Anton Hofreiter, Schattenflotte

Schattenflotte: Hofreiter fordert Bundeswehr-Einsatz in Ostsee

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 05:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Der GrĂŒnen-Politiker fordert eine politische Entscheidung des Bundestags, damit die Bundesregierung gegen mutmaßlich rechtswidrig fahrende Schiffe vorgeht. Zugleich kritisiert er Innenminister Alexander Dobrindt wegen des bislang aus seiner Sicht ausbleibenden hĂ€rteren Vorgehens.

Hofreiter fordert Bundestagsbeschluss

  • Anton Hofreiter verlangt EinsĂ€tze der deutschen Marine gegen Schiffe der russischen Schattenflotte.
  • Der GrĂŒnen-Politiker spricht sich fĂŒr Amtshilfe der Bundeswehr zugunsten der Bundespolizei aus.
  • Hofreiter wirft Innenminister Alexander Dobrindt vor, beim hĂ€rteren Vorgehen nicht zu liefern.
  • Frankreich und Belgien hĂ€tten laut Hofreiter bereits Schiffe kontrolliert, Deutschland noch kein einziges wirklich geboardet.
Anton Hofreiter (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Hofreiter verlangt Bundeswehr-Einsatz in der Ostsee

Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (GrĂŒne), fordert den Einsatz der Bundeswehr gegen Russlands Schattenflotte in der Ostsee. Als politische RĂŒckendeckung verlangt er einen Beschluss des Bundestags.

Marine soll Schiffe kontrollieren

„Die Schiffe können geboardet werden, im Idealfall von der deutschen Marine“, sagte Hofreiter dem Magazin Politico. Falls die Bundespolizei fĂŒr solche EinsĂ€tze nicht ausreichend ausgerĂŒstet sei, mĂŒsse das Innenministerium Amtshilfe bei der Bundeswehr anfordern.

Hofreiter warf Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zugleich vor, beim angekĂŒndigten hĂ€rteren Vorgehen gegen die Schattenflotte nicht zu liefern. „Wenn wir ehrlich sein sollen, sehen wir gar nichts von dem sogenannten hĂ€rteren Vorgehen“, sagte der GrĂŒnen-Politiker. Ursache sei „Angst vor der politischen Verantwortung“.

Bundestag soll Regierung zum Handeln bewegen

Ein Bundestagsbeschluss wĂŒrde nach Hofreiters EinschĂ€tzung die Wahrscheinlichkeit erhöhen, „dass die Regierung sich traut“. Viele Schiffe der Schattenflotte seien bereits heute Rechtsbrecher und brĂ€chen Gesetze, sagte er.

Vergleich mit Frankreich und Belgien

Hofreiter verwies darauf, dass Frankreich, Belgien und andere Staaten bereits Schiffe kontrolliert hĂ€tten. Deutschland habe dagegen „noch kein einziges wirklich gebordet in den letzten Monaten“.

Sicherheitsrisiken in der Ostsee

Nach Hofreiters Darstellung fahren auf vielen Tankern bewaffnete Personen mit. Zudem seien russische Kriegsschiffe in der Region prĂ€sent. „Die Bundesregierung muss handeln“, forderte der GrĂŒnen-Politiker.

Die Forderung richtet den Blick auf eine SicherheitslĂŒcke in der Ostsee: Schiffe, die Russland zugerechnet werden, bewegen sich hĂ€ufig unter wechselnden Flaggen und mit schwer nachvollziehbaren Eigentumsstrukturen. FĂŒr die europĂ€ischen Staaten erschwert das die Abgrenzung zwischen legaler Handelsschifffahrt, Sanktionsumgehung und einer möglichen Bedrohung kritischer Infrastruktur.

Ein militĂ€risches Boarding wĂ€re allerdings kein rein technischer Vorgang. Es berĂŒhrt das Seerecht, die ZustĂ€ndigkeit des Flaggenstaats, die Beweissicherung und die Frage, ob ein Schiff gegen Sanktionen oder andere Vorschriften verstĂ¶ĂŸt. Die von Hofreiter verlangte politische RĂŒckendeckung zielt deshalb auf eine klare Einsatzgrundlage und eine abgestimmte Entscheidung der Bundesregierung.

Ostsee bleibt sicherheitspolitischer Schwerpunkt

Die regionale Lage ist angespannt. Russland nutzt Kaliningrad als wichtigen MilitÀrstandort, wÀhrend die Nato-Staaten Polen und Litauen die Exklave umgeben. Beobachtungen zu russischen MilitÀrtransporten und verlegten Kriegsschiffen unterstreichen, dass die Ostsee zugleich Handelsraum, militÀrisches Operationsgebiet und empfindliche Infrastrukturzone ist.

FĂŒr Deutschland stellt sich damit auch eine praktische ZustĂ€ndigkeitsfrage: Die Bundespolizei ist primĂ€r fĂŒr maritime Polizeiaufgaben zustĂ€ndig, die Bundeswehr verfĂŒgt ĂŒber militĂ€rische FĂ€higkeiten. Amtshilfe mĂŒsste rechtlich und operativ konkret begrĂŒndet werden. Ein Bundestagsbeschluss könnte den politischen Rahmen setzen, ersetzt aber weder eine EinzelfallprĂŒfung noch die Abstimmung mit den betroffenen europĂ€ischen Partnern.

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