Rente mit 63: Merz will Abschaffung bis Frühjahr 2027
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 18:05 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bekräftigte am Mittwoch in Berlin die geplante Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“. Bei einer Veranstaltung von „Handelsblatt“ und „Wirtschaftswoche“ kündigte er an, die Rentenreform bis Weihnachten im Bundeskabinett beschließen zu wollen.
Merz nennt Zeitplan für Rentenreform
Zu Beginn des neuen Jahres solle die Reform in Bundestag und Bundesrat beschlossen werden, sagte Merz. Im Frühjahr 2027 solle sie „in trockenen Tüchern“ sein.
Der Kanzler bezeichnete das Ende der abschlagsfreien Frühverrentung als Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit. Gesund und fit abschlagsfrei früher in Rente zu gehen, sei weder sozial, noch könnten es sich die Rentenversicherung und die deutsche Volkswirtschaft leisten.
Koalitionsausschuss berät über Streitpunkt
Union und SPD wollten am Mittwochabend im Koalitionsausschuss über die Rentenreform sprechen. Merz sagte, er wisse, dass anschließend schwierige Diskussionen im Parlament bevorstünden.
Nach den Vorstellungen des Kanzlers soll die Reform mittelfristig ein höheres Rentenniveau bei sinkenden Beiträgen ermöglichen. Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren gehört zu den zentralen Streitpunkten innerhalb der Koalition.
Die abschlagsfreie Altersrente nach 45 Versicherungsjahren ist ein zentraler Streitpunkt der geplanten Rentenreform. In der politischen Debatte wird sie häufig als „Rente mit 63“ bezeichnet, obwohl das tatsächliche Eintrittsalter je nach Geburtsjahrgang schrittweise angehoben wurde. Entscheidend ist die Möglichkeit, nach einer langen Versicherungszeit ohne dauerhafte Abschläge früher aus dem Erwerbsleben auszuscheiden.
Für die Union steht die Regelung für einen früheren Renteneintritt, der angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels begrenzt werden soll. Merz verbindet ihre Abschaffung mit dem Ziel, die finanzielle Tragfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung zu stärken und zugleich ein höheres Rentenniveau bei niedrigeren Beiträgen zu erreichen. Diese Verbindung ist politisch anspruchsvoll, weil ein höheres Leistungsniveau normalerweise zusätzliche Finanzierung erfordert.
Streit in der Koalition
Die SPD pocht nach jüngsten öffentlichen Äußerungen auf den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Damit kollidieren zwei politische Leitbilder: Die Union will längere Erwerbsphasen und eine stärkere Begrenzung der Ausgaben, während die SPD langjährig Versicherte vor Einschnitten schützen will. Der Konflikt betrifft besonders Beschäftigte mit vielen Beitragsjahren sowie Unternehmen, die auf erfahrene Arbeitskräfte angewiesen sind.
Merz’ Zeitplan erhöht den politischen Druck. Ein Kabinettsbeschluss bis Weihnachten, parlamentarische Entscheidungen zu Beginn des Jahres 2027 und ein Abschluss im Frühjahr 2027 würden eine schnelle Einigung zwischen den Koalitionspartnern voraussetzen. Neben der konkreten Ausgestaltung der Altersgrenze dürften deshalb Übergangsregeln, Vertrauensschutz und die Finanzierung zu den wichtigsten Verhandlungspunkten gehören.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Frankfurter Rundschau: „Koalitionsausschuss tagt am Mittwoch: Union und SPD geraten bei Reformen in Zugzwang“ (06.10.2026)
Der Artikel ordnet die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren als wesentlichen Bestandteil des geplanten Reformkonzepts ein. Anders als Merz’ Vorstoß betont der Beitrag vor allem den Widerstand in der SPD und die ungewisse Einigung im Koalitionsausschuss.
Der Beitrag stellt die Rentenfrage in den größeren Reformstreit der Koalition. Er bestätigt, dass die Abschaffung der früheren abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren zu den zentralen Konfliktpunkten gehört, hebt aber stärker den offenen Ausgang der Gespräche und weitere Themen wie Pflege, Steuern und Haushalt hervor.
Übereinstimmung besteht darin, dass die Rentenreform politisch auf eine Grundsatzentscheidung zuläuft. Offen bleibt insbesondere, ob Union und SPD den Zeitplan einhalten und wie ein möglicher Vertrauensschutz für bereits langjährig Versicherte ausgestaltet wird.
