Sachsen-Anhalt: CDU verlÀsst Saal vor Siegmund-Wahl
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 17:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCDU-Fraktion setzt auf Abwesenheit
- Die CDU-Fraktion will den Saal vor der MinisterprÀsidentenwahl im Dezember verlassen.
- 14 der 15 Abgeordneten stimmten fĂŒr den Vorschlag, Guido Heuer enthielt sich.
- Ulrich Siegmund braucht 42 Stimmen, die AfD verfĂŒgt ĂŒber 39 Mandate.
Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt will bei der geplanten Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum MinisterprÀsidenten geschlossen den Plenarsaal verlassen.
Signal gegen UnterstĂŒtzung
Fraktionschef Sven Schulze sagte nach einer mehr als dreistĂŒndigen Sitzung in Magdeburg, die Fraktion habe sich auf dieses Vorgehen verstĂ€ndigt. Damit solle deutlich werden, dass es aus den Reihen der Union keine UnterstĂŒtzung fĂŒr einen AfD-Regierungschef gebe.
Die FraktionsfĂŒhrung hatte den Vorschlag den 15 Abgeordneten unterbreitet. Nach Angaben von Schulze stimmten 14 dafĂŒr. Der frĂŒhere Fraktionschef Guido Heuer enthielt sich, weil er sich mit Blick auf weitere WahlgĂ€nge zunĂ€chst juristisch beraten lassen wolle.
Siegmund fehlen drei Stimmen
Ulrich Siegmund, der die AfD bei der Landtagswahl zum Wahlsieg fĂŒhrte, will sich im Dezember im Landtag zur Wahl stellen. Er kĂŒndigte an, nur in einem Wahlgang anzutreten.
FĂŒr die erforderliche Mehrheit sind mindestens 42 Stimmen nötig. Die AfD kommt auf 39 Mandate. Das BSW will sich enthalten, sodass Siegmund auf drei Stimmen aus anderen Reihen angewiesen wĂ€re.
Geheime Wahl belastet CDU
Hintergrund des CDU-Beschlusses ist auch die Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprÀsidenten eine Woche zuvor. Rausch erhielt in der geheimen Abstimmung Stimmen, die nicht allein aus den Reihen von AfD und BSW stammen konnten.
Mindestens vier Stimmen kamen aus anderen Reihen. Weil es insgesamt nur fĂŒnf Enthaltungen gab, wurde vermutet, dass auch CDU-Abgeordnete fĂŒr Rausch gestimmt haben könnten. Die CDU hatte zuvor eine Enthaltung empfohlen.
Parteien streiten ĂŒber den Auszug
AfD-Chefin Alice Weidel rechnet trotz des CDU-Plans mit einer Wahl Siegmunds und kritisierte das Vorgehen der Union. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze bezeichnete den geplanten Auszug als feige und unparlamentarisch.
Die SPD will an der Wahl teilnehmen und mit Nein stimmen. Auch die Linke fordert eine klare Ablehnung durch die Stimmabgabe. Die GrĂŒnen kritisierten den Auszug ebenfalls und verlangten, die CDU mĂŒsse im Parlament bleiben.
CDU will Fraktion zusammenhalten
Sven Schulze sagte, die Fraktion sei nach der kontroversen Diskussion wieder stĂ€rker zusammengerĂŒckt. Die CDU stellt mit 15 Abgeordneten die stĂ€rkste Oppositionskraft.
Schulze war nach der Wahlniederlage mit acht zu sieben Stimmen zum Fraktionschef gewĂ€hlt worden. Er ist zugleich geschĂ€ftsfĂŒhrender MinisterprĂ€sident, bis ein Nachfolger gewĂ€hlt wird, und will den Landesvorsitz der CDU abgeben.
Mehrheit und geheime Wahl
Die geplante Entscheidung der CDU-Fraktion reagiert auf die besondere Konstruktion der MinisterprĂ€sidentenwahl in Sachsen-Anhalt. Im Landtag sitzen 83 Abgeordnete, fĂŒr eine Wahl in den ersten beiden WahlgĂ€ngen sind deshalb 42 Stimmen erforderlich. Die AfD verfĂŒgt nach der Landtagswahl ĂŒber 39 Mandate.
Das BSW hat angekĂŒndigt, sich enthalten zu wollen. Damit wĂŒrde Ulrich Siegmund mindestens drei Stimmen aus anderen Fraktionen benötigen. Zugleich bleibt die Abstimmung geheim. Der CDU-Auszug soll deshalb nicht nur eine UnterstĂŒtzung verhindern, sondern auch den politischen Verdacht entkrĂ€ften, einzelne Unionsabgeordnete könnten Siegmund ihre Stimme geben.
Politische Folgen
Der Vorgang zeigt, wie stark die CDU durch die vorherige Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten unter Druck geraten ist. Rausch erhielt mehr Stimmen, als AfD und BSW zusammen angekĂŒndigt hatten; bei der geheimen Abstimmung lieĂ sich die Herkunft der zusĂ€tzlichen Stimmen nicht feststellen.
FĂŒr die CDU verschiebt sich damit der Konflikt von der eigentlichen Stimmabgabe auf die Frage parlamentarischer PrĂ€senz. SPD und Linke setzen auf eine offene Ablehnung durch ein Nein, wĂ€hrend die CDU ihre Abwesenheit als demonstrative Abgrenzung versteht. FĂŒr die Wahl im Dezember bedeutet das: Siegmund kann die nötige Mehrheit ohne Stimmen aus anderen Reihen im ersten Wahlgang nicht erreichen. Sollte die Wahl scheitern, hĂ€ngt der weitere Ablauf vom mehrstufigen Verfahren des Landtags ab.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Bericht stellt den CDU-Auszug als Reaktion auf die Sorge vor geheimen Abweichlern dar und verweist auf die vorherige Wahl von AfD-Kandidaten im LandtagsprĂ€sidium. Zugleich hebe er hervor, dass die CDU ihren Kurs gegenĂŒber frĂŒheren Aussagen geĂ€ndert habe und die Frage nach dem Verhalten in weiteren WahlgĂ€ngen offenbleibe.
Die Darstellung bestĂ€tige den geplanten geschlossenen Auszug und rĂŒcke zusĂ€tzlich das Wahlverfahren in den Mittelpunkt. Sie erklĂ€re, welche Mehrheiten in den einzelnen WahlgĂ€ngen erforderlich seien und warum der CDU-Schritt die Teilnahme an der geheimen Abstimmung vollstĂ€ndig ausschlieĂen solle.
Beide Berichte beschrieben den CDU-Auszug als Reaktion auf die ungeklÀrte Herkunft zusÀtzlicher Stimmen bei der Wahl des LandtagsprÀsidenten. Unterschiede lÀgen vor allem beim Schwerpunkt: WÀhrend der eine Beitrag den innerparteilichen Kurswechsel betone, erlÀutere der andere stÀrker die parlamentarischen Folgen.
