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Tabaksteuer: Unseriöses Milliarden-Ziel statt RealitÀtssinn / BVTE kritisiert BMF-Aussagen und warnt vor fatalem Blindflug

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 12:38 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS

Berlin - Der BVTE kritisiert die Reaktion des Bundesfinanzministeriums auf die Warnungen vor den geplanten massiven Tabaksteuererhöhungen. Wie BILD heute berichtet, warnt die Deutsche Zoll- und Finanzgewerkschaft BDZ vor einer erheblichen zusĂ€tzlichen Belastung des Zolls und hĂ€lt bis zu 3.000 zusĂ€tzliche Stellen fĂŒr erforderlich. Das Ministerium bezeichnet die Berechnungen als "nicht nachvollziehbar" und ohne "seriöse Grundlage". FĂŒr ein Ausweichen auf den illegalen Markt gebe es zudem "keine unabhĂ€ngigen empirischen Daten".

Tabaksteuer: Unseriöses Milliarden-Ziel statt RealitÀtssinn / BVTE kritisiert BMF-Aussagen und warnt vor fatalem Blindflug - Bild: presseportal.de
Tabaksteuer: Unseriöses Milliarden-Ziel statt RealitÀtssinn / BVTE kritisiert BMF-Aussagen und warnt vor fatalem Blindflug - Bild: presseportal.de

"Das Finanzministerium macht es sich gleich doppelt einfach", erklĂ€rt BVTE-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Jan MĂŒcke. "Über die genaue Zahl zusĂ€tzlicher Stellen kann man diskutieren. Aber den zusĂ€tzlichen Vollzugsbedarf ebenso vom Tisch zu wischen wie die empirischen Erkenntnisse zu Ausweichreaktionen, geht an der RealitĂ€t vorbei."

Der Zoll ist bereits heute stark gefordert. 2025 gelangten knapp 5,9 Milliarden E-Commerce-Kleinsendungen in die EU. Die EuropÀische Kommission sieht die Kontrollmöglichkeiten durch das rasante Wachstum der Warenströme zunehmend unter Druck. Auch in Deutschland hat der Zoll 2026 mehrfach illegale industrielle Zigarettenproduktionen ausgehoben.

Auch die Behauptung fehlender unabhĂ€ngiger Empirie ist nicht haltbar. "Man kann ĂŒber die Interpretation einzelner Studien diskutieren. Aber man kann nicht behaupten, unabhĂ€ngige empirische Daten existierten nicht", so MĂŒcke.

Nach der krĂ€ftigen Steuererhöhung 2024 stellte das staatliche niederlĂ€ndische Gesundheitsinstitut RIVM fest, dass mehr als 60 Prozent der konsumierten Tabakprodukte im Ausland gekauft wurden - gegenĂŒber rund 38 Prozent 2023. Gleichzeitig sanken die niederlĂ€ndischen Tabaksteuereinnahmen 2025 um 15 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Das niederlĂ€ndische Statistikamt CBS fĂŒhrt neben dem rĂŒcklĂ€ufigen Raucheranteil ausdrĂŒcklich auch zunehmende AuslandskĂ€ufe als Grund an.

Die Erfahrungen anderer europĂ€ischer LĂ€nder zeigen die Risiken: In Frankreich sanken die Einnahmen aus der Tabakverbrauchsteuer von 13,25 Milliarden Euro 2023 auf 12,69 Milliarden Euro 2025; fĂŒr 2026 werden nur noch 11,66 Milliarden Euro erwartet. Gleichzeitig ging die legal verkaufte Tabakmenge 2024 um 11,5 Prozent und 2025 nochmals um 8,2 Prozent zurĂŒck.

Der BVTE hat seit Monaten wiederholt vor dieser Entwicklung gewarnt - zuletzt in der öffentlichen Anhörung des Deutschen Bundestages. Bereits im Juli sprach der Verband vor "Luftbuchungen" bei den erwarteten Tabaksteuermehreinnahmen. Inzwischen sollen allein 2027 statt ursprĂŒnglich 756 Millionen Euro rund 1,52 Milliarden Euro, bis 2030 insgesamt 11,7 Milliarden Euro zusĂ€tzlich eingenommen werden.

"Eine Finanzpolitik, die sich ein Milliarden-Ziel setzt und die SteuersĂ€tze so lange hochschraubt, bis dieses Ziel auf dem Papier erreicht wird, ist völlig absurd. Das ist kein belastbares finanzpolitisches Konzept, sondern ein Blindflug mit Ansage", sagt MĂŒcke.

Höhere Tabaksteuern fĂŒhren keinesfalls automatisch zu höheren Einnahmen sondern verstĂ€rken Ausweichreaktionen auf unversteuerte, geschmuggelte oder im Ausland gekaufte Ware.

"Politische Entscheidungen ĂŒber einen Milliardenmarkt mĂŒssen sich an der RealitĂ€t und an belastbaren Daten orientieren, nicht an Wunschzahlen. Abgeordnete tragen Verantwortung dafĂŒr, dass Gesetze funktionieren und nicht nur auf dem Papier gut aussehen." mahnt MĂŒcke.

Die Folgen wÀren paradox: mehr Schmuggel, mehr illegale und gefÀlschte Produkte, weniger staatliche Kontrolle, weniger wirksamer Verbraucher- und Jugendschutz - und möglicherweise weniger statt mehr Steuereinnahmen.

Der BVTE fordert die Koalitionsfraktionen deshalb erneut auf, die geplanten Steuererhöhungen grundlegend zu ĂŒberdenken und zu einer maßvollen, planbaren und marktfĂ€higen Tabaksteuerpolitik zurĂŒckzukehren. Ein auf dem Papier beeindruckendes Milliarden-Ziel ist wertlos, wenn die Grundlage dafĂŒr - ein stabiler legaler Markt - gleichzeitig beschĂ€digt wird.

Quellen / Hintergrund

Deutscher Bundestag: BDZ-Stellungnahme zur Anhörung des Finanzausschusses am 5.10.2026: https://ots.de/Utylqc

EuropÀischer Rechnungshof: Sonderbericht 23/2026: https://ots.de/K4iAGe

EU-Kommission: E-Commerce und Kleinsendungen: https://ots.de/GQ5HUR

RIVM: Verhaltenseffekte der Tabaksteuererhöhung 2024: https://ots.de/iVr5zK

NiederlÀndischer Zoll: Empty Pack Survey 2024: https://ots.de/UEIgLc

NiederlÀndisches Statistikamt CBS: Tabaksteuereinnahmen 2025: https://ots.de/YFRwqb

INSEE: GrenzĂŒberschreitende TabakkĂ€ufe und fiskalische Verluste: https://ots.de/nlkjOy

Französischer Zoll: TAFE 2025: https://ots.de/7yhO5K

OFDT: Tabagisme et arrĂȘt du tabac en 2024: https://ots.de/VWfid7

OFDT: Tabagisme et arrĂȘt du tabac en 2025: https://ots.de/BXZF1q

Sécurité sociale / Commission des comptes: Ergebnisse 2025, Prognose 2026: https://ots.de/MhIiO7

Irish Revenue: Tobacco Surveys 2025: https://ots.de/O8Umwg

Australian Bureau of Statistics: Illegaler Tabak- und Nikotinkonsum: https://ots.de/p6S1w9

Pressekontakt:

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Bundesverband der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse (BVTE)
Jan MĂŒcke
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