Sachsen-Anhalt, CDU

Sachsen-Anhalt: CDU-Mann Heuer bleibt bei Siegmund-Wahl

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 13:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der CDU-Abgeordnete Guido Heuer will bei der fĂŒr Dezember geplanten MinisterprĂ€sidentenwahl im Plenarsaal bleiben. Damit weicht er von der Linie seiner Fraktion ab, die in den ersten beiden WahlgĂ€ngen geschlossen fernbleiben will.

Mehrheitsregeln im Magdeburger Landtag

  • Ulrich Siegmund tritt im Dezember als AfD-Kandidat fĂŒr das Amt des MinisterprĂ€sidenten an.
  • Im ersten und zweiten Wahlgang sind 42 Stimmen fĂŒr die absolute Mehrheit nötig.
  • In einem möglichen dritten Wahlgang will die CDU-Fraktion wieder am Verfahren teilnehmen.
Anders als seine Fraktion will der CDU-Abgeordnete Guido Heuer bei der MinisterprÀsidenten-Wahl nicht den Saal verlassen. (Archivbild) - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Heuer widerspricht CDU-Linie bei Wahl in Sachsen-Anhalt

Der CDU-Landtagsabgeordnete Guido Heuer will bei der fĂŒr Dezember geplanten MinisterprĂ€sidentenwahl in Sachsen-Anhalt im Plenarsaal bleiben. Damit stellt er sich gegen die Linie der CDU-Fraktion unter Fraktionschef Sven Schulze, die in den ersten beiden WahlgĂ€ngen den Saal verlassen will.

CDU-Abgeordneter lÀsst Wahlverhalten offen

Heuer sagte dem Nachrichtenportal „Nius“, er habe fĂŒr sich entschieden, den Saal nicht zu verlassen. Wie er bei der geheimen Abstimmung votieren werde, ließ er offen.

Der frĂŒhere CDU-Fraktionschef hatte bereits vor der Landtagswahl mit einem Foto fĂŒr Diskussionen gesorgt, auf dem er sich auf die Schulter des AfD-Politikers Ulrich Siegmund stĂŒtzte. Heuer wies den Eindruck einer besonderen Vertrautheit zurĂŒck.

RĂŒckblick auf Wahl des LandtagsprĂ€sidenten

Die Entscheidung der CDU-Fraktion hĂ€ngt auch mit der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten zusammen. Rausch erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen verfĂŒgen.

Woher die zusĂ€tzlichen Stimmen kamen, ist unklar. Politiker warfen der CDU vor, Stimmen aus ihren Reihen könnten Rausch unterstĂŒtzt haben; die CDU-Fraktion wies dies zurĂŒck.

Mehrheit fĂŒr Siegmund ist offen

Im ersten und zweiten Wahlgang sind 42 Stimmen erforderlich. Die AfD verfĂŒgt ĂŒber 39 Sitze, sodass Siegmund drei Stimmen aus anderen Reihen brĂ€uchte.

Das BSW will sich enthalten. Damit blieben als mögliche UnterstĂŒtzer im Parlament SPD, GrĂŒne, Linke und einzelne CDU-Abgeordnete. Eine UnterstĂŒtzung durch SPD, GrĂŒne oder Linke gilt als unwahrscheinlich.

Siegmund setzt auf GesprÀche

Siegmund hat bislang nicht konkret erklÀrt, woher die nötigen Stimmen kommen sollen. Er verweist auf GesprÀche mit einer anderen Fraktion und mehreren Abgeordneten und will nur in einem Wahlgang antreten.

Bei einem möglichen dritten Wahlgang will die CDU-Fraktion wieder am Verfahren teilnehmen. Dann könnten auch Gegenkandidaten antreten und eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreichen.

Weitere Debatte ĂŒber CDU und AfD

Die Diskussion ĂŒber den Umgang der CDU mit der AfD reicht ĂŒber die MinisterprĂ€sidentenwahl hinaus. CSU-Chef Markus Söder forderte mögliche Abweichler in der Union zum Austritt auf und erklĂ€rte, wer die AfD wĂ€hle, habe in der Union keine politische Zukunft.

Parallel beantragte der CDU-Kreisverband Stendal den Parteiausschluss des Kommunalpolitikers Bernd Prange. Anlass sind Spenden von insgesamt 10.000 Euro an die AfD und sein Wechsel in die AfD-Fraktion im Stendaler Kreistag.

Prange, der seit 35 Jahren CDU-Mitglied ist, erklĂ€rte, er werde nicht freiwillig austreten und wolle aus der Partei ausgeschlossen werden. Er ist Fuhrunternehmer und OrtsbĂŒrgermeister der Gemeinde AltmĂ€rkische Höhe.

Die geplante MinisterprĂ€sidentenwahl in Sachsen-Anhalt stellt die CDU vor einen Konflikt zwischen institutioneller Abgrenzung und parlamentarischer PrĂ€senz. Die Fraktion will in den ersten beiden WahlgĂ€ngen den Plenarsaal verlassen, um eine UnterstĂŒtzung des AfD-Kandidaten durch eigene Abgeordnete auszuschließen. Guido Heuers angekĂŒndigter Verbleib macht jedoch sichtbar, dass ein gemeinsamer Auftritt der CDU nicht gesichert ist.

Entscheidend sind die Mehrheitsregeln: Im ersten und zweiten Wahlgang benötigt Ulrich Siegmund 42 Stimmen. Die AfD verfĂŒgt ĂŒber 39 Sitze, wĂ€hrend das BSW mit fĂŒnf Abgeordneten eine Enthaltung angekĂŒndigt hat. Stimmen aus CDU, SPD, GrĂŒnen oder Linken wĂ€ren damit fĂŒr einen Erfolg im ersten oder zweiten Wahlgang erforderlich. Ein dritter Wahlgang wĂŒrde die Lage verĂ€ndern, weil dann die Mehrheit der abgegebenen Stimmen genĂŒgt.

Abgrenzung und geheime Abstimmung

Der Streit ist auch eine Folge der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten. Rausch erhielt vier Stimmen mehr, als AfD und BSW zusammen aufbringen konnten; die geheime Abstimmung löste Spekulationen ĂŒber mögliche CDU-Stimmen aus. Die CDU versucht nun, durch das Fernbleiben in den ersten WahlgĂ€ngen jeden Anschein einer UnterstĂŒtzung zu vermeiden.

FĂŒr die politische Bedeutung geht es ĂŒber Heuers persönliche Entscheidung hinaus. Sollte ein CDU-Abgeordneter im Saal bleiben, dĂŒrfte die Debatte ĂŒber den Umgang der Union mit der AfD in Sachsen-Anhalt anhalten. Zugleich bleibt offen, ob Siegmund seine angekĂŒndigten GesprĂ€che mit anderen Abgeordneten in eine Mehrheit umwandeln kann und welche Kandidaten in einem möglichen dritten Wahlgang antreten.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Siegmund-Wahl in Sachsen-Anhalt: CDU-Mann Heuer will bleiben“ (22.10.2026)

Der Beitrag bestÀtige Heuers Abweichung von der Fraktionslinie und ordne sie in die geplante Wahl Siegmunds ein. Einen Schwerpunkt setze er auf die Abgrenzung der CDU von einer Koalition oder Tolerierung durch die AfD sowie auf die unterschiedlichen WahlgÀnge.

ntv: „CDU-Abgeordneter will bei Siegmund-Wahl im Saal bleiben“ (22.10.2026)

Der Artikel stelle Heuers Alleingang und die erforderlichen 42 Stimmen in den Mittelpunkt. Anders als der ZDFheute-Beitrag betone er zusÀtzlich die mögliche Bedeutung eines dritten Wahlgangs und die Rolle des BSW.

Beide BeitrĂ€ge stimmten beim Kern ĂŒberein: Heuer wolle im Plenarsaal bleiben, wĂ€hrend die CDU-Fraktion in den ersten beiden WahlgĂ€ngen fernbleiben wolle. Offen bleibe, ob weitere Abgeordnete von der Fraktionslinie abweichen und ob Siegmund eine Mehrheit organisieren könne.

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