AuszÀhlungen, Kommunalwahlen

AuszĂ€hlungen bei Kommunalwahlen - AfD scheitert in ThĂŒringen

09.06.2024 - 23:59:11 | dpa.de

Sie stehen im Schatten der Europawahlen, dabei geht es bei den Kommunalwahlen um die konkreten Anliegen der Menschen vor Ort: In acht BundeslĂ€ndern waren die BĂŒrger am Sonntag dazu aufgerufen.

Wahlurne im rheinland-pfÀlzischen Schweich. - Foto: Harald Tittel/dpa

Bei den Kommunalwahlen in acht BundeslĂ€ndern hat sich bis zum Sonntagabend anders als bei den Europawahlen noch kein klarer Trend abgezeichnet. Die AfD konnte in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg nach ZwischenstĂ€nden deutlich zulegen, unterlag aber in Stichwahlen in ThĂŒringen. Die AuszĂ€hlung fĂŒr Kommunalparlamente ist wegen der Möglichkeit, mehrere Stimmen zu verteilen, deutlich komplizierter und kann sich ĂŒber mehrere Tage hinziehen.

Bei den Stichwahlen um Landratsposten in ThĂŒringen ist die AfD leer ausgegangen. In keinem der neun Landkreise, in denen AfD-Kandidaten den zweiten Wahlgang erreicht hatten, reichte es fĂŒr einen Sieg. Der Rechtsextremist Tommy Frenck stand bei der Stichwahl im SĂŒdthĂŒringer Landkreis Hildburghausen nach AuszĂ€hlung von 120 der 127 Stimmbezirke bei 31,0 Prozent, der Freie-WĂ€hler-Kandidat Sven Gregor bei 69,0 Prozent. Frenck wurde bundesweit bekannt, weil er eine Reihe großer Neonazi-Konzerte organisiert hatte.

AfD im Aufwind

Bei den Kreistags- und Stadtratswahlen in Sachsen-Anhalt deutete sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CDU und AfD an. Nach AuszĂ€hlung von rund der HĂ€lfte der 2597 Wahlbezirke lag die AfD mit landesweit rund 29 Prozent der Stimmen vor der CDU mit 27,6 Prozent. Vor allem die AfD konnte im Vergleich zur letzten Kommunalwahl 2019 deutlich an Stimmen gewinnen. Linke, SPD, FDP und GrĂŒne verloren dagegen teils deutlich.

Auch bei den Kommunalwahlen in Brandenburg steht die AfD erstmals vor einem Sieg. Nach AuszĂ€hlung von drei Viertel der Stimmen kam die AfD landesweit auf rund 28 Prozent - das wĂ€ren ĂŒber 12 Prozentpunkte mehr als vor fĂŒnf Jahren. Die CDU verbesserte sich nach AuszĂ€hlung von drei Viertel der Stimmen leicht auf rund 19 Prozent, sie hatte 2019 noch vorn gelegen.

Ähnlich ist die Tendenz in Mecklenburg-Vorpommern: Nach AuszĂ€hlung von 1100 der knapp 2000 Kommunalwahlbezirke erreichte die AfD 27 Prozent der Stimmen. Damit wĂŒrde die Partei ihren Stimmenanteil im Vergleich zur vorhergehenden Kommunalwahl verdoppeln. Bei leichten Verlusten erreichte die CDU zur Halbzeit der StimmauszĂ€hlung etwa 24 Prozent.

GrĂŒne verlieren in Baden-WĂŒrttemberg

Erfurts langjĂ€hriger SPD-OberbĂŒrgermeister Andreas Bausewein muss sein Dienstzimmer im Rathaus nach 18 Jahren rĂ€umen. Der 51-JĂ€hrige verlor am Sonntag die Stichwahl um das OberbĂŒrgermeisteramt von ThĂŒringens Landeshauptstadt gegen seinen CDU-Herausforderer Andreas Horn, der 64,2 Prozent der Stimmen erhielt. Bausewein, der bereits beim ersten Wahlgang Ende Mai hinter Horn lag, kam nach Daten des Landeswahlleiters auf 35,8 Prozent der Stimmen.

Bei den Gemeinderatswahlen in Baden-WĂŒrttemberg mĂŒssen die GrĂŒnen einer SWR-Prognose zufolge in den drei grĂ¶ĂŸten StĂ€dten des Landes zwar mit Verlusten rechnen. Sie fallen aber in Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim nicht so stark aus wie bei den Europawahlen. Die CDU kann in Stuttgart und Mannheim laut Prognose stĂ€rkste Kraft werden, in Karlsruhe halten die GrĂŒnen voraussichtlich diese Position trotz Verlusten.

Insgesamt waren rund 22,5 Millionen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger in Baden-WĂŒrttemberg, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt aufgerufen, ihre Stimme fĂŒr die kĂŒnftige Besetzung von Kommunalparlamenten, LandratsĂ€mtern oder RathĂ€usern abzugeben. Im Stadtstaat Hamburg wurde ĂŒber die Mandate fĂŒr die Bezirksversammlungen abgestimmt. In ThĂŒringen konnten zudem rund 1,3 Millionen BĂŒrger in den Stichwahlen ihre Stimme abgeben.

Stimmungstest fĂŒr Landtagswahlen

Die Wahlen gelten ebenso wie die Europawahl als Stimmungstest fĂŒr die Parteien - vor allem in Brandenburg, Sachsen und ThĂŒringen, wo im Herbst Landtagswahlen stattfinden. Allerdings kandidieren in GemeinderĂ€ten oder in kleineren StĂ€dten hĂ€ufig auch Vertreter von BĂŒrgerinitiativen und anderen Vereinigungen, die etablierten Parteien spielen dadurch bisweilen nur eine untergeordnete Rolle.

Im Fokus stand unter anderem die Frage, ob die AfD ihre derzeitigen Umfragewerte in konkrete Wahlsiege umwandeln konnte. Mit genauen Ergebnissen wird zum Teil aber erst in einigen Tagen gerechnet. Schneller geht es in der Regel bei BĂŒrgermeister- und Landratswahlen.

GewĂ€hlt wurde in den acht LĂ€ndern zuletzt vor fĂŒnf Jahren. In fĂŒnf von ihnen konnten BĂŒrger bereits ab 16 Jahren, sonst ab 18 Jahren abstimmen. In Baden-WĂŒrttemberg als einzigem Bundesland konnten 16-JĂ€hrige sogar selbst gewĂ€hlt werden. Abstimmungsberechtigt bei Kommunalwahlen sind auch EU-BĂŒrger mit Wohnsitz in den jeweiligen StĂ€dten und Gemeinden. In Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, sind die Kommunalwahlen erst fĂŒr 2025 angesetzt. Die Wahlbeteiligung liegt bei Kommunalwahlen ebenso wie bei den Europawahlen in der Regel deutlich unter der von Bundestagswahlen.

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