Sven Schulze verteidigt Doppelrolle als MinisterprÀsident und CDU-Fraktionschef
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
MinisterprÀsident Sven Schulze hat seine Bewerbung um den CDU-Fraktionsvorsitz im Landtag von Sachsen-Anhalt nach der Niederlage bei der Landtagswahl verteidigt.
Schulze verweist auf Verantwortung
Knapp einen Monat nach der Wahl sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur, viele hĂ€tten ihn gebeten, in einer möglichen Opposition Verantwortung zu ĂŒbernehmen. Dieser Aufgabe habe er sich gestellt.
Zwei Tage nach der Wahlniederlage hatte sich Schulze in einer Kampfabstimmung gegen den bisherigen Amtsinhaber durchgesetzt. Mehrere Christdemokraten kritisierten anschlieĂend, er ziehe nicht die nötigen Konsequenzen daraus, dass die AfD deutlich vor der CDU gelandet sei.
Doppelrolle soll Ăbergangslösung bleiben
Schulze sagte, er habe Konsequenzen gezogen und den CDU-Landesvorsitz zur VerfĂŒgung gestellt. Als MinisterprĂ€sident könne er dagegen nicht zurĂŒcktreten, weil die amtierende Regierung bis zur Wahl eines neuen MinisterprĂ€sidenten im Amt bleibe.
FĂŒr eine âĂŒberschaubare Zeitâ halte er die Doppelrolle als MinisterprĂ€sident und Fraktionschef fĂŒr vertretbar. Zugleich rĂ€umte der 47-JĂ€hrige ein, dass die Union bundesweit derzeit zu wenig Vertrauen genieĂe. Die Partei mĂŒsse hart daran arbeiten, das Vertrauen der Bevölkerung Schritt fĂŒr Schritt zurĂŒckzugewinnen.
CDU will Opposition bleiben
AfD-Co-Fraktionschef Ulrich Siegmund will sich im Dezember zum MinisterprÀsidenten wÀhlen lassen. Schulze bezweifelte, dass Siegmund unter den bestehenden KrÀfteverhÀltnissen dauerhaft Mehrheiten organisieren könne.
Die CDU beteiligt sich nach Schulzes Angaben nicht an GesprĂ€chen von SPD, GrĂŒnen, Linken und BSW. Die Partei habe beschlossen, sich als Opposition zu verstehen â âin alle Richtungenâ, sagte er. Das Wahlergebnis sei eine ZĂ€sur, GesprĂ€che anderer Parteien aber legitim.
AfD-AntrÀge werden einzeln bewertet
Schulze kĂŒndigte eine konstruktive Oppositionsarbeit an. Die CDU werde eigene VorschlĂ€ge machen und sich vor jeder Landtagssitzung mit den anstehenden Inhalten befassen.
Bei AntrĂ€gen der AfD wolle die Fraktion jeweils entscheiden, was sie fĂŒr das Land fĂŒr richtig halte. Eine pauschale Zustimmung oder Ablehnung kĂŒndigte Schulze damit nicht an.
Regierungsbildung unter knappen Mehrheiten
Die Landtagswahl hat die politischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in Sachsen-Anhalt grundlegend verĂ€ndert. Die AfD verfĂŒgt zwar ĂŒber die stĂ€rkste Fraktion, verfehlt aber die absolute Mehrheit. Damit hĂ€ngt die Wahl des MinisterprĂ€sidenten von weiteren Abgeordneten und dem Abstimmungsverhalten kleinerer Fraktionen ab.
Die konstituierende Sitzung des neuen Landtags ist fĂŒr den 6. Oktober vorgesehen. Erst danach kann der Weg zu einer MinisterprĂ€sidentenwahl im Dezember beschritten werden. Bis zur Wahl eines Nachfolgers bleibt Sven Schulze geschĂ€ftsfĂŒhrend im Amt. Seine Doppelrolle ist deshalb vor allem eine Ăbergangslösung, zugleich verschĂ€rft sie den innerparteilichen Druck auf die CDU.
AfD-AntrÀge als Belastungsprobe
Schulzes angekĂŒndigte EinzelfallprĂŒfung von AfD-AntrĂ€gen entspricht der Logik einer oppositionellen Fraktion: Die CDU will keine politische Zusammenarbeit zusagen, aber SachantrĂ€ge nach ihrem Inhalt bewerten. FĂŒr die Mehrheitsbildung kann dieses Verfahren dennoch entscheidend werden, weil wechselnde Abstimmungen der AfD punktuelle Erfolge ermöglichen könnten.
FĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bedeutet die neue Lage zunĂ€chst mehr Unsicherheit bei der Regierungsbildung und eine stĂ€rkere Bedeutung des Landtags. Besonders aufmerksam zu beobachten sind die Wahl des LandtagsprĂ€sidenten, mögliche geheime Abweichungen bei der MinisterprĂ€sidentenwahl und die Frage, ob eine stabile Regierung oder eine Minderheitskonstruktion entsteht.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âAfD und BSW: Regierungssuche in Sachsen-Anhaltâ (30.09.2026)
Der Bericht beschreibe die AfD als stÀrkste Kraft ohne eigene Mehrheit und hebe die Rolle des BSW bei der Regierungsbildung hervor. Er bestÀtige, dass Ulrich Siegmund im Dezember MinisterprÀsident werden wolle, setze den Schwerpunkt jedoch stÀrker auf mögliche Schnittmengen und Konflikte zwischen AfD und BSW sowie auf die innere Spaltung der CDU.
Merkur: âAfD-Chef Siegmund will MinisterprĂ€sident in Sachsen-Anhalt werden: So lĂ€uft die Wahl abâ (01.10.2026)
Der Artikel erlĂ€utere vor allem die verfassungsrechtlichen Schritte bis zur MinisterprĂ€sidentenwahl und die möglichen WahlgĂ€nge. Er bestĂ€tige damit den zeitlichen Rahmen des Vorgangs, lege den Schwerpunkt aber auf die Regeln fĂŒr eine Wahl ohne absolute Mehrheit und die daraus entstehenden politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen.
Beide BeitrĂ€ge stellten ĂŒbereinstimmend heraus, dass die AfD trotz ihres Wahlerfolgs auf Stimmen oder zumindest auf das Verhalten anderer Fraktionen angewiesen sei. Offen bleibe, ob Siegmund tatsĂ€chlich eine Mehrheit organisieren könne und welche Rolle das BSW sowie einzelne Abgeordnete dabei spielen wĂŒrden.
