US-Zwischenwahlen: Demokraten erobern beide Kongresskammern
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 14:49 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMehrheiten und Folgen für Trumps Politik
- Die Demokraten eroberten bei den Zwischenwahlen die Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat.
- Trump kann Gesetze weiterhin mit einem Veto blockieren, das nur mit Zweidrittelmehrheiten überstimmt werden könnte.
- Ökonomen erwarten keinen grundlegenden Kurswechsel bei Zöllen und warnen vor Belastungen für die deutsche Wirtschaft.
Demokraten übernehmen Kongressmehrheit
Bei den US-Zwischenwahlen haben die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erobert. Donald Trump muss in den verbleibenden zwei Jahren seiner Amtszeit mit deutlich schwierigeren Mehrheitsverhältnissen regieren.
Zollpolitik bleibt weitgehend in Trumps Hand
Eine grundlegende Abkehr von Trumps Zollpolitik ist trotz des Wahlergebnisses nicht zu erwarten. Ökonomen rechnen damit, dass deutsche Unternehmen mindestens bis zum regulären Ende der Amtszeit im Januar 2029 mit der bestehenden wirtschafts- und handelspolitischen Richtung umgehen müssen.
Trump kann Zölle per Dekret am Kongress vorbei verhängen und besitzt weiterhin ein Vetorecht. Selbst eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern könnte ein Veto nur mit Zweidrittelmehrheiten überstimmen.
Weniger Spielraum für Konjunkturprogramme
Die neue Kräfteverteilung dürfte die Möglichkeiten der Regierung begrenzen, zusätzliche Konjunkturprogramme durchzusetzen. Ökonomen erwarten für 2028 ein deutlich verlangsamtes Wachstum der US-Wirtschaft auf rund 1,5 Prozent, auch wegen eines schwächeren Investitionswachstums bei künstlicher Intelligenz und der Folgen einer restriktiven Einwanderungspolitik.
Eine demokratische Mehrheit bedeutet zugleich keinen vollständigen Kurswechsel hin zu Freihandel oder höheren Sozialausgaben. Beim Schutz der heimischen Industrie und im Umgang mit China besteht in Washington parteiübergreifend weiterhin ein weitgehender Konsens.
Spritpreise beeinflussen politische Debatte
Die gestiegenen Lebenshaltungskosten und hohen Benzinpreise spielten bei der Wahlniederlage der Republikaner eine wichtige Rolle. Ökonomen erwarten deshalb wachsenden Druck auf Trump, die Ursachen der hohen Energiepreise zu entschärfen.
Brent-Öl war im Zuge des Iran-Kriegs über 100 US-Dollar je Barrel gestiegen. Ein Abkommen mit Iran und eine Wiederöffnung der Straße von Hormus könnten die Öl- und damit auch die Spritpreise auf beiden Seiten des Atlantiks wieder sinken lassen.
Dollar, Gold und Aktienmärkte reagieren
An den Finanzmärkten kam es zunächst zu leichten Verlusten, insbesondere bei Technologieaktien. Der Euro stieg am Mittwoch auf fast 1,13 US-Dollar, während der Goldpreis über 4.000 US-Dollar je Feinunze kletterte.
Die erste Marktreaktion sollte nach Einschätzung von Ökonomen nicht überbewertet werden. Historisch legte der breite US-Aktienindex S&P 500 in den 100 Tagen nach Zwischenwahlen im Durchschnitt um 10 Prozent zu; ein klares Muster für geteilte Mehrheiten gibt es jedoch nicht.
Mehr Regulierung für KI und Krypto
Die Demokraten könnten den Druck auf große KI-Rechenzentren erhöhen. Im Wahlkampf wuchs der Widerstand gegen Anlagen, deren hoher Energie- und Wasserverbrauch steigende Kosten für Anwohner befürchten lässt.
Auch die Krypto-Branche muss sich auf schwierigere parlamentarische Mehrheiten für industriefreundliche Regeln einstellen. Der Bitcoin fiel nach ersten Hochrechnungen kurzzeitig unter 76.000 US-Dollar, erholte sich anschließend aber wieder in Richtung 78.000 US-Dollar.
Der Wahlausgang verändert die politischen Mehrheitsverhältnisse in Washington, beendet aber nicht automatisch die wirtschaftspolitische Linie des Präsidenten. Trump behält bis zum Amtsantritt des neuen Kongresses im Januar die bisherigen Mehrheiten und kann Gesetze weiterhin mit einem Veto blockieren. Für eine Überstimmung wären in beiden Kammern jeweils zwei Drittel der Stimmen erforderlich.
Zölle bleiben ein zentrales Risiko
Besonders relevant für Deutschland ist, dass die US-Zollpolitik nicht vollständig von neuen Mehrheiten im Kongress abhängt. Der Präsident kann bestimmte handelspolitische Instrumente auf Grundlage bestehender Gesetze nutzen und damit auch künftig Druck auf europäische Unternehmen ausüben. Eine demokratische Kongressmehrheit kann Anhörungen organisieren, Personalentscheidungen verzögern und Ausgaben beeinflussen, die Zollbefugnisse aber nicht ohne Weiteres abschaffen.
Die wirtschaftlichen Folgen dürften deshalb vor allem über Unsicherheit, Investitionen und den Wechselkurs wirken. Ein begrenzterer Spielraum für neue US-Konjunkturprogramme könnte das Wachstum dämpfen; zugleich kann ein politischer Stillstand an den Finanzmärkten als stabilisierend gelten, weil große Gesetzesänderungen schwerer durchsetzbar sind. Offen bleibt, wie stark Trump seine verbliebenen exekutiven Befugnisse nutzt und ob der Kongress bei Haushalt, Schuldenobergrenze und internationaler Unterstützung tragfähige Kompromisse findet.
Auswirkungen über Energie und Technologie
Für Verbraucher und Unternehmen in Europa bleiben zudem die Energiepreise entscheidend. Sinkende Ölpreise würden Autofahrer entlasten, während eine anhaltende Eskalation im Nahen Osten die Kosten erneut erhöhen könnte. In der Technologiebranche dürften Fragen zur Regulierung künstlicher Intelligenz, zum Energieverbrauch großer Rechenzentren und zu Krypto-Regeln stärker in den politischen Mittelpunkt rücken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „US-Zwischenwahlen: Trumps Niederlage verändert Europas Wirtschafts- und Finanzmärkte“ (04.11.2026)
Der Beitrag bestätige die demokratische Kontrolle über beide Kongresskammern und stelle die Folgen für Zölle, Ukraine-Hilfe und Finanzmärkte in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung betone er, dass der Präsident handelspolitische Instrumente weitgehend ohne neue Zustimmung des Kongresses nutzen könne, während die langfristige Wirkung auf Dollar und Märkte offenbleibe.
ZDFheute: „Erdrutschsieg bei Midterms: So eng wird es jetzt für Trump“ (04.11.2026)
Der Artikel bestätige ebenfalls den Mehrheitsverlust der Republikaner in Repräsentantenhaus und Senat und richte den Schwerpunkt stärker auf Trumps politischen Handlungsspielraum. Gemeinsam ist den Beiträgen die Erwartung eines erschwerten Regierens; offen bleibt, wie weit der Präsident sein Vetorecht und exekutive Befugnisse gegen den Kongress einsetzen wird.
Die Berichte stimmen beim Machtverlust der Republikaner überein, setzen aber unterschiedliche Akzente: Euronews betrachtet vor allem Wirtschafts- und Marktrisiken, ZDFheute den innenpolitischen Druck auf Trump.
