Deutschland, Afghanistan

Sammelabschiebung nach Afghanistan - Fokus auf StraftÀter

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 16:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Bei Abschiebungen unterstĂŒtzt die Bundespolizei die LĂ€nder. Deren AuslĂ€nderbehörden melden an, wer ausgeflogen werden soll. Diesmal trifft es 23 afghanische StraftĂ€ter.

  • Mit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
    Mit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
  • Auch bei vorherigen Sammelabschiebungen nach Afghanistan hob die Chartermaschine vom Flughafen Leipzig/Halle ab. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
    Auch bei vorherigen Sammelabschiebungen nach Afghanistan hob die Chartermaschine vom Flughafen Leipzig/Halle ab. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
  • Mit einem Bus wurden die MĂ€nner zum Flugzeug gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
    Mit einem Bus wurden die MĂ€nner zum Flugzeug gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa
Mit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa Auch bei vorherigen Sammelabschiebungen nach Afghanistan hob die Chartermaschine vom Flughafen Leipzig/Halle ab. - Bild: Sebastian Willnow/dpa Mit einem Bus wurden die MĂ€nner zum Flugzeug gebracht. - Bild: Sebastian Willnow/dpa

Mit einem Charterflugzeug hat die Bundespolizei 23 ausreisepflichtige Afghanen in ihr Herkunftsland gebracht. Die Abschiebung vom Flughafen Leipzig/Halle nach Kabul begann in den frĂŒhen Morgenstunden. Nach Angaben eines Sprechers des Bundesinnenministeriums handelt es sich bei den Abgeschobenen diesmal ausnahmslos um «MĂ€nner, die hier strafrechtlich in Erscheinung getreten sind». Nach Informationen aus Sicherheitskreisen ging es dabei unter anderem um Raub, sexuellen Missbrauch von Kindern und Misshandlung von Schutzbefohlenen. Laut Innenministerium beteiligten sich diesmal sechs LĂ€nder an der Maßnahme: Baden-WĂŒrttemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz an der Maßnahme.

Dobrindt will Kurs fortsetzen

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach einer Abschiebung Ende Juli erklĂ€rt, man werde sich bei den RĂŒckfĂŒhrungen nach Afghanistan nicht mehr ausschließlich auf StraftĂ€ter und «GefĂ€hrder» beschrĂ€nken. Vielmehr werde man, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, ab sofort auch andere Ausreisepflichtige dorthin abschieben. Auf der Plattform X schreibt er jetzt: «Unsere Gesellschaft hat ein eindeutiges Interesse daran, dass StraftĂ€ter unser Land verlassen mĂŒssen.» Außerdem mĂŒsse, wer kein Aufenthaltsrecht hat, damit rechnen, Deutschland verlassen zu mĂŒssen. «Diesen Kurs setzen wir konsequent um», fĂŒgte er hinzu. 

Seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode wurden laut Bundesinnenministerium - inklusive der Sammelabschiebung vom Dienstag - insgesamt 228 MĂ€nner nach Afghanistan zurĂŒckgebracht. 

Kontakte zu den Taliban

Kritik gab es zuletzt an Absprachen der Bundesregierung mit den Machthabern in Kabul, den islamistischen Taliban. Die GrĂŒnen-Bundestagsabgeordnete Schahina Gambir sagt: «Anstatt sich fĂŒr Menschenrechte einzusetzen, kĂ€mpft diese Bundesregierung nur fĂŒr ihre eigene Abschiebepolitik.»

Die Bundesregierung erkennt die Taliban, die vor fĂŒnf Jahren die Macht in Kabul ĂŒbernommen hat, nicht als legitime Regierung an. Die erste Sammelabschiebung afghanischer StraftĂ€ter in ihr Herkunftsland war vor zwei Jahren mit UnterstĂŒtzung des Golfemirats Katar organisiert worden. Damals war Nancy Faeser von der SPD Bundesinnenministerin.

Afghanistan in humanitÀrer Krise

Einer der 31 MĂ€nner, die Ende Juli von Deutschland nach Afghanistan abgeschoben worden waren, hatte der dpa anschließend am Telefon berichtet, er sei mit 14 Jahren in Deutschland angekommen und habe teilweise die Muttersprache Dari verlernt. Die Abschiebung trenne ihn von seiner Frau und seinem Kind. «Hier in Kabul gibt es keine Arbeit fĂŒr mich. WĂ€re mein Ă€lterer Bruder nicht hier, wĂŒrde ich auf der Straße leben», sagt er. Ziel fĂŒr ihn sei, nach Deutschland zurĂŒckkehren.

Afghanistan mit seinen mehr als 48 Millionen Einwohnern steckt derzeit in einer schweren humanitĂ€ren Krise. Die UnterernĂ€hrung habe ein bislang nicht dagewesenes Ausmaß erreicht, warnte zuletzt das WelternĂ€hrungsprogramm der Vereinten Nationen. Lediglich etwa 33 Prozent der arbeitsfĂ€higen Bevölkerung haben nach Angaben der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) einen Job.

Brutale Strafen

Menschenrechtlern zufolge nehmen die Auspeitschungen in Afghanistan zu. WĂ€hrend fĂŒr 2024 noch 593 FĂ€lle der drakonischen Strafe dokumentiert wurden, seien 2025 bereits 1.074 Menschen ausgepeitscht worden, berichtete die Afghanistan Human Rights and Democracy Organization (AHRDO) mit Sitz in Kanada. Im laufenden Jahr dokumentierte die Organisation bis April schon 553 Auspeitschungen. In den meisten zwischen Februar 2022 und April 2026 dokumentierten FĂ€llen wurde die Auspeitschung mit außerehelichen Beziehungen, angeblichen Sexualdelikten sowie HomosexualitĂ€t begrĂŒndet.

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