Bundespräsidentenwahl, Franziska Brantner

Steinmeier-Nachfolge: Brantner attackiert Merz wegen Aigner-Streit

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Grünen-Chefin Franziska Brantner kritisiert den Wettbewerb zwischen Friedrich Merz und Markus Söder um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Zugleich signalisiert sie Bereitschaft zu einer gemeinsamen Kandidatin von Union, SPD und Grünen.

Bundesversammlung entscheidet am 30. Januar

  • Franziska Brantner wirft Friedrich Merz wegen der Suche nach Steinmeiers Nachfolge mangelnde Führung vor.
  • Markus Söder unterstützt Ilse Aigner, während Merz Ines Claus favorisieren soll.
  • Die Grünen sind für eine gemeinsame Kandidatin von Union und SPD offen und werben für eine Frau.
Franziska Brantner (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Brantner kritisiert Streit um Steinmeier-Nachfolge

Grünen-Chefin Franziska Brantner hat Bundeskanzler Friedrich Merz mangelnde Führung bei der Suche nach einem Nachfolger für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorgeworfen. Sie kritisierte, dass der Streit um mögliche Kandidatinnen zu Zerwürfnissen führe und Personen beschädigen könne.

Machtkampf zwischen Merz und Söder

Brantner sagte, es gehe derzeit nicht darum, wer die beste Person für das Amt sei, sondern um einen Machtkampf zwischen CSU-Chef Markus Söder und CDU-Vorsitzendem Merz. Dieses Vorgehen sei dem höchsten Staatsamt nicht würdig.

Aigner und Claus im Rennen

Söder wirbt für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Als Favoritin von Merz gilt nach der dts-Meldung die hessische CDU-Fraktionsvorsitzende Ines Claus.

Grüne offen für gemeinsame Kandidatin

Die Grünen seien bereit, gemeinsam mit Union und SPD eine Bewerberin aufzustellen, sagte Brantner. Nach ihrer Überzeugung sei die Zeit reif für eine Frau an der Spitze des Staates.

Brantner verweist auf Adenauer

Brantner riet Merz außerdem, sich stärker am ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu orientieren. Sie nannte dessen Verbindung von Sozialer Marktwirtschaft, Ideenwettbewerb und Europapolitik als Vorbild.

Mit Blick auf die europäische Verteidigungszusammenarbeit kritisierte Brantner, dass Deutschland und Frankreich bislang kein gemeinsames Kampfflugzeug gebaut hätten. Adenauer hätte aus ihrer Sicht die Unternehmenschefs an einen Tisch geholt und auf eine Lösung hingearbeitet.

Die Debatte über die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier hat sich zu einer Personalfrage innerhalb der Union und zugleich zu einer strategischen Frage für die Bundesversammlung entwickelt. Markus Söder unterstützt Ilse Aigner, während Friedrich Merz Ines Claus favorisieren soll. Aigner wird dabei nicht nur als mögliche Kandidatin für das Amt betrachtet, sondern auch im Zusammenhang mit Söders längerfristigen politischen Ambitionen eingeordnet.

Für Merz ist die Auswahl politisch sensibel, weil der Bundespräsident mit der Bundesversammlung von einem breiten Verfassungsorgan gewählt wird. Eine offene Auseinandersetzung zwischen CDU und CSU kann deshalb die Suche nach einer parteiübergreifend tragfähigen Persönlichkeit erschweren. Brantners Vorstoß für eine gemeinsame Kandidatin von Union, SPD und Grünen zielt auf genau diese Mehrheitsfrage.

Warum die Kandidatinnenfrage Gewicht hat

Die Personaldebatte berührt zudem die Repräsentation des höchsten Staatsamts. Brantner verbindet ihre Unterstützung einer überparteilichen Lösung mit der Forderung nach einer Frau an der Staatsspitze. Für die Grünen eröffnet das zugleich die Möglichkeit, Einfluss auf die Auswahl zu nehmen, ohne bereits eine eigene Person zu benennen.

Die Bundesversammlung soll am 30. Januar über die Nachfolge Steinmeiers entscheiden. Bis dahin dürfte neben der fachlichen Eignung der Kandidatinnen vor allem entscheidend sein, ob Union, SPD und Grüne einen gemeinsamen Vorschlag finden oder ob der Machtkonflikt zwischen Merz und Söder die Suche weiter prägt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Söders Kanzler-Plan? Warum er Aigner als Bundespräsidentin pusht – und was 2028 damit zu tun hat“ (31.10.2026)

Der Artikel bestätigt Söders öffentliche Unterstützung für Ilse Aigner und ordnet sie in seine längerfristigen politischen Ambitionen ein. Der Schwerpunkt liegt damit stärker auf den strategischen Folgen für die Union als auf Brantners Kritik an Merz.

Frankfurter Rundschau: „Nächste Bundespräsidentin? Wofür die CDU-Politikerin Ines Claus steht“ (30.10.2026)

Der Beitrag stellt Ines Claus als mögliche Favoritin von Merz vor und beleuchtet ihren politischen Hintergrund. Gemeinsam mit der dts-Meldung zeigt er den Gegensatz zwischen der von Söder unterstützten Aigner und der von Merz bevorzugten Claus; offen bleibt die parteiübergreifende Mehrheitsbildung.

Beide Beiträge bestätigen die konkurrierenden Personaloptionen in der Union. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Während ein Artikel Söders Strategie betrachtet, stellt der andere Claus und ihre politische Positionierung in den Mittelpunkt.

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