Russland, Internet-Nutzung

Russland schrÀnkt freie Internet-Nutzung weiter ein

17.07.2025 - 16:30:39 | dpa.de

Unter Androhung von Geldstrafen hat das russische Parlament den Zugang zu Internetseiten weiter massiv eingeschrÀnkt.

FĂŒr die Suche nach Informationen, die die Behörden als "extremistisch" eingestuft haben, drohen kĂŒnftig bis zu 5.000 Rubel (rund 55 Euro) Strafe. Als "extremistisch" gebrandmarkt sind dabei vor allem auch Internetressourcen, die den Machtapparat kritisieren, wie der Anti-Korruptions-Fonds des in Haft gestorbenen Kremlgegners Alexej Nawalny.

Bisher gab es in Russland keine gesetzliche Regelung, die die freie Suche nach Informationen behindert hÀtte. Verboten war lediglich die Schaffung "extremistischer Inhalte" und deren Verbreitung. Die Abgeordneten der Staatsduma nahmen das Gesetz in zweiter und entscheidender Lesung trotz breiter Kritik mit klarer Mehrheit an. Eine dritte Lesung gilt als Formalie.

Angenommen wurde auch eine GesetzesĂ€nderung, mit der Werbung fĂŒr VPN unter Strafe gestellt wird. Diese verschlĂŒsselten Datenverbindungen ermöglichen einen Zugang auch zu den in Russland blockierten Internetseiten. Wer dafĂŒr Werbung macht, dem drohen kĂŒnftig bis zu einer halben Million Rubel Strafe (55.000 Euro). Die VPN selbst sind allerdings weiterhin nicht verboten.

Breite Kritik an GesetzesÀnderungen

Die Initiative sorgt seit Tagen in der russischen Gesellschaft fĂŒr Aufregung. Kremlsprecher Dmitri Peskow rĂ€umte ein, dass es angesichts der Resonanz KlĂ€rungsbedarf gebe. Allerdings erklĂ€rte er unlĂ€ngst auch, dass es aktuell eine beispiellose Zensur gebe in Russland, weil sich das Land im Informationskrieg mit seinen Gegnern befinde.

Kremlkritische Medien schrieben von der schlimmsten VerschĂ€rfung der Kontrolle des Internets seit Jahren. Kommentatoren sprachen von einer "Kriminalisierung" des Lesens im Netz, von einer neuen Stufe der Zensur im Kampf gegen Andersdenkende. Experten warnten, dass den Behörden und Geheimdiensten damit neue Instrumente der WillkĂŒr fĂŒr eine Überwachung und VerĂ€ngstigung der Bevölkerung an die Hand gegeben wĂŒrden.

BefĂŒrworter beschwichtigen

Dagegen behaupteten die UnterstĂŒtzer der Initiative, es gehe nicht darum, nun massenhaft Internetnutzer zu verfolgen. Sie verwiesen darauf, dass es in erster Linie um die Provider und die technischen Dienste gehe, die einen Zugang zu solchen Informationen ermöglichten. In Russland werden auch die sich hĂ€ufenden Probleme mit dem mobilen Internet in Verbindung damit gebracht, dass Mobilfunkanbieter Seiten und Dienste sperren.

Damit die GesetzesĂ€nderungen in Kraft treten, mĂŒssen sie noch durch den Föderationsrat - das Oberhaus. Danach ist auch noch die Unterschrift von PrĂ€sident Wladimir Putin nötig.

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