Sachsen-Anhalt: Linke erwägt Gegenkandidatin für Siegmund
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 15:54 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheiten für die Dezemberwahl
- Ulrich Siegmund will im Dezember im Magdeburger Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden.
- Die CDU-Fraktion will den Saal verlassen, während sich das BSW enthalten will.
- Im ersten und zweiten Wahlgang sind 42 Stimmen für die absolute Mehrheit erforderlich.
Linke prüft Kandidatur gegen Siegmund
Die Linken-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt erwägt, Fraktionschefin Eva von Angern als Gegenkandidatin zu AfD-Politiker Ulrich Siegmund für die Ministerpräsidentenwahl aufzustellen. Eine Entscheidung soll in der Fraktionssitzung am Dienstag fallen und zunächst nur den ersten Wahlgang betreffen.
SPD warnt vor Einzelvorstoß
Von Angern begründete die Überlegung mit ihrer Ablehnung der AfD-Politik und dem Ziel eines stärkeren Zusammenhalts im Land. SPD-Fraktionschefin Katja Pähle kritisierte den Vorstoß als politischen Alleingang und forderte einen Vorschlag, der für alle demokratischen Kräfte akzeptabel sei.
Linke liegt bei 8,6 Prozent
Von Angern war bei der Landtagswahl am 6. September zum zweiten Mal Spitzenkandidatin der Linken. Die Partei erhielt 8,6 Prozent und wurde fünfte Kraft, während die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Partei wurde.
Siegmund braucht Stimmen anderer Fraktionen
Siegmund will im Dezember im Magdeburger Parlament antreten, ihm fehlen für eine Mehrheit drei Stimmen. Die CDU-Fraktion hat beschlossen, den Saal zu verlassen, das BSW will sich enthalten; damit bleibt offen, wie der AfD-Politiker die erforderliche Mehrheit erreichen will.
Erste Wahlgänge verlangen 42 Stimmen
Die Linke verfügt über acht Sitze. Im ersten und zweiten Wahlgang braucht ein Bewerber die absolute Mehrheit von 42 Stimmen; von Angern könnte nur mit einer gemeinsamen Unterstützung von CDU, SPD, Grünen, BSW und Linken gewählt werden.
Landtag hat mehrere Wahlgänge
Scheitert die Wahl zweimal, muss der Landtag innerhalb weiterer Fristen über eine vorzeitige Beendigung der Wahlperiode entscheiden. Wird dies abgelehnt, folgt unverzüglich ein dritter Wahlgang, in dem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen ausreicht.
CDU-Parteitag könnte Kurs beeinflussen
Ob die CDU-Fraktion an ihrem Plan festhält, soll auch von einem Landesparteitag am 5. Dezember abhängen. Dort wird ein neuer CDU-Landesvorstand gewählt; der geschäftsführende Ministerpräsident Sven Schulze tritt nicht erneut für den Parteivorsitz an.
Die geplante Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt fällt in eine ungewöhnliche parlamentarische Lage. Die AfD ist nach der Landtagswahl vom 6. September mit 43,8 Prozent stärkste Kraft geworden, verfügt aber nicht über die für die ersten beiden Wahlgänge erforderliche absolute Mehrheit von 42 Stimmen.
Ulrich Siegmund braucht deshalb drei Stimmen aus anderen Fraktionen. Der angekündigte Auszug der CDU und die geplante Enthaltung des BSW erschweren diesen Weg. Zugleich zeigt die Debatte, dass die Abstimmung nicht nur über die Person Siegmund entscheidet, sondern auch über den Umgang der übrigen Parteien mit einer starken AfD-Fraktion.
Mehrheitsfrage im Landtag
Eine Kandidatur Eva von Angerns würde den ersten Wahlgang zu einem direkten politischen Vergleich machen. Für ihre Wahl müssten CDU, SPD, Grüne, BSW und Linke gemeinsam stimmen. Die Linke verfügt über acht Sitze und lag bei der Wahl mit 8,6 Prozent auf Platz fünf.
Scheitert die Wahl in den ersten beiden Runden, kann der Landtag innerhalb der vorgesehenen Fristen über eine vorzeitige Beendigung der Wahlperiode entscheiden. Kommt es dazu nicht, folgt ein dritter Wahlgang, in dem die Mehrheit der abgegebenen Stimmen genügt. Damit könnte die Haltung der CDU und das Abstimmungsverhalten des BSW entscheidend für den weiteren Verlauf werden.
Politische Folgen
Für die Bürgerinnen und Bürger geht es zunächst um die Bildung einer handlungsfähigen Landesregierung. Eine längere Wahlphase kann politische Entscheidungen erschweren, insbesondere wenn Mehrheiten für Haushalt und Vorhaben organisiert werden müssen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: „Sachsen-Anhalt: Linke erwägt Gegenkandidatin zu AfD-Mann Siegmund“ (04.11.2026)
Der Beitrag bestätigte, dass Eva von Angern eine Kandidatur gegen Ulrich Siegmund erwäge und eine Entscheidung in der Linken-Fraktion anstehe. Zusätzlich richte er den Blick auf die offene Haushaltsfrage und mögliche Folgen für Kommunen, Unternehmen und Kulturbetriebe.
Stern: „Sachsen-Anhalt: Wittig: Siegmund muss sich Stimmen bei CDU holen“ (02.11.2026)
Der Beitrag stelle die Position des BSW heraus, das Siegmund nicht wählen wolle, zugleich aber eine Zusammenarbeit mit der AfD bei Sachthemen anstrebe. Gemeinsam sei beiden Berichten die Einschätzung, dass Siegmund auf Stimmen außerhalb der AfD angewiesen sei; unterschiedlich seien die Schwerpunkte bei Gegenkandidatur und möglicher Sachkooperation.
Offen bleibe, ob von Angern tatsächlich nominiert werde und wie CDU und BSW ihre angekündigten Verhaltensweisen im Wahlverfahren umsetzten.
