Alexander Dobrindt, Schattenkrieg

Schattenkrieg: Dobrindt warnt in Berlin vor Destabilisierung

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Innenminister Alexander Dobrindt warnt bei einer BfV-Tagung in Berlin vor einer umfassenden Bedrohung durch Sabotage, Spionage und Cyberattacken. Er wirbt zugleich fĂŒr weitreichendere Befugnisse der deutschen Nachrichtendienste.

  • Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht Deutschland in einem «Schattenkrieg». - Bild: Carsten Koall/dpa
    Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht Deutschland in einem «Schattenkrieg». - Bild: Carsten Koall/dpa
  • BfV-PrĂ€sident Sinan Selen hofft auf die Nachrichtendienst-Reform. - Bild: Carsten Koall/dpa
    BfV-PrÀsident Sinan Selen hofft auf die Nachrichtendienst-Reform. - Bild: Carsten Koall/dpa
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht Deutschland in einem «Schattenkrieg». - Bild: Carsten Koall/dpa BfV-PrÀsident Sinan Selen hofft auf die Nachrichtendienst-Reform. - Bild: Carsten Koall/dpa

Reform soll Nachrichtendienste stÀrken

  • Alexander Dobrindt sprach bei einer BfV-Tagung in Berlin von einem „Schattenkrieg“ gegen Deutschland.
  • BfV-PrĂ€sident Sinan Selen sagte, das demokratische SelbstverstĂ€ndnis solle verunsichert und das gesellschaftliche Fundament erschĂŒttert werden.
  • Die geplante Reform soll dem Verfassungsschutz und dem BND kĂŒnftig auch aktive Maßnahmen ermöglichen.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sieht Deutschland umfassender bedroht als noch im Kalten Krieg.

Dobrindt warnt vor Destabilisierung

Bei einer Tagung des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz in Berlin sagte der CSU-Politiker, der Kalte Krieg habe noch erkennbare Grenzen gekannt. Diese Grenzen seien heute verwischt.

Dobrindt bezeichnete die aktuelle Bedrohung als „Schattenkrieg“. Dessen Ziel sei nicht ein militĂ€rischer Sieg, sondern die politische und gesellschaftliche Destabilisierung Deutschlands.

Angriffe auf Staat und Gesellschaft

Der Minister sprach von Destabilisierung im gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereich. Deutschland sei wegen seiner Wirtschaftskraft, seiner Industrie, seiner Wissenschaft und seiner Rolle in der europĂ€ischen Verteidigung sowie bei der UnterstĂŒtzung der Ukraine besonders im Fokus.

Als Mittel nannte Dobrindt Desinformation, Sabotage, Spionage und Cyberattacken. Staatliche Akteure arbeiteten dabei auch mit organisierter KriminalitÀt und Terrorismus zusammen. Die IntensitÀt dieser Zusammenarbeit sei stÀrker geworden.

Mehr Befugnisse fĂŒr BND und Verfassungsschutz

Dobrindt warb fĂŒr die geplante Reform der Nachrichtendienste, ĂŒber die der Bundestag entscheiden muss. Der Verfassungsschutz und der Bundesnachrichtendienst sollen kĂŒnftig nicht nur Informationen sammeln, sondern unter bestimmten Voraussetzungen auch aktiv handeln dĂŒrfen.

Der BND könnte danach etwa die IT einer staatlich gelenkten Hackergruppe angreifen oder Produktions- und Lieferketten manipulieren, um die Herstellung von Drohnen, Waffen oder Sprengstoff zu behindern.

Heimliche Durchsuchungen vorgesehen

Der Verfassungsschutz soll unter engen Voraussetzungen Wohnungen oder GeschĂ€ftsrĂ€ume heimlich betreten dĂŒrfen. Dies könnte etwa dem Einsatz von SpĂ€hsoftware fĂŒr eine Online-Durchsuchung dienen.

Selen sagte, innerhalb von zwei Jahren werde sich bilanzieren lassen, ob die Neuaufstellung der Nachrichtendienste gelungen sei. „Die AnschlĂ€ge werden kommen“, sagte der BfV-PrĂ€sident. Nötig sei eine operative, technologische und grundsĂ€tzliche Neuorientierung.

Dobrindt kĂŒndigt weiteren Schwerpunkt an

Bei der BekĂ€mpfung von Extremismus will Dobrindt nach eigenen Angaben auch den Linksextremismus stĂ€rker in den Blick nehmen. Auf den Spionageverdacht gegen den frĂŒheren BND-PrĂ€sidenten August Hanning angesprochen, betonte Selen die stabile Zusammenarbeit und das starke VertrauensverhĂ€ltnis mit auslĂ€ndischen Diensten.

Hybride Bedrohungen verlaufen unterhalb der Kriegsschwelle

Mit dem Begriff „Schattenkrieg“ beschreibt Dobrindt eine Sicherheitslage, in der staatliche und nichtstaatliche Akteure unterschiedliche Mittel verbinden. Dazu zĂ€hlen klassische Spionage, Cyberangriffe, Sabotage und Desinformation. Anders als ein offener militĂ€rischer Angriff bleiben Urheber, Auftraggeber und politische Verantwortlichkeiten dabei hĂ€ufig schwerer erkennbar.

Deutschland ist wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung, seiner kritischen Infrastruktur und seiner Rolle in der europĂ€ischen UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine besonders exponiert. Angriffe auf Energieversorgung, Logistik, Verwaltung, Unternehmen oder Kommunikationsnetze könnten nicht nur unmittelbare SchĂ€den verursachen, sondern auch Vertrauen in staatliche Institutionen schwĂ€chen. FĂŒr BĂŒrger zeigt sich die Sicherheitsfrage deshalb nicht allein an militĂ€rischen Grenzen, sondern auch im Alltag digitaler und physischer Infrastruktur.

Reform verschiebt Befugnisse der Dienste

Die geplante Nachrichtendienst-Reform zielt laut der Meldung darauf, den Verfassungsschutz und den BND handlungsfĂ€higer zu machen. Vorgesehene Eingriffe wie das heimliche Betreten von Wohnungen oder GeschĂ€ftsrĂ€umen und aktive Maßnahmen gegen auslĂ€ndische Hackergruppen berĂŒhren zugleich den Schutz der PrivatsphĂ€re und die Kontrolle staatlicher Macht.

Entscheidend wird daher sein, wie eng die Voraussetzungen gefasst, richterliche und parlamentarische Kontrollen ausgestaltet und ZustĂ€ndigkeiten zwischen den Diensten abgegrenzt werden. Die angekĂŒndigte Bilanz nach zwei Jahren wĂŒrde dann nicht nur an verhinderten AnschlĂ€gen, sondern auch an Transparenz, Rechtssicherheit und dem Vertrauen in die demokratische Ordnung gemessen.

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