Starlink-Anschlag in Polen: Zwei VerdÀchtige in Deutschland festgenommen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 16:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAuslieferung nach Polen wird geprĂŒft
- Das Feuer brach am 23. September in Wola Krobowska sĂŒdlich von Warschau aus.
- Der Ermittlungsrichter in NĂŒrtingen eröffnete den europĂ€ischen Haftbefehl und ordnete Haft an.
- Ăber die Auslieferung entscheiden die zustĂ€ndigen Oberlandesgerichte nach AntrĂ€gen aus Stuttgart und Koblenz.
Nach dem Brandanschlag auf eine Starlink-Bodenstation in Polen sind in NĂŒrtingen bei Stuttgart zwei tĂŒrkische Staatsangehörige festgenommen worden.
Festnahmen in NĂŒrtingen
Das Landeskriminalamt Baden-WĂŒrttemberg bestĂ€tigte den Zugriff in der BahnhofstraĂe. SpezialkrĂ€fte des Mobilen Einsatzkommandos nahmen die MĂ€nner auf polnisches Ersuchen fest.
Die beiden Beschuldigten wurden dem Ermittlungsrichter des Amtsgerichts NĂŒrtingen vorgefĂŒhrt. Dieser eröffnete den europĂ€ischen Haftbefehl und ordnete Untersuchungshaft an.
Gerichte entscheiden ĂŒber Ăbergabe
Nun prĂŒfen die Generalstaatsanwaltschaften Stuttgart und Koblenz AntrĂ€ge an die zustĂ€ndigen Oberlandesgerichte. Diese entscheiden ĂŒber die Auslieferung der MĂ€nner an Polen.
Polens Regierungschef Donald Tusk erklĂ€rte, die beiden MĂ€nner hĂ€tten die Starlink-Station in Masowien angezĂŒndet. Sie sollen sich nach seiner Darstellung vor der polnischen Justiz verantworten.
Weitere Festsetzung und Durchsuchungen
In Berlin-Spandau wurde laut der Meldung eine weitere Person festgesetzt, die wieder auf freiem Fuà ist. Eine weitere Festnahme in Karlsruhe konnte die Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart nicht bestÀtigen.
Nach Angaben von Baden-WĂŒrttembergs Innenminister Manuel Hagel durchsuchte die Polizei drei Wohnungen, davon zwei im Bundesland. Hagel forderte eine stĂ€rkere Sicherheitsarchitektur und leistungsfĂ€higere Verfassungsschutzbehörden.
Brand beschÀdigte Stromversorgung
Der Brand ereignete sich am 23. September in einem Terminal der Starlink-Anlage in Wola Krobowska rund 50 Kilometer sĂŒdlich von Warschau. Das Feuer erfasste die Stromversorgungsstation und den Stromgenerator.
Nach Darstellung der polnischen Regierung gewĂ€hrleistet die Station auch den Internetbetrieb in der Ukraine. Ermittler rekonstruierten den Angaben zufolge Vorbereitung und Flucht und sicherten unter anderem FingerabdrĂŒcke sowie DNA-Spuren.
Starlink als Teil ukrainischer Kommunikation
Das Satellitennetz von SpaceX stellt Internet bereit, wenn Mobilfunkmasten und Datenleitungen fehlen oder zerstört sind. In der Ukraine ermöglicht es nach den Angaben der Meldung den Austausch von Informationen, die Koordination von EinsĂ€tzen und die UnterstĂŒtzung militĂ€rischer Operationen.
AuĂenminister Johann Wadephul forderte eine engere europĂ€ische Zusammenarbeit gegen solche Angriffe. Der GrĂŒnen-Innenpolitiker Konstantin von Notz verwies zudem auf mögliche Verbindungen zu Strukturen der organisierten KriminalitĂ€t.
Polen vermutet russische Auftraggeber
Polens Innenminister Marcin Kierwinski kĂŒndigte an, den MĂ€nnern in Polen Sabotage und eine TĂ€tigkeit im Auftrag eines auslĂ€ndischen Geheimdienstes vorzuwerfen. Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak erklĂ€rte, es gebe keinen Zweifel an einer Verantwortung russischer Geheimdienste.
Der polnische Polizeichef Marek Boron verwies auf gesicherte Aufzeichnungen, Spuren und Erkenntnisse zu den Bewegungen der VerdÀchtigen. Einer der MÀnner lebt demnach in Deutschland; gegen den anderen besteht eine Abschiebungsanordnung.
??GrenzĂŒberschreitende Ermittlungen
Der Fall verbindet einen Brandanschlag in Polen mit Ermittlungen und Haftentscheidungen in Deutschland. Ăber die Auslieferung der beiden Festgenommenen entscheiden nun die zustĂ€ndigen deutschen Oberlandesgerichte. Damit verlagert sich der nĂ€chste rechtliche Schritt von der Festnahme auf das europĂ€ische Auslieferungsverfahren.
Die Bedeutung des Tatorts ergibt sich aus der Funktion der Starlink-Infrastruktur. Das Satellitennetz stellt Kommunikation auch dort bereit, wo Leitungen oder Mobilfunknetze fehlen oder beschĂ€digt sind. In der Ukraine unterstĂŒtzt es nach den Angaben der Meldung unter anderem den Informationsaustausch und die Koordination militĂ€rischer EinsĂ€tze. Ein Angriff auf eine Bodenstation kann deshalb ĂŒber den unmittelbaren Sachschaden hinaus auf die VerfĂŒgbarkeit sicherheitsrelevanter Kommunikation zielen.
Polen ordnet den Vorfall politisch ein
Polnische Regierungsvertreter sprechen von russischen Geheimdiensten als möglichen Auftraggebern und wollen den TatverdĂ€chtigen Sabotage im Auftrag eines auslĂ€ndischen Geheimdienstes vorwerfen. Diese politische Einordnung erhöht die Tragweite des Verfahrens, ersetzt aber nicht die gerichtliche PrĂŒfung der individuellen Tatbeteiligung und möglicher HintermĂ€nner.
Die deutsche Festnahme zeigt zugleich, dass Ermittlungen zu mutmaĂlichen Sabotageakten europĂ€ische ZustĂ€ndigkeiten ĂŒberschreiten. Polizei, Staatsanwaltschaften, Geheimdienste und Gerichte mĂŒssen Beweismittel, Haftfragen und eine mögliche Ăbergabe an Polen koordinieren. FĂŒr die Ăffentlichkeit ist entscheidend, dass zwischen gesicherten Ermittlungsschritten, strafrechtlichen VorwĂŒrfen und der Frage einer auslĂ€ndischen Steuerung unterschieden wird.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âPolen verdĂ€chtigt Russland Brand in Starlink-Anlage - Festnahmen in Deutschlandâ (12.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige die Festnahme zweier tĂŒrkischer StaatsbĂŒrger in Deutschland nach dem Brand in einer polnischen Starlink-Anlage. Er hebe zusĂ€tzlich hervor, die Station sei nicht zerstört worden und der polnische Digitalminister habe von einem gezielt geplanten Sabotageakt gesprochen.
DER SPIEGEL: âPolen vermutet Russland hinter Brand an Starlink-Station â Festnahmen in Deutschlandâ (13.10.2026)
Der Artikel schreibe, Polen vermute russische Geheimdienste hinter dem Brand und die Station versorge auch das ukrainische MilitÀr mit Internet. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich auf die beschÀdigte Stromversorgung und den Notstromgenerator sowie auf das mögliche Ziel, Verbindungen zu unterbrechen.
Beide Berichte bestÀtigten die Festnahmen und die polnische Einordnung als möglichen russischen Sabotageakt. Unterschiede lÀgen vor allem bei der Gewichtung des Stationsschadens und der strategischen Funktion des Netzes; die weiteren rechtlichen Schritte und eine mögliche Auftraggeberschaft blieben Gegenstand des Verfahrens.
