SPD, Nordrhein-Westfalen

BÀrbel Bas: «Bin ein personifiziertes Feindbild geworden»

01.06.2026 - 22:42:52 | dpa.de

Purer Hass statt Kritik: In einem Interview erzÀhlt SPD-Chefin Bas von massiven Anfeindungen. Sie verrÀt auch, warum sie trotzdem nicht aufgibt - und welche SchwÀche sie mit Kanzler Merz verbindet.

Bundesarbeitsministerin Bas schildert, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Archivbild) - Bild: Jens BĂŒttner/dpa
Bundesarbeitsministerin Bas schildert, wie sie mit Anfeindungen umgeht. (Archivbild) - Bild: Jens BĂŒttner/dpa

Auch der resoluten SPD-Chefin BĂ€rbel Bas fĂ€llt es nicht immer leicht, Hasstiraden und Beleidigungen auszuhalten. «Das ist schon sehr persönlich, ja», sagte die Bundessozialministerin beim «StĂ€ndehaus-Treff» der «Rheinischen Post» (RP) in DĂŒsseldorf. «Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden.» Es bleibe «nicht so einfach in den Klamotten hĂ€ngen, was man so lesen muss».

Gerade rechte Netzwerke versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen, kritisierte Bas. Besonders schlimm sei, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. «Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.»

«Es geht darum, die Person fertigzumachen»

Viele Anzeigen stelle sie nicht, erzÀhlte Bas. «Aber es ist nicht einfach, das auszuhalten.» Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, «auch um Vergewaltigungsfantasien - was man sich nicht alles anhören muss», schilderte die 58-jÀhrige Politikerin. «Also um die Sache immer gerne Streit, Auseinandersetzung, aber da geht es darum, die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt.»

Dazu habe sie allerdings keine Veranlagung, sagte die Duisburgerin. Wenn sie sehr gestresst sei und viel um die Ohren habe, kĂ€me ihr aber auch schon mal der Gedanke: «Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen», rĂ€umte Bas ein. Dann denke sie aber letztlich immer wieder: «Nein, den Gefallen tue ich denen nicht.» Sie gebe aber zu: «Je hĂ€rter und stĂ€rker das wird, umso mehr denkt man darĂŒber nach, wie lange hĂ€lt man das aus?»

Politiker sind keine Superhelden

NatĂŒrlich machten Politiker nicht immer alles richtig. «Gar keine Frage, wir sind auch keine Superhelden», sagte Bas. Es sei aber wichtig, Verantwortung zu ĂŒbernehmen und aufzupassen, dass das Gemeinwesen nicht durch Hass und Anfeindungen kaputtgehe. «Demokratinnen und Demokraten, wir dĂŒrfen uns nicht zurĂŒckziehen und den Populisten das Feld ĂŒberlassen», sagte Bas unter dem Applaus ihrer Zuhörer.

Auf den Vorhalt von RP-Chefredakteur Moritz Döbler, sie wĂŒrde aber auch - Ă€hnlich wie Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) - «regelmĂ€ĂŸig missverstĂ€ndliche SĂ€tze raushauen», rĂ€umte Bas ein: «Ja, wir telefonieren darĂŒber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen.» Das sei wirklich so. «Wir reden viel auch ĂŒber das, wer was so ĂŒber wen gesagt hat.»

«Bullshit»: Wollte Merz Bas das «Du» entziehen?

Er habe ihr auch nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger «das Du» angeboten, erzĂ€hlte Bas. Und eine Woche darauf habe sie sich dann im vergangenen Sommer auf eine Äußerung des Kanzlers zum Sozialstaat mit dem Wort «Bullshit» bezogen. Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das «Du» jetzt wieder zurĂŒckziehen wolle. «Nein, nein, aber wir sollten mal drĂŒber reden», habe der Kanzler geantwortet. «Das kann ja so nicht weitergehen.» Stattdessen habe es dann «einen Versöhnungssalat mit zwei Bier» gegeben.

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