Starlink-Sabotage, Nürtingen

Starlink-Sabotage: Zwei Verdächtige in Nürtingen gefasst

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 08:31 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach dem Brand an einer Starlink-Station südlich von Warschau führt die Spur nach Deutschland. Die Verdächtigen sollen der polnischen Justiz überstellt werden; ein weiterer Zugriff in Berlin steht im Raum.

Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg wurden die zwei Tatverdächtigen in Nürtingen gefasst. - Bild: Enrique Kaczor/dpa
Laut Landeskriminalamt Baden-Württemberg wurden die zwei Tatverdächtigen in Nürtingen gefasst. - Bild: Enrique Kaczor/dpa

Ermittlungen führen nach Nürtingen

  • Das LKA nahm am Montag in Nürtingen zwei türkische Staatsangehörige auf polnisches Ersuchen fest.
  • Die Männer sollen im Laufe des Tages einem Haftrichter vorgeführt werden.
  • Polen wirft ihnen vor, am 23. September eine Starlink-Station in Masowien angezündet zu haben.

Nach einem Brandanschlag auf eine Starlink-Station in Polen sind zwei mutmaßliche Saboteure in Deutschland festgenommen worden.

Festnahmen durch Spezialkräfte

Der Zugriff erfolgte nach Angaben des baden-württembergischen Landeskriminalamts in der Bahnhofstraße in Nürtingen durch Spezialkräfte des Mobilen Einsatzkommandos. Das LKA machte zunächst keine Angaben zum Alter der beiden Männer und nannte keine weiteren Hintergründe.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk erklärte, die deutschen Behörden hätten auf Antrag polnischer Geheimdienste zwei türkische Staatsbürger festgenommen. Sie würden verdächtigt, die Starlink-Station in Masowien in Brand gesetzt zu haben und sich vor der polnischen Justiz verantworten zu müssen.

Weiterer Verdächtiger in Berlin

Nach Medienberichten soll die Polizei in Berlin-Spandau einen weiteren Verdächtigen gefasst haben. Er könnte der Fahrer der beiden in Nürtingen festgenommenen Männer sein.

Brand gefährdete Kommunikationsweg

Das Feuer war am 23. September in einem Terminal des Satelliteninternetdienstes Starlink in Wola Karbowska rund 50 Kilometer südlich von Warschau ausgebrochen. Betroffen waren die Stromversorgungsstation und der Stromgenerator.

Die polnische Regierung geht von einem Sabotageakt im Auftrag Russlands aus. Die Station gewährleistet nach polnischen Angaben auch die Sicherheit des Internetbetriebs in der Ukraine; ein Ausfall hätte die Internetversorgung beeinträchtigen können.

Polen nennt Spuren und Bewegungsdaten

Der polnische Innenminister Marcin Kierwinski kündigte an, den Verdächtigen in Polen Sabotage und die Tätigkeit im Auftrag eines ausländischen Geheimdienstes vorzuwerfen. Der Geheimdienstkoordinator Tomasz Siemoniak sagte, es gebe keinen Zweifel an einer Verantwortung russischer Geheimdienste.

Polizeichef Marek Boron erklärte, die Ermittler hätten Tatvorbereitung und Flucht rekonstruiert. Sie verfügten über Aufzeichnungen, Fingerabdrücke, DNA-Spuren sowie Informationen zu Einreise, Bewegungen und Ausreise der Tatverdächtigen.

Einer der Männer soll in Deutschland ansässig sein, gegen den anderen soll dort eine Abschiebungsanordnung vorliegen. Polen hofft auf eine schnelle Überstellung beider Verdächtiger.

Starlink als Teil kritischer Infrastruktur

Der Brand traf eine Station, die nach polnischen Angaben Datenverbindungen durch Polen und in die Ukraine unterstützt. Damit reicht die Bedeutung des Falls über einen lokalen Sachschaden hinaus: Kommunikationswege für staatliche Stellen und ukrainische Streitkräfte können im Krieg gegen Russland sicherheitsrelevant sein.

Polen ist als NATO- und EU-Mitglied zugleich ein zentraler Knotenpunkt für die Unterstützung der Ukraine. Infrastruktur auf polnischem Gebiet steht deshalb unter besonderer Aufmerksamkeit. Der Fall reiht sich in eine Sicherheitsdebatte ein, in der Regierungen Sabotage, Cyberangriffe und andere verdeckte Aktivitäten als Teil hybrider Bedrohungen beschreiben.

Ermittlungen mit grenzüberschreitender Folge

Die Festnahmen in Deutschland zeigen die praktische Bedeutung europäischer Zusammenarbeit bei Ermittlungen, die mehrere Staaten betreffen. Nach der Festnahme entscheidet das weitere Verfahren darüber, wann und unter welchen rechtlichen Voraussetzungen die Verdächtigen polnischen Behörden überstellt werden.

Für die Bewertung des Falls sind nun die Beweismittel und die juristische Aufarbeitung entscheidend. Die polnischen Ermittler nennen unter anderem DNA-Spuren, Fingerabdrücke und Bewegungsdaten. Der politische Vorwurf einer Steuerung durch russische Geheimdienste verleiht dem Verfahren zugleich eine internationale Dimension, muss aber im Strafverfahren mit konkreten Belegen unterlegt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

BR24: „Polen meldet Festnahmen in Deutschland nach Starlink-Brand“ (12.10.2026)

Der Bericht ordne die Festnahmen als Teil eines von Warschau vermuteten russischen Sabotageakts und eines möglichen Akts hybrider Kriegsführung ein. Anders als die dpa-Meldung hebe er zusätzlich hervor, die Station sei durch den Brand nicht zerstört worden und habe Datenverbindungen in die Ukraine unterstützt.

tagesschau.de: „Polens Ministerpräsident Tusk teilt mit Brand in Starlink-Anlage - Festnahmen in Deutschland“ (12.10.2026)

Der Beitrag bestätige die Festnahmen und den Verdacht gegen zwei türkische Staatsangehörige. Er setze einen anderen Schwerpunkt auf die Rolle Starlinks für die ukrainischen Streitkräfte sowie auf die längerfristige polnische Warnung vor hybriden Angriffen.

Beide Berichte stellten die Festnahmen und den russischen Verdacht als zentrale Punkte dar; offen bleibe in ihrer Darstellung, wie die polnischen Vorwürfe im weiteren Verfahren belegt und rechtlich bewertet würden.

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