Steinmeier-Nachfolge: CSU und SPD drÀngen auf schnelle Entscheidung
Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 13:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCSU und SPD erhöhen den Druck auf Union und Sozialdemokraten, sich rasch auf einen gemeinsamen Kandidaten oder eine Kandidatin fĂŒr die Nachfolge von BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier zu verstĂ€ndigen.
CSU will Entscheidung im Herbst
Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber fordert eine Einigung innerhalb der kommenden vier Wochen. Noch vor dem CSU-Parteitag am 23. und 24. Oktober in MĂŒnchen mĂŒsse Klarheit geschaffen werden, sagte der Vorsitzende der EuropĂ€ischen Volkspartei der Deutschen Presse-Agentur.
Die CSU hat als einzige der drei Koalitionsparteien bereits eine Favoritin benannt: die bayerische LandtagsprĂ€sidentin Ilse Aigner. CSU-Chef Markus Söder hatte sie im April ins GesprĂ€ch gebracht. Weber lobte ihre politische Erfahrung, ihre Haltung gegen Demokratiefeinde und ihre FĂ€higkeit, Menschen zusammenzufĂŒhren.
Aigner und Söder im politischen Zusammenhang
Eine Berufung Aigners zur BundesprĂ€sidentin wĂŒrde Söders Chancen auf eine spĂ€tere Ăbernahme des Kanzleramts verringern. Neben dem nordrhein-westfĂ€lischen MinisterprĂ€sidenten Hendrik WĂŒst wird der CSU-Chef derzeit als möglicher Nachfolger von Bundeskanzler Friedrich Merz gehandelt. Dass zwei der drei höchsten StaatsĂ€mter mit CSU-Politikern besetzt wĂŒrden, gilt jedoch als ausgeschlossen.
Die Debatte ĂŒber einen möglichen Kanzlerwechsel ist trotz der vorlĂ€ufigen RĂŒckendeckung der CDU-MinisterprĂ€sidenten fĂŒr Merz nicht beendet. Merz hat sich bei der PrĂ€sidentenfrage bislang zurĂŒckgehalten und angekĂŒndigt, sich im Herbst mit den Parteivorsitzenden von SPD und CSU verstĂ€ndigen zu wollen.
SPD besteht auf einer Frau
Die Union hat innerhalb der Koalition das Vorschlagsrecht, weil sie in der Bundesversammlung stĂ€rker vertreten ist. Zudem stellt die SPD mit Steinmeier derzeit das Staatsoberhaupt. FĂŒr die Wahl am 30. Januar braucht die Union dennoch die Sozialdemokraten: Zusammen verfĂŒgen beide Parteien in der Bundesversammlung nach Angaben der dpa ĂŒber eine Mehrheit von etwa 50 Stimmen.
SPD-ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrer Dirk Wiese dringt ebenfalls auf eine schnelle Entscheidung und bekrĂ€ftigt die Forderung seiner Partei nach einer Frau. Sie solle besonnen handeln, ĂŒber gutes Urteilsvermögen verfĂŒgen, Konflikte frĂŒhzeitig ansprechen und auf internationaler BĂŒhne anerkannt sein.
Mehrere Namen im GesprÀch
Neben Aigner werden mehrere CDU-Politikerinnen genannt. Dazu gehören Bildungsministerin Karin Prien, die frĂŒhere CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer, BundestagsprĂ€sidentin Julia Klöckner, EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen und die frĂŒhere Kulturstaatsministerin Monika GrĂŒtters.
Auch Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein wird als möglicher Kandidat genannt. Er weist die Spekulationen jedoch zurĂŒck und erklĂ€rt, er wolle MinisterprĂ€sident bleiben und die hessische CDU 2028 in den Landtagswahlkampf fĂŒhren.
Wahl mit klaren MehrheitsverhÀltnissen
Die Bundesversammlung wĂ€hlt den BundesprĂ€sidenten oder die BundesprĂ€sidentin fĂŒr eine Amtszeit von fĂŒnf Jahren. Sie besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleich groĂen Zahl von Vertreterinnen und Vertretern der LĂ€nder. FĂŒr die Koalition aus Union und SPD bedeutet die von der dpa genannte Mehrheit von etwa 50 Stimmen, dass sie eine gemeinsame Personalentscheidung voraussichtlich durchsetzen kann.
Politisch entscheidend ist deshalb weniger die offene Mehrheitsfrage als die VerstĂ€ndigung zwischen den Koalitionspartnern. Die Union verfĂŒgt ĂŒber das Vorschlagsrecht, wĂ€hrend die SPD auf eine Frau als Nachfolgerin Steinmeiers drĂ€ngt. Damit wird die Personalie zugleich zu einem Test fĂŒr die Zusammenarbeit von CDU, CSU und SPD.
Signalwirkung fĂŒr Union und SPD
Eine Kandidatur Ilse Aigners hĂ€tte eine doppelte Wirkung: Sie wĂŒrde erstmals eine Frau an die Spitze des Staates bringen und zugleich die CSU im Rennen um die Nachfolge von Friedrich Merz schwĂ€chen, weil zwei der drei höchsten StaatsĂ€mter nicht dauerhaft mit CSU-Politikern besetzt werden dĂŒrften. Bleibt Aigner auĂen vor, könnte das die Diskussion ĂŒber Markus Söder als möglichen Kanzlerkandidaten der Union offenhalten.
Entscheidung vor dem CSU-Parteitag
Der Zeitplan erhöht den politischen Druck. Der CSU-Parteitag Ende Oktober liegt vor dem Wahltermin am 30. Januar, sodass eine Einigung vor dem Parteitreffen die innerparteiliche Debatte ordnen könnte. FĂŒr die Ăffentlichkeit ist vor allem relevant, ob Union und SPD eine gemeinsame Kandidatin prĂ€sentieren und damit eine lange Wahlkampfspekulation vermeiden.
