Deutschland, Berlin

Urlaub, Lacher, Tennisspiel – Politiker-Patzer mit Folgen

08.01.2026 - 08:50:21 | dpa.de

Tennis statt Krisenmanagement: Wie viel Freizeit darf sich ein Regierungschef mitten im Stromausfall gönnen? Immer wieder unterliefen Politikern ähnliche Patzer. Es gibt aber auch Gegenbeispiele.

Der Laschet-Moment. Der damalige Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) lachte nach der Ahrtal-Katastrophe bei einem Besuch der Region im Juli 2021, während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sich zu dem Unglück äußerte. (Archivbild) - Foto: Marius Becker/dpa

Im Südwesten Berlins fließt mehrere Tage nach dem Brandanschlag wieder Strom. Lief beim Krisenmanagement alles glatt? Kai Wegner, der Regierende Bürgermeister, muss sich fragen lassen, ob er am ersten Tag des großflächigen Stromausfalls die Lage ernst genug genommen hat. Denn wie am Mittwoch herauskam, hatte der CDU-Politiker mehrere Stunden nach Beginn des Stromausfalls Samstagmittag eine Stunde lang auf dem Tennisplatz verbracht. Am Sonntag noch hatte er auf eine Journalistenfrage zum Tagesablauf am Samstag das Tennisspiel nicht erwähnt. Schon kommt Kritik auf – und manche Erinnerung an andere Fälle, in denen das Verhalten von Politikern in Krisenlagen für Ärger sorgte:

Armin Laschet lacht im Flutgebiet

Der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) besuchte im Juli 2021 das Hochwassergebiet in Erftstadt. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Fernsehkameras den zahlreichen Opfern der verheerenden Katastrophe sein Mitgefühl aussprach, war im Hintergrund zu sehen, wie Laschet im Gespräch mit anderen lachte. Die Szene kostete ihn viele Sympathien. Zwei Monate später verlor die Union die Bundestagswahl.

Anne Spiegel macht bald nach der Flut Urlaub

Im Zusammenhang mit der Ahrtal-Flutkatastrophe trat die Grünen-Politikerin Anne Spiegel im April 2022 als Bundesfamilienministerin zurück. Zuvor war sie als rheinland-pfälzische Landesumweltministerin für den Hochwasserschutz zuständig gewesen – und zehn Tage nach der Flut zu einem vierwöchigen Familienurlaub nach Frankreich aufgebrochen. Die Kritik daran führte letztlich zum Rücktritt von ihrem neuen Amt.

Christine Lambrecht und das Foto ihres Sohnes

Nach monatelanger Kritik an ihrer AmtsfĂĽhrung trat Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) im Januar 2023 von ihrem Amt zurĂĽck. Negativ ausgelegt wurde ihr unter anderem ein Foto, das ihren Sohn bei der Mitreise im von ihr genutzten Bundeswehrhubschrauber zeigt. Zudem irritierte sie mit einer Neujahrsbotschaft auf Instagram, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk ĂĽber den Ukraine-Krieg sprach.

Rudolf Scharping lässt sich im Swimmingpool fotografieren

Ein Vorgänger Lambrechts, Rudolf Scharping (SPD), stolperte über Homestory-Fotos, die ihn mit seiner neuen Lebensgefährtin im Swimmingpool auf Mallorca zeigten. Die «Bunte» veröffentlichte die Bilder zu einer Zeit, in der die Regierung über die Entsendung deutscher Soldaten nach Mazedonien entscheiden musste. Von da an wurde Scharping in der Öffentlichkeit besonders kritisch beäugt. Die Mallorca-Affäre war einer von mehreren Gründen für Scharpings Entlassung im Juli 2002.

Dietmar Woidke ĂĽberlegt es sich noch mal anders

Neu entschieden hat sich am Mittwoch der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke nach dem Bruch der Koalition seiner SPD mit dem BSW. Er wollte eigentlich trotz der Regierungskrise Urlaub machen. Die Grünen fanden das in dieser Situation unmöglich. Woidke reagierte und sagte den geplanten Urlaub ab.

Gegenbeispiel Helmut Schmidt: «Herr der Flut»

Der spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) rief als Polizeisenator in Hamburg das Militär bei der Sturmflut 1962 in Hamburg zur Hilfe. Er setzte sich damit über das Gesetz hinweg, die Beteiligung der Bundeswehr im Inneren war damals verfassungswidrig. Schmidt wurde als «Herr der Flut» bezeichnet. Mehr als zehn Jahre später wurde er Kanzler. 

Schröders Gummistiefel-Moment 

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) profitierte 2002 von der «Jahrhundertflut» an der Elbe wenige Wochen vor der Bundestagswahl. Zunächst lag er zwar in Meinungsumfragen deutlich hinter seinem Kontrahenten Edmund Stoiber (CSU) zurück, präsentierte sich dann aber als «Macher» vor Ort: in dunkelgrüner Regenjacke und Gummistiefeln. Zwei Tage später zog Stoiber nach und zeigte sich in Gummistiefeln und Poloshirt in Sachsen. Genutzt hat es nichts mehr – Schröder gewann die Wahl ganz knapp.

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