US-Kongresswahlen: Demokraten gewinnen beide Kammern
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 11:44 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheit in Washington verÀndert Trumps Spielraum
- Die Demokraten gewinnen bei den Zwischenwahlen die Mehrheit im ReprÀsentantenhaus und im Senat.
- Trump kann weiterhin sein Veto einlegen, das nur mit Zweidrittelmehrheiten in beiden Kammern ĂŒberstimmt werden kann.
- Ăkonomen erwarten keine grundlegende Abkehr von der bisherigen Zoll- und Wirtschaftspolitik.
Demokraten ĂŒbernehmen beide Kammern des US-Kongresses
Bei den Zwischenwahlen in den USA haben die Demokraten die Mehrheit im ReprÀsentantenhaus und im Senat erobert. Der Erfolg erschwert Donald Trump das Regieren, beendet aber nicht seine Möglichkeiten, per Verordnung zu handeln und Gesetze mit einem Veto zu blockieren.
Zölle bleiben voraussichtlich ein Konfliktthema
Ăkonomen erwarten nach der Wahlniederlage keine schnelle Abkehr von Trumps Zollpolitik. Der PrĂ€sident könnte sich wegen der MehrheitsverhĂ€ltnisse im Kongress stĂ€rker auf Verordnungen stĂŒtzen, wodurch Handelskonflikte mit der EU und Deutschland weiter in den Vordergrund rĂŒcken könnten.
Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet damit, dass die Richtung der Wirtschafts- und Zollpolitik mindestens bis zum regulĂ€ren Ende von Trumps Amtszeit im Januar 2029 bestehen bleibt. Die Zölle dĂŒrften die deutsche Wirtschaft weiter bremsen und den transatlantischen Handel durch zusĂ€tzliche politische Unsicherheit belasten.
Weniger Spielraum fĂŒr Konjunkturprogramme
Mit der demokratischen Mehrheit sinken nach EinschĂ€tzung von Ăkonomen die Möglichkeiten der Regierung, neue Konjunkturprogramme durch den Kongress zu bringen. Zugleich wird ein langsameres Investitionswachstum bei KĂŒnstlicher Intelligenz und ein dĂ€mpfender Effekt der harten Einwanderungspolitik erwartet.
FĂŒr 2028 wird deshalb ein deutlich schwĂ€cheres Wachstum der US-Wirtschaft von rund 1,5 Prozent erwartet. Das könnte auch die exportabhĂ€ngige deutsche Wirtschaft treffen.
Spritpreise erhöhen den politischen Druck
Die gestiegenen Lebenshaltungskosten und hohen Benzinpreise spielten bei der Wahl eine wichtige Rolle. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise deutlich erhöht und könnte den Druck auf Trump verstĂ€rken, eine Lösung fĂŒr den Konflikt zu suchen.
Bei einer möglichen Wiederöffnung der StraĂe von Hormus könnten die Ălpreise und damit die Benzinkosten auf beiden Seiten des Atlantiks sinken. FĂŒr Brent-Ăl werden bis Ende 2027 etwa 75 US-Dollar je Barrel und fĂŒr 2028 im Schnitt 65 US-Dollar erwartet.
Börsen reagieren zunÀchst verhalten
Die FinanzmÀrkte verzeichneten zunÀchst leichte Verluste, besonders bei Technologieaktien. Die Landesbank LBBW erwartet einen schwÀcheren Dollar und sinkende Renditen bei US-Staatsanleihen, wÀhrend der Einfluss auf die AktienmÀrkte historisch schwer eindeutig abzuleiten ist.
In den 100 Tagen nach Zwischenwahlen legte der breite US-Börsenindex S&P 500 in den vergangenen 75 Jahren im Schnitt um 10 Prozent zu. Ein klares Muster fĂŒr Jahre mit geteiltem Kongress oder einem Kongress gegen die Partei des PrĂ€sidenten gibt es jedoch nicht.
Mehr Regulierung fĂŒr KI und Krypto möglich
Die demokratische Mehrheit könnte den Druck auf Tech-Konzerne erhöhen, insbesondere beim Bau groĂer Rechenzentren fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz. Anwohner befĂŒrchten steigende Energie- und Wasserpreise, weshalb auch republikanische Politiker bereits Moratorien fĂŒr neue Anlagen unterstĂŒtzt haben.
In der Krypto-Branche dĂŒrften Gesetzesvorhaben fĂŒr industriefreundliche Regeln auf gröĂere HĂŒrden stoĂen. Der Bitcoin fiel nach ersten Hochrechnungen zwar unter 76.000 US-Dollar, erholte sich anschlieĂend aber wieder in Richtung 78.000 US-Dollar. Auch Ether, Solana und der Token BNB legten moderat zu.
Der Wahlausgang verĂ€ndert die innenpolitischen KrĂ€fteverhĂ€ltnisse in Washington deutlich: Die Demokraten kontrollieren kĂŒnftig sowohl das ReprĂ€sentantenhaus als auch den Senat. Damit erhalten sie neue Möglichkeiten fĂŒr Haushaltsverhandlungen, parlamentarische Untersuchungen und die Kontrolle ĂŒber wichtige AusschĂŒsse.
FĂŒr die Wirtschaft bedeutet die Mehrheitsverschiebung jedoch keinen automatischen Kurswechsel. Trump behĂ€lt als PrĂ€sident erhebliche Befugnisse, insbesondere bei Verordnungen und Zöllen. Ein Veto kann nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern ĂŒberstimmt werden, die die Demokraten voraussichtlich nicht erreichen. Deshalb dĂŒrften zentrale Elemente der bisherigen Handels- und Industriepolitik zunĂ€chst bestehen bleiben.
Folgen fĂŒr Europa und MĂ€rkte
Die Wahlentscheidung trifft die USA in einer Phase, in der hohe Lebenshaltungskosten, steigende Energiepreise und der Iran-Krieg die politische Stimmung prĂ€gen. Diese Belastungen erhöhen den Druck auf die Regierung, bei Energiepreisen und AuĂenpolitik Ergebnisse zu liefern. FĂŒr deutsche Unternehmen bleibt vor allem die Zollpolitik entscheidend, weil sie Kosten, Lieferketten und Exportchancen beeinflusst.
An den FinanzmÀrkten können verÀnderte Erwartungen an Haushalt, Regulierung und Geldpolitik Dollar, Anleiherenditen und Technologieaktien bewegen. Zugleich hÀngt die weitere Entwicklung stÀrker von konkreten Gesetzesvorhaben, der Reaktion des PrÀsidenten und dem Verlauf des Konflikts mit Iran ab als vom Wahlergebnis allein.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âUS-Zwischenwahlen: Demokraten fĂŒgen Trump schwere Niederlage zu, Folgen fĂŒr Europa und MĂ€rkteâ (04.11.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt den Sieg der Demokraten in beiden Kammern und richtet den Schwerpunkt auf mögliche Auswirkungen fĂŒr Europa und die FinanzmĂ€rkte. Im Mittelpunkt stehen dabei die haushaltspolitischen SpielrĂ€ume und die Reaktion der Anleger.
taz: âBlaue Welle bei den US-Midterms: Irans ParlamentsprĂ€sident feiert Demokraten-Siegâ (04.11.2026)
Die taz hebt neben dem Wahlergebnis die internationale Resonanz hervor und stellt den Sieg in den Zusammenhang mit der Iran-Politik. Damit setzt der Beitrag einen auĂenpolitischen Akzent, wĂ€hrend die wirtschaftlichen Folgen weniger im Vordergrund stehen.
Ăbereinstimmend wird der demokratische Erfolg als erhebliche EinschrĂ€nkung von Trumps innenpolitischem Handlungsspielraum eingeordnet. Unterschiede zeigen sich vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend Euronews MĂ€rkte und Europa betrachtet, stellt die taz die internationale und iranische Dimension heraus.
