Sachsen-Anhalt, Regierungsbildung

Sachsen-Anhalt: SPD lädt Parteien zu Gesprächen über Regierung ohne AfD ein

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 17:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt lotet die SPD Gespräche mit CDU, Grünen, Linken und BSW aus. Im Zentrum steht auch der Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten als Alternative zu einer AfD-geführten Landesregierung.

Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt laden zu Gesprächen ein. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa
Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt laden zu Gesprächen ein. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa

Die SPD in Sachsen-Anhalt hat nach der Landtagswahl Vertreter von CDU, Grünen, Linken und BSW zu Gesprächen über eine mögliche Regierungsbildung eingeladen.

SPD will Optionen ausloten

Die SPD-Landeschefs Juliane Kleemann und Andreas Schmidt erklärten, man stehe in der Verantwortung, die bestehenden Möglichkeiten für eine stabile und handlungsfähige Regierung ernsthaft auszuloten. Der Austausch soll am Dienstag in Magdeburg stattfinden.

Grünen-Spitzenkandidatin Susan Sziborra-Seidlitz und Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern bestätigten, dass ihre Parteien das Gesprächsangebot annehmen. Sziborra-Seidlitz erklärte, man freue sich über die Initiative.

Überparteilicher Ministerpräsident im Gespräch

Die SPD verwies darauf, dass mehr als zwei Wochen nach der Wahl weiterhin offen sei, auf welcher politischen Grundlage und mit welcher Mehrheit eine neue Landesregierung gebildet werden könne. Bei dem Treffen solle insbesondere der Vorschlag für einen überparteilichen Ministerpräsidenten erörtert werden.

AfD fehlen drei Stimmen

Die AfD gewann die Landtagswahl vor zweieinhalb Wochen klar, verfügt aber über 39 der 83 Sitze. Für eine Mehrheit sind 42 Stimmen erforderlich. CDU, Linke, Grüne und SPD kommen zusammen ebenfalls auf 39 Mandate, das BSW stellt fünf Abgeordnete.

Damit könnte die AfD nicht allein regieren. Das BSW ist bislang die einzige Partei, die Gespräche über die Zukunft des Landes mit der AfD aufgenommen hat.

BSW lehnt Koalition mit AfD ab

AfD und BSW loten nach Angaben der dpa derzeit aus, ob und in welchen Bereichen eine inhaltliche Zusammenarbeit möglich ist. Eine Koalition mit der AfD lehnt das BSW jedoch ab.

Bei den Gesprächen geht es um Inhalte, die eine AfD-geführte Minderheitsregierung umsetzen müsste. Das BSW hatte sich zuvor für einen überparteilichen Ministerpräsidenten und wechselnde Mehrheiten offen gezeigt.

Schwierige Mehrheitsbildung

Die Sitzverteilung macht Sachsen-Anhalt zu einem parlamentarischen Rechenproblem: Die AfD ist mit 39 von 83 Mandaten stärkste Kraft, verfehlt die absolute Mehrheit aber um drei Stimmen. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Sitze; das BSW kann mit fünf Abgeordneten zum Mehrheitsbeschaffer werden.

Eine Koalition mit der AfD lehnt das BSW nach der dpa-Meldung ab. Zugleich verhandelt die Partei mit der AfD über politische Inhalte und schließt wechselnde Mehrheiten nicht aus. Dadurch könnte eine AfD-geführte Minderheitsregierung bei einzelnen Vorhaben Unterstützung erhalten, ohne dass eine formelle Regierungskoalition entsteht.

Überparteilicher Ministerpräsident als Ausweg

Der Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten eröffnet ein anderes Modell. Er könnte Parteien zusammenführen, die eine Zusammenarbeit mit der AfD ablehnen, und zugleich verhindern, dass die stärkste Fraktion automatisch die Regierung anführt. Voraussetzung wäre allerdings eine belastbare Verständigung über zentrale Vorhaben und die regelmäßige Sicherung parlamentarischer Mehrheiten.

Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet die offene Regierungsbildung vor allem eine längere politische Übergangsphase. Entscheidungen zu Haushalt, Bildung, Pflege, Infrastruktur und innerer Sicherheit benötigen eine klare Mehrheit. Der neue Landtag soll am 6. Oktober erstmals zusammentreten; bis dahin dürfte der Druck auf die Parteien wachsen, ihre roten Linien und möglichen Kompromisse offenzulegen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

DER SPIEGEL: „Regierungsbildung in Magdeburg: BSW sieht AfD in Sachsen-Anhalt noch unentschlossen“ (23.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, das BSW wolle mit der AfD über Inhalte verhandeln, eine Koalition aber ausschließen. Zusätzlich berichte er, das BSW wolle sich bei der Ministerpräsidentenwahl enthalten und fordere einen überparteilichen Kandidaten; damit bestätige er die offene Mehrheitsfrage und setze einen Schwerpunkt auf die Haltung des BSW.

n-tv: „BSW-Chef von Sachsen-Anhalt: ‚AfD weiß nicht, was sie möchte‘“ (23.09.2026)

Der Bericht schreibe, BSW-Landeschef John Lucas Dittrich halte die AfD bei ihrem künftigen Kurs für unentschlossen und sehe eine mögliche AfD-geführte Minderheitsregierung mit punktueller BSW-Unterstützung. Anders als die dpa-Meldung betone der Beitrag stärker die migrationspolitischen Streitpunkte und die mögliche Enthaltung des BSW bei der Wahl des Ministerpräsidenten.

Beide Berichte bestätigten die Gespräche zwischen AfD und BSW sowie den Ausschluss einer Koalition durch das BSW. Offen bleibe, ob daraus eine dauerhafte parlamentarische Unterstützung entstehe und ob der Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten eine tragfähige Mehrheit finde.

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