Sachsen-Anhalt: Wagenknecht hĂ€lt Siegmund-Wahl fĂŒr wahrscheinlich
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 17:12 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBSW-GrĂŒnderin Sahra Wagenknecht hĂ€lt die Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten von Sachsen-Anhalt im Dezember nach der Wahl von Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten fĂŒr wahrscheinlich. Die vier zusĂ€tzlichen Stimmen fĂŒr Rausch deuteten ihrer Vermutung nach auf UnterstĂŒtzung aus der CDU-Fraktion hin.
Rausch erhÀlt 48 Stimmen
Rausch wurde mit 48 Stimmen gewĂ€hlt. AfD und BSW verfĂŒgen gemeinsam ĂŒber 44 Mandate im Magdeburger Landtag, nachdem das BSW seine Zustimmung zu Rausch angekĂŒndigt hatte.
Wagenknecht sagte dem âSternâ, mit der Wahl Rauschs sei die Wahl Siegmunds âmit dem heutigen Tag wahrscheinlich gewordenâ. Sie vermute, dass vier zusĂ€tzliche Stimmen wĂ€hrend der geheimen Abstimmung aus der CDU-Fraktion gekommen seien.
Wagenknecht kritisiert CDU
Nach Wagenknechts EinschĂ€tzung zeigt das Ergebnis, dass die politische Abgrenzung der CDU zur AfD ihre Wirkung verliert. Der geschĂ€ftsfĂŒhrende MinisterprĂ€sident Sven Schulze spreche erkennbar nur noch fĂŒr gut die HĂ€lfte seiner Fraktion, sagte sie.
Das BSW will Siegmund nach Angaben seiner GrĂŒnderin nicht wĂ€hlen, sondern sich enthalten. Wagenknecht bekrĂ€ftigte zugleich, ein ĂŒberparteilicher MinisterprĂ€sident sei die beste Lösung.
AfD fehlen drei Stimmen
Die AfD stellt im Landtag die stĂ€rkste Fraktion, verfehlt aber die absolute Mehrheit. FĂŒr die Wahl zum MinisterprĂ€sidenten fehlen ihr drei Stimmen.
Die Abstimmung ĂŒber den Regierungschef ist fĂŒr Dezember vorgesehen. Ob Siegmund die notwendige Mehrheit erreicht, hĂ€ngt damit von Abgeordneten auĂerhalb der AfD-Fraktion ab.
Die Wahl von Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten verschiebt die parlamentarischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in Sachsen-Anhalt sichtbar. Die AfD stellt mit 39 Abgeordneten die gröĂte Fraktion, verfĂŒgt aber nicht ĂŒber die absolute Mehrheit. Dass Rausch 48 Stimmen erhielt, obwohl AfD und BSW zusammen 44 Mandate haben, macht die geheime Abstimmung zum politischen Signal ĂŒber die angekĂŒndigte UnterstĂŒtzung des BSW hinaus.
FĂŒr die im Dezember geplante MinisterprĂ€sidentenwahl gelten andere Mehrheitsbedingungen. Ulrich Siegmund benötigt mindestens 42 Stimmen und damit drei Stimmen auĂerhalb der AfD-Fraktion. Das BSW will sich nach Wagenknechts Aussage enthalten, wĂ€hrend CDU, SPD, GrĂŒne und Linke eine Wahl Siegmunds bislang ablehnen. Die vier zusĂ€tzlichen Stimmen fĂŒr Rausch liefern deshalb keinen direkten Beweis fĂŒr eine Mehrheit Siegmunds, erhöhen aber den Druck auf die ĂŒbrigen Fraktionen.
Mehrheitssuche vor der MinisterprÀsidentenwahl
Die CDU geht nach der Landtagswahl in die Opposition; Sven Schulze bleibt bis zur Wahl eines neuen Regierungschefs geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt. Zugleich hat die CDU angekĂŒndigt, AfD-AntrĂ€ge nicht pauschal abzulehnen. Dadurch kann sich im Landtag eine wechselnde Mehrheit bilden, ohne dass daraus automatisch eine Koalition oder die Wahl Siegmunds folgt.
Das BSW nimmt eine SchlĂŒsselposition ein: Es kann Rausch ins PrĂ€sidium verhelfen, will Siegmund aber nicht wĂ€hlen und wirbt zugleich fĂŒr eine ĂŒberparteiliche Lösung. Bis Dezember wird daher entscheidend sein, ob einzelne Abgeordnete ihre bisherige Linie Ă€ndern oder ob die AfD trotz ihrer Stellung als stĂ€rkste Kraft ohne Regierungsmehrheit bleibt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: âErste Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt: Ein PrĂ€sident, sie zu knechtenâ (06.10.2026)
Der Beitrag ordnet Rauschs Wahl als Ergebnis der UnterstĂŒtzung durch das BSW ein und hebt die institutionelle Bedeutung des LandtagsprĂ€sidenten hervor. Im Vergleich zur dts-Meldung legt er den Schwerpunkt stĂ€rker auf die Befugnisse des Amtes und die politische Kontroverse um Rausch.
tagesschau: âKonstituierende Sitzung in Sachsen-Anhalt: Die AfD und die ganz groĂe BĂŒhneâ (06.10.2026)
Die tagesschau bestĂ€tigt die Wahl mit 48 Stimmen und beschreibt sie als ersten Stimmungstest fĂŒr die MehrheitsverhĂ€ltnisse. Anders als die dts-Meldung stellt der Beitrag die noch offene Regierungsbildung und die fehlenden drei Stimmen fĂŒr Siegmund in den Mittelpunkt.
Beide BeitrĂ€ge stimmen darin ĂŒberein, dass Rauschs Wahl die AfD parlamentarisch stĂ€rkt, lassen die Herkunft der zusĂ€tzlichen Stimmen aber offen. Damit bleibt auch die entscheidende Frage fĂŒr Dezember ungeklĂ€rt: ob sich aus der Abstimmung ĂŒber das PrĂ€sidium eine Mehrheit fĂŒr Siegmund ableiten lĂ€sst.
