Erbschaftsteuer: SPD-Generalsekretär fordert Reform wegen 95 Prozent West-Anteil
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSSPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf hat seine Forderung nach einer gerechteren Erbschaftsteuer im Ringen um Reformen mit der Union erneuert. Er kritisierte, dass 95 Prozent des steuerlich vererbten Vermögens und der Schenkungen auf Westdeutschland entfielen.
Kritik an der Vermögensverteilung
Gegenüber der „Rheinischen Post“ sagte Klüssendorf, es sei ungerecht, wenn Lebenschancen und Sicherheit im Alter stark davon abhingen, ob jemand ein großes Erbe erwarten könne. Besonders in Ostdeutschland bleibe vielen Menschen im Alter nach seinen Worten nur die gesetzliche Rente, weil sie kaum zusätzliches Vermögen hätten aufbauen können.
Forderung nach breiter Rentenversicherung
Der SPD-Politiker fordert deshalb eine leistungsfähige gesetzliche Rentenversicherung, die allen verlässlichen Schutz vor Altersarmut bietet. Künftig sollen aus seiner Sicht alle Erwerbstätigen einzahlen, darunter auch neue Beamte, Abgeordnete und Selbstständige.
Milliardärsfamilien im Fokus
Bei der Erbschaftsteuer verlangt Klüssendorf eine Korrektur der bestehenden Regeln. Kleinere und mittlere Erbschaften würden aus seiner Sicht stark belastet, während Milliardärsfamilien Vermögen durch legale Schlupflöcher nahezu steuerfrei weitergeben könnten.
Wer diese Ungleichheit nicht erkenne und handele, gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt, warnte der SPD-Generalsekretär.
Die Forderung fällt in eine seit Jahren anhaltende Debatte über die Verteilung privaten Vermögens in Deutschland. Steuerlich erfasste Erbschaften und Schenkungen konzentrieren sich stark auf Westdeutschland: Für das Vorjahr wurden dort 142,5 Milliarden Euro ausgewiesen, in den ostdeutschen Ländern rund acht Milliarden Euro. Diese Zahlen bilden nur steuerlich berücksichtigte Übertragungen ab, machen aber die unterschiedliche Ausgangslage beim Vermögensaufbau sichtbar.
Vermögen und Altersvorsorge
Der Abstand zeigt sich auch beim Haushaltsvermögen. Für 2023 wurde das durchschnittliche Netto-Gesamtvermögen je Haushalt im Osten mit 125.500 Euro und im Westen mit 257.100 Euro angegeben. Beim Immobilienvermögen betrug das Verhältnis 97.800 zu 214.500 Euro. Historisch wirkt dabei nach, dass privater Vermögensaufbau in der DDR nur eingeschränkt möglich war und sich diese Unterschiede über Erbschaften und Schenkungen teilweise weitergeben.
Eine Reform der Erbschaftsteuer könnte deshalb an zwei Problemen zugleich ansetzen: an der Belastung kleinerer und mittlerer Übertragungen sowie an der steuerlichen Behandlung sehr großer Familienvermögen. Entscheidend wären dabei konkrete Freibeträge, Bewertungsvorschriften und Regeln für Betriebsvermögen. Änderungen müssten außerdem mit der Finanzierung von Ländern und Kommunen zusammenpassen, denen die Erbschaftsteuer zufließt.
Politische Tragweite
Die Verbindung mit einer umfassenderen Rentenversicherung erweitert die Debatte über einzelne Steuerregeln hinaus. Klüssendorf stellt die Frage, wie stark Alterssicherung vom Arbeitseinkommen, von staatlichen Ansprüchen und von familiärem Vermögen abhängen soll. Gerade in Regionen mit geringerer Vermögensbasis berührt das nicht nur Verteilungsfragen, sondern auch die Wahrnehmung gleichwertiger Lebensverhältnisse und des gesellschaftlichen Zusammenhalts.
