Roth, Nachsicht

Roth warnt vor zu viel Nachsicht mit Erdogan

Veröffentlicht: 10.11.2023 um 13:18 Uhr, dts-nachrichtenagentur.de

Vor dem Besuch des tĂŒrkischen PrĂ€sidenten Recep Tayyip Erdogan in Berlin in der kommenden Woche warnt der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses des Bundestages, Michael Roth (SPD), vor einem zu starken Entgegenkommen.

Recep Tayyip Erdogan (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Recep Tayyip Erdogan (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Die Erfahrung zeigt, dass Nachsicht und Konzilianz im Umgang mit autoritĂ€ren Herrschern wenig erfolgversprechend sind, deshalb sollte fĂŒr Erdogans Besuch in Berlin gelten: wenig Lametta, viel Klartext", sagte Roth dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). Erdogan will am Freitag kommender Woche nach Berlin reisen, um hier BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu GesprĂ€chen zu treffen.

Es sei richtig, dass die Bundesregierung im Rahmen ihrer Krisendiplomatie auch mit schwierigen LĂ€ndern wie der TĂŒrkei im engen Austausch bleibe, sagte SPD-Außenpolitiker Roth. Er verwies darauf, dass die TĂŒrkei gerade in allen Großkonflikten mitmische - in der Ukraine, im Nahen Osten und im Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan. Es wĂ€re unklug, in dieser dramatischen Lage nicht alle Kontakte zu nutzen, die bei der Verhinderung einer weiteren Eskalation einen Beitrag leisten können, sagte Roth: "Wenn wir nur mit denjenigen sprechen wollen, die in uns all ihren Interessen und Positionen genehm sind, werden wir wenig erreichen." Roth warnte vor NaivitĂ€t im Umgang mit dem tĂŒrkischen Staats- und Regierungschef. "So gerne sich Erdogan als Friedensengel und Moderator inszenieren möchte, bleibt er doch ein erratischer Politiker, der im Zweifel lieber nationalen Interessen folgt", sagte er. Mancher habe gehofft, dass Erdogan nach seiner Wiederwahl in diesem Jahr zu einer konstruktiveren Rolle auf der internationalen BĂŒhne zurĂŒckfĂ€nde. "Aber diese Erwartung war dann doch arg naiv", sagte der Vorsitzende des AuswĂ€rtigen Ausschusses: "Zuletzt hat er durch ungeheuerliche und infame Tiraden gegen Israel und seine Verharmlosung des Hamas-Terrors abermals Öl ins Feuer eines brandgefĂ€hrlichen Konflikts gegossen."

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