SchlĂ€gerei im Wasser, StĂŒrze vom Rad: Triathleten enttĂ€uscht
31.07.2024 - 15:02:58 | dpa.deNach tagelangen Debatten um die braune BrĂŒhe der Seine ist den deutschen Triathleten bei ihren Olympia-Rennen tatsĂ€chlich das Wasser zum VerhĂ€ngnis geworden. Allerdings war es eher der morgendliche Regen, der bei Laura Lindemann und Lisa Tertsch fĂŒr heftigen Ărger sorgte: Hervorragend positioniert stĂŒrzten sie jeweils mit dem Rad und sahen ihre Medaillenchancen auf dem nassen Pariser StraĂen davonschlittern. «Ich bin super enttĂ€uscht», sagte die Berlinerin Lindemann nach Rang acht
Dabei hatte der Tag fĂŒr die Olympia-Triathleten um 4.00 Uhr morgens zunĂ€chst gut begonnen - nĂ€mlich mit der Nachricht, dass nach tagelangem Warten die Konzentration von Kolibakterien in der Seine endlich nicht mehr den Grenzbereich ĂŒberschritt. Die relevanten Werte der mikrobiologischen Tests seien «knapp drunter» gewesen, berichtete Bundestrainer Thomas Möller. Das reichte fĂŒr den Start des Doppel-Events, nachdem das MĂ€nner-Rennen am Dienstag noch abgesagt worden war.
Sportliches Feuerwerk dank Beaugrand und Yee
Und die Macher der Sommerspiele bekamen ihr erhofftes Spektakel im Herzen von Paris sowie sportliche Sternstunden: Bei den Frauen feierte Cassandre Beaugrand vor unzÀhligen Fans einen französischen Heimsieg. Den MÀnner-Wettkampf entschied der Brite Alex Yee auf den letzten Metern dank einer famosen Aufholjagd, die selbst den bislang einzigen deutschen Olympiasieger Jan Frodeno am ARD-Mikrofon fassungslos machte.
Aber freilich wurde auch nach dem Wettkampf mit Start und Ziel an der schmucken Pont Alexandre III zwischen Grand Palais und der Place des Invalides nicht nur ĂŒber Sieger und Verlierer gesprochen. Die jĂŒngsten Wirren mit tagelangem Schwimm- und Trainingsverbot in der Seine wirkten nach. «Es war eine Herausforderung», schilderte Tim Hellwig, der als bester Deutscher nur 18. wurde. «Es ist eine Nacht Schlaf völlig weggefallen.» Das fĂŒr Dienstagmorgen geplante Rennen war erst vier Stunden vor dem Start abgesagt worden.
Deutsche blenden dreckige Seine aus
Als Ausrede wollte der SaarlĂ€nder dies aber nicht anfĂŒhren - die Bedingungen waren ja fĂŒr alle gleich. Coach Möller meinte auch, bis zum Morgen des Rennens eine «gute und fokussierte» Stimmung festgestellt zu haben bei seinen SchĂŒtzlingen. Hinter Hellwig wurde Lasse LĂŒhrs 21., Jonas Schomburg kam auf den 24. Rang.
Gleich die erste Teildisziplin Schwimmen war eine extreme Herausforderung. Nicht wegen der Sauberkeit des Wassers, die keine Sorgen bereitet habe. «Ich bin optimistisch, dass es uns morgen allen noch gut geht», sagte die zwölftplatzierte Nina Eim. Auch der Bundestrainer geht nicht davon aus, dass sich in der - trotz milliardenteuren SĂ€uberungsmaĂnahmen - Ă€uĂerst trĂŒben Seine jemand Magendarm-Erkrankungen geholt hat.
Strömung sorgt fĂŒr SchlĂ€gerei, RegenpfĂŒtzen fĂŒr StĂŒrze
Deutlich mehr zu schaffen machten den Athletinnen und Athleten die Gegenströmung, die auf zwei Bahnen zu bewÀltigen war. Möller nannte die Strömung «grenzwertig». An der Wendeboje ging es wegen der Strömung zwischen den Schwimmerinnen wild zu. «Es war eine ziemliche SchlÀgerei», erzÀhlte Tertsch, die Neunte wurde.
Ausgeknockt wurden Lindemann und Tertsch dann aber nicht im Wasser, sondern auf dem Wasser, genauer gesagt auf den Ăberbleibseln der RegenpfĂŒtzen aus der Nacht. Tertsch stĂŒrzte schon auf der zweiten von sieben Radrunden, Lindemann als Teil einer Spitzengruppe auf der vorletzten. Das machte alle Chancen auf Edelmetall zunichte. «Das ist schon tragisch», resĂŒmierte Bundestrainer Möller. «Laura und Lisa gehören zu den laufstĂ€rksten Athletinnen im Frauenbereich. Bis zu den StĂŒrzen waren wir also auf Medaillenkurs.»
Spektakel wichtiger als Fairness?
So könnte insgesamt der Eindruck bleiben, dass die Veranstalter das Spektakel - mit dem Schwimmen in der Seine, dem Radfahren auf dem Prachtboulevard Champs ĂlysĂ©es und dem finalen Laufduell auf der Pont Alexandre III - ĂŒber die sportliche Fairness stellten. «Schwer zu sagen», antwortete Bundestrainer Möller darauf angesprochen. Er rĂ€umte aber ein, dass es schon gut fĂŒr die Sportart sei, sich an solchen Orten prĂ€sentieren zu können.
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