Niedersachsen, Schleswig-Holstein

Prozess gegen Klette - Was fordert die Staatsanwaltschaft?

28.04.2026 - 04:30:09 | dpa.de

SchĂŒsse, Millionenbeute und TrĂ€nen vor Gericht: Nach mehr als einem Jahr könnte der Prozess um Ex-RAF-Mitglied Daniela Klette bald enden. Nun hat die Staatsanwaltschaft das letzte Wort.

  • Die StaatsanwĂ€ltin soll mit ihrem PlĂ€doyer beginnen. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa
    Die StaatsanwÀltin soll mit ihrem PlÀdoyer beginnen. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa
  • Daniela Klette fĂ€llt vor allem mit politischen Botschaften auf. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
    Daniela Klette fÀllt vor allem mit politischen Botschaften auf. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa
  • Der Prozess gegen Klette vor dem Landgericht Verden dĂŒrfte bald enden. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
    Der Prozess gegen Klette vor dem Landgericht Verden dĂŒrfte bald enden. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa
Die StaatsanwĂ€ltin soll mit ihrem PlĂ€doyer beginnen. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa-Pool/dpa Daniela Klette fĂ€llt vor allem mit politischen Botschaften auf. (Archivbild) - Foto: Focke Strangmann/dpa Der Prozess gegen Klette vor dem Landgericht Verden dĂŒrfte bald enden. (Archivbild) - Foto: Sina Schuldt/dpa

Im Prozess gegen die ehemalige RAF-Terroristin Daniela Klette werden mit Spannung die PlĂ€doyers erwartet. Die Staatsanwaltschaft soll am Vormittag (10 Uhr) mit ihrem Schlussvortrag beginnen, wie das Landgericht Verden ankĂŒndigte. Voraussetzung ist, dass keine BeweisantrĂ€ge gestellt werden.

Warum Daniela Klette vor Gericht steht

Die VorwĂŒrfe gegen Klette wiegen schwer: Sie steht unter anderem wegen versuchten Mordes, Raubs und VerstĂ¶ĂŸen gegen Waffengesetze vor Gericht. Beamte hatten die Anklagte im Februar 2024 in Berlin festgenommen. Von ihren mutmaßlichen Komplizen - den ehemaligen RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub - fehlt weiter jede Spur.

Das Landgericht Verden beschĂ€ftigt sich nur mit den ÜberfĂ€llen. Laut Anklage soll das Trio von 1999 bis 2016 Geldtransporter und KassenbĂŒros in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ĂŒberfallen haben.

Klette soll die ÜberfĂ€lle geplant, Menschen mit Waffen bedroht und das Fluchtauto gefahren haben. Die Ermittler gehen von rund 2,7 Millionen Euro Beute aus. Mit dem Geld soll die Angeklagte ihr Leben im Untergrund finanziert haben. Ein weiteres Verfahren soll Klettes Rolle wĂ€hrend ihrer Zeit bei der linksterroristischen Vereinigung klĂ€ren.

Herausforderndes Verfahren

Seit mehr als einem Jahr versucht das Gericht, die Taten zu rekonstruieren. Doch das ist gar nicht so einfach: Die Angeklagte selbst kritisiert den Kapitalismus, das Vorgehen Israels im Gaza-Streifen und den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela - doch zu den ÜberfĂ€llen schweigt sie.

Ihre AnwĂ€lte und die Staatsanwaltschaft fĂŒhren immer wieder Wortgefechte oder fallen sich ins Wort. Opfer der ÜberfĂ€lle brachen in TrĂ€nen aus oder konnten sich nach all den Jahren an wichtige Details nicht mehr erinnern. 

Um weiteren Zeugen eine Aussage zu ersparen, stellte das Gericht die Verfahren zu fĂŒnf ÜberfĂ€llen ein. Die Taten in Northeim, Celle und Stade in Niedersachsen, Elmshorn in Schleswig-Holstein sowie Löhne in Nordrhein-Westfalen sind seitdem nicht mehr Teil des Prozesses. Sollte Klette verurteilt werden, hĂ€tten die fĂŒnf FĂ€lle laut Gericht ohnehin keine grĂ¶ĂŸeren Auswirkungen auf das Strafmaß. 

HĂ€lt die Staatsanwaltschaft am Mordversuch fest?

Entscheidend dĂŒrfte hingegen ein rechtlicher Hinweis sein: Das Gericht erklĂ€rte im Laufe des Verfahrens, dass ein bewaffneter Überfall in Stuhr nahe Bremen nicht als Mordversuch gewertet werden könnte. Bei der Tat am 6. Juni 2015 soll das Trio laut Staatsanwaltschaft einen Geldtransporter mit knapp einer Million Euro im Laderaum gestoppt haben. Dabei fielen mehrere SchĂŒsse – zwei drangen laut Anklage in die Fahrerkabine ein. Die Geldboten blieben körperlich unverletzt, die TĂ€ter flohen ohne Beute.

Die Kammer geht in diesem Fall von einem sogenannten bedingten Tötungsvorsatz aus. Demnach wollte der SchĂŒtze den Tod des Opfers zwar nicht unbedingt, hĂ€tte ihn aber in Kauf genommen. Dann sei er von dem Vorsatz zurĂŒckgetreten und habe entschieden, die Tat nicht zu Ende zu bringen.

Interessant dĂŒrfte sein, ob sich die Staatsanwaltschaft in ihrem PlĂ€doyer der EinschĂ€tzung des Gerichts anschließt oder weiter von versuchtem Mord ausgeht. 

Nach Planung des niedersĂ€chsischen Gerichts könnte am Mittwoch die Nebenklage plĂ€dieren. Die Verteidigung wĂ€re am 12. und 13. Mai mit ihren AntrĂ€gen dran. Ein Urteil ist frĂŒhestens Ende Mai zu erwarten.

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