren ein. Dabei geht es um Straftaten wie Landfriedensbruch, gefÀhrliche Körperverletzung, SachbeschÀdigung, Beleidigung sowie Ticketbetrug, teilte die Polizeidirektion Dresden mit. Ob Personen aus beiden Fanlagern betroffen sind, blieb zunÀchst unklar.
«Einsatzbeamte betraten daraufhin den Innenraum des Stadions und trennten die beiden Lager. Das Spielfeld wurde in der Folge durch die Polizei gesichert», teilte die Polizei mit. Etwa 600 GĂ€stefans hatten das Stadion vorzeitig in Begleitung der Polizei verlassen und die Heimreise angetreten. Insgesamt waren fĂŒr das Topspiel am Karsamstag 750 Polizisten aus Bayern und ThĂŒringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen im Einsatz.Â
Was bedeuten die Ausschreitungen fĂŒr Dynamo Dresden?
Im Kampf um die Erhaltung der Fankultur und fĂŒr mehr Stadionsicherheit sind die Vorkommnisse ein RĂŒckschlag. Noch nie in der Dynamo-Historie stĂŒrmten Fans daheim aufs Spielfeld. Das war ein neues Gewalt-Level.
«Bilder, wie wir sie am heutigen Abend gesehen haben, sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten FuĂball in Deutschland massiv», sagte Dynamos GeschĂ€ftsfĂŒhrer Stephan Zimmermann in einer Stellungnahme des Vereins. Dabei im Blick: Die Diskussionen mit der Politik ĂŒber personalisierte Tickets und Gesichtserkennung.
Zimmermann erklĂ€rte, dass er sich mit zahlreichen weiteren Vereinen bei den Politikern «seit Monaten fĂŒr Faninteressen und ein sicheres Stadionerlebnis» einsetze. «Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor», betonte er.Â
Nun steht wieder die Aufarbeitung bei den Dresdnern an. Schon wĂ€hrend der Begegnung redeten die Dynamo-Verantwortlichen mit den EinsatzkrĂ€ften, «um erste Erkenntnisse kommunikativ auszutauschen. Diese Wahrnehmungen und Beobachtungen sind jetzt Bestandteil der grundlegenden Aufarbeitung», hieĂ es bei Dynamo.Â
Was bedeuten die Ausschreitungen fĂŒr Hertha BSC?
Die Krawalle in Dresden sind fĂŒr den Berliner Club ein echtes Problem. Auch wenn die gröĂere Gewalt möglicherweise von den Dynamo-Fans ausging, war das Fehlverhalten der Hertha-AnhĂ€nger offenkundig. Nach ZusammenstöĂen mit der Polizei beim Schalke-Heimspiel im Januar hatte der Verein eindeutig Partei fĂŒr seine AnhĂ€nger ergriffen. Dieses BĂŒndnis steht nun auf dem PrĂŒfstand.Â
Die Hertha-FĂŒhrung könnte ein GlaubwĂŒrdigkeitsproblem bekommen. «Das ist natĂŒrlich Wasser auf die MĂŒhlen der groĂen Kritiker. Das ist uns bewusst», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Peter Görlich. Die Geschehnisse entsprĂ€chen nicht seinem «WertegerĂŒst».
Sportlich sind die Berliner nach dem Sieg wieder auf Kurs. Rechnerisch ist der Aufstieg nach 13 Punkten aus fĂŒnf Spielen noch möglich. Ablenkungen darf es nicht geben. «Zuerst mĂŒssen wir immer unsere Hausaufgaben machen, wofĂŒr das reicht, sehen wir dann», sagte Abwehrspieler Toni Leistner.Â
Was macht jetzt der DFB?
Der Verband kĂŒndigte sofort Ermittlungen durch den Kontrollausschuss an. Sie sind eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Die Eröffnung eines Verfahrens gegen beide Vereine ist zwingend. Und eine Bestrafung ist logisch. Eine saftige GeldbuĂe wird bei der Historie beider Fanlager vermutlich nicht die einzige Konsequenz sein. Fan-AusschlĂŒsse sind möglich, sie sind angesichts der laufenden Diskussion um die VerschĂ€rfung der Stadionverbotsrichtlinien ein Politikum.Â
Hertha-Boss Görlich warnte vor einer Pauschalisierung, merkte aber an: «Das, was wir jetzt gerade diskutieren in Sachen Staat und Verbotsrichtlinien, ist die Konsequenz aus solchen Ausschreitungen. Und da muss man sich natĂŒrlich schon fragen, wo ist die Argumentationslinie, nicht nur von uns Vereinen, sondern auch von der Szene und von der Fanszene, dass man darĂŒber noch sprechen kann, weil uns gehen dann langsam auch die Argumente aus.»
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