«SchÀbiger Deal»: Infantinos InvestorenplÀne gescheitert
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:23 Uhr | dpa.deFIFA-Boss Gianni Infantino ist mit seinen milliardenschweren InvestorenplĂ€nen krachend gescheitert - und die EuropĂ€ische FuĂball-Union UEFA unter der FĂŒhrung von PrĂ€sident Aleksander Ceferin heizt den Machtkampf mit drastischen Worten an.
«Die derzeitige FIFA-FĂŒhrung hat nicht nur das Vertrauen der UEFA verloren, sondern auch das vieler anderer Mitglieder der FuĂballfamilie», erklĂ€rte der europĂ€ische Dachverband, nachdem der angeschlagene Infantino angesichts weltweiter Empörung und unter massivem öffentlichem Druck bei seinem heftig umstrittenen Kommerz-Projekt eine peinliche Kehrtwende vollzogen hatte.
«Das genaue Gegenteil von Transparenz»
«Der schĂ€bige, hinter verschlossenen TĂŒren ausgehandelte und undurchsichtige Deal, den er eingefĂ€delt und anschlieĂend durchzusetzen versucht hat, war das genaue Gegenteil von Transparenz», polterte die UEFA. Man werde nun mit den MitgliedsverbĂ€nden und «in enger Zusammenarbeit» mit den anderen Konföderationen analysieren, wie es dazu kommen konnte, um eine Wiederholung auszuschlieĂen.
«Diese ĂberprĂŒfung muss grĂŒndlich und umfassend sein. Keine Option darf von vornherein ausgeschlossen werden.» Die Drohung der UEFA ist unmissverstĂ€ndlich: Infantino, verschwinde! Die Konkurrenz darf sich in Stellung bringen.
Stunden zuvor hatte der FIFA-Boss noch eine Mitteilung in die europĂ€ische Nacht hinausschicken lassen, die es ebenfalls in sich hatte. «Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen gefĂŒhrt hat, die - unabhĂ€ngig vom AusmaĂ der UnterstĂŒtzung - nicht mehr im Interesse des ursprĂŒnglich angestrebten Ziels liegen», erklĂ€rte Infantino das Ende seiner InvestorenplĂ€ne.Â
Die Enterprise und unendliche Weiten
Dabei hatte der Schweizer aus seiner Sicht eine ziemlich geniale Idee. Anteile an den Premium-Produkten des Weltverbandes sollten an private Investoren verkauft werden. Geldgeber hĂ€tten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu grĂŒndenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunĂ€chst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt war. Die FFE hĂ€tte die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der MĂ€nner- und Frauen-WM sowie der Club-WM gebĂŒndelt.
Infantino hĂ€tte in dem Tochterunternehmen GeschĂ€ftsfĂŒhrer werden können - aus ihm wĂ€re dann quasi der Captain Kirk aus der Science-Fiction-Serie «Star Trek» geworden. Schier unendliche finanzielle Weiten lockten. Technologieinvestor Joshua Kushner, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-PrĂ€sident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist, hĂ€tte ĂŒber seine Investmentfirma Thrive eine SchlĂŒsselrolle dabei spielen können. Der US-PrĂ€sident wiederum gab an, mit dem FIFA-Chef ĂŒber die InvestorenplĂ€ne des Weltverbandes nicht gesprochen zu haben.
Infantino hatte den 211 MitgliedsverbĂ€nden fĂŒr die Zustimmung Berichten zufolge eine Frist bis zum 19. September gegeben und im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht gestellt. So sehen PlĂ€ne zum Machterhalt aus. Infantinos galaktisches Vorhaben ist aber geplatzt.
«Vereinen und verbessern»
«Unser Ziel war schon immer â und wird es auch immer sein â zu vereinen und zu verbessern. Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt», erklĂ€rte Infantino kleinlaut. «In den kommenden Tagen und Wochen möchte ich alle beteiligten Parteien wieder zusammenbringen - im gemeinsamen Interesse unseres Sports und mit dem Ziel, den FuĂball weltweit weiter voranzubringen, insbesondere in den LĂ€ndern, die unsere UnterstĂŒtzung am meisten brauchen.»
Mit dem Projekt habe er die MitgliedsverbÀnde stÀrken wollen, erklÀrte Infantino. Zur Umsetzung wÀre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt hÀtte.
Infantino ist nicht das erste Mal mit einem zuvor nie erlebten Ausverkauf von FIFA-Rechten gescheitert. 2018 warb er fĂŒr einen Investoren-Deal fĂŒr die Vermarktungsrechte an einer neuen Club-WM mit 24 Teams sowie einer globalen Nations League mit einem Finalturnier kontinentaler Champions. Es ging um die stolze Summe von 25 Milliarden Dollar. Daraus wurde nichts.
Die UnterstĂŒtzung bröckelt auch intern
Diesmal erlebte Infantino wieder einen im Höchsttempo ansteigenden Druck. So hatte die UEFA nicht nur die PlÀne kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. «Keine Nationalmannschaften aus der UEFA werden an irgendeinem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese VorschlÀge weiterbestehen», beschied die UEFA.
Sie legte nach dem Ende der InvestorenplĂ€ne sogar nach. «Dies ist ein Sieg fĂŒr den gesamten FuĂball. Doch es darf nicht das Ende der Geschichte sein. Der Vorschlag ist vom Tisch. Die Aufgabe, das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen, hat jedoch gerade erst begonnen», teilte die UEFA in einem Sauber-Mann-Ton mit, den sie selbst nicht immer erfĂŒllen kann. DĂ€nemarks Verband entzog Infantino schon mal das Vertrauen.
Auch die fĂŒr Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zustĂ€ndige Concacaf sowie der asiatische FuĂballdachverband AFC gingen auf Distanz zu Infantino und seinen PlĂ€nen. Der sĂŒdamerikanische FuĂballverband Conmebol bezog dagegen zunĂ€chst keine inhaltliche Position und erklĂ€rte, die PlĂ€ne weiter zu prĂŒfen und forderte zusĂ€tzliche Informationen der FIFA an.
Auch innerhalb des Prachtbaus auf dem ZĂŒrichberg bröckelt die UnterstĂŒtzung fĂŒr Infantino. FIFA-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf dem 56-JĂ€hrigen vor, die Mitarbeiter hintergangen zu haben. Ein hochrangiger Berater Infantinos, Carlos Cordeiro, trat aus Protest gegen die PlĂ€ne zurĂŒck.
Infantino steckt in der Krise
«Gianni Infantino hat eine demĂŒtigende Niederlage erlitten», urteilte die «Daily Mail» in England. «Infantino kuscht nach Aufstand», meinte der Schweizer «Blick». «L'Equipe» in Frankreich schrieb: «Mit seinem Plan, die Weltmeisterschaft teilweise zu verkaufen, hat FIFA-PrĂ€sident Gianni Infantino so viel Widerstand wie noch nie erfahren. Seit seiner Wahl zum PrĂ€sidenten des FuĂball-Weltverbandes im Jahr 2016 ist Infantinos Position noch nie so stark erschĂŒttert worden. Der Verband steckt nun in einer Krise.»
Mittendrin ist Infantino. Der wĂŒrde gerne beim 77. FIFA-Kongress im MĂ€rz nĂ€chsten Jahres in Rabat (Marokko) ein weiteres und letztes Mal fĂŒr vier Jahre gewĂ€hlt werden. Mit Kritik und Gegenwind kennt sich der Strippenzieher aus. Aber wie geschwĂ€cht ist seine Position nun wirklich? Oder konnte er mit dem abgeblasenen Investorenplan seine Rivalen noch einmal halbwegs milde stimmen? Bis zum 18. November können Kandidaten ihre Bewerbungen fĂŒr die Wahl zum FIFA-PrĂ€sidenten einreichen.
