Vanessa Emde: SPD und GrĂŒne unterbrechen Sondierungen in Berlin
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 10:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Linke-Fraktion setzt auf gemeinsame ErklÀrung
- Felix Banaszak sagt, Emdes Nichtaufnahme in die Linke-Fraktion sei Grundlage fĂŒr die Sondierungen gewesen.
- Die Linken-Abgeordneten unterzeichneten am Dienstag eine eigene ErklÀrung zum Existenzrecht Israels.
- Vanessa Emde gehört trotz ihrer umstrittenen Haltung zur neuen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus.
GrĂŒnen-Bundesparteichef Felix Banaszak sieht die Nichtaufnahme der Abgeordneten Vanessa Emde in die Berliner Linke-Fraktion als Grundlage fĂŒr die laufenden rot-grĂŒn-roten Sondierungen.
Banaszak beruft sich auf Verhandlungsinformation
Im ZDF-âMorgenmagazinâ sagte Banaszak, dies sei seine Information; er selbst habe nicht am Verhandlungstisch gesessen. Die entsprechende VerstĂ€ndigung sei auch die Grundlage dafĂŒr gewesen, dass die GrĂŒnen am Donnerstag der Vereinbarung zugestimmt hĂ€tten.
Fraktion nimmt Emde auf
Linke, SPD und GrĂŒne hatten vor Beginn der Sondierungen vereinbart, wie sie bei antisemitischen VorfĂ€llen in den Reihen der Linken in einer möglichen Koalition vorgehen wollen. Vorgesehen waren Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss.
Am Dienstag unterschrieben die Mitglieder der Linke-Fraktion geschlossen eine inhaltlich Àhnliche, aber abweichende ErklÀrung. Darin bekennt sich die Fraktion zum Existenzrecht Israels. Unter den Unterzeichnern war auch Emde, die neu ins Abgeordnetenhaus gewÀhlt worden ist.
GesprÀche vorerst unterbrochen
Emde war wegen frĂŒherer ĂuĂerungen zum Existenzrecht Israels kritisiert worden. Vor diesem Hintergrund war spekuliert worden, dass sie nicht Teil der Fraktion werden könnte. Die Berliner Linksfraktion nahm sie jedoch auf.
Nach der neuen ErklĂ€rung und der Aufnahme Emdes unterbrachen SPD und GrĂŒne am Dienstagabend die laufenden SondierungsgesprĂ€che. Banaszak forderte von der Linken eine konsequente Haltung im Umgang mit Antisemitismus und verwies auf die politische Verantwortung eines möglichen RegierungsbĂŒndnisses fĂŒr fĂŒnf Jahre.
Konflikt ĂŒber Verbindlichkeit
Der Streit entzĂŒndet sich an zwei nahezu gleichlautenden, aber politisch unterschiedlich bewerteten Texten. Vor Beginn der Sondierungen hatten Linke, SPD und GrĂŒne einen gemeinsamen Umgang mit antisemitischen VorfĂ€llen in einer kĂŒnftigen Koalition vereinbart. Dazu sollten ausdrĂŒcklich auch Sanktionen bis zum Ausschluss aus der Fraktion gehören.
Die Aufnahme Vanessa Emdes macht nun sichtbar, dass die drei Parteien die Verbindlichkeit dieser VerstĂ€ndigung unterschiedlich interpretieren. FĂŒr SPD und GrĂŒne reicht ein allgemeines Bekenntnis zum Existenzrecht Israels offenbar nicht aus, wenn zugleich die zuvor erwartete Konsequenz im Umgang mit der Abgeordneten ausbleibt. Die Linke verweist dagegen auf die von allen Fraktionsmitgliedern unterzeichnete ErklĂ€rung.
Folgen fĂŒr die Regierungsbildung
FĂŒr die Berliner Regierungsbildung verschiebt sich damit der Schwerpunkt von Sachfragen auf Vertrauen und belastbare Regeln. Die Unterbrechung der GesprĂ€che ist noch kein endgĂŒltiges Aus, erhöht aber den Druck auf die Linksfraktion, ihre Entscheidung und den Zusammenhang mit der gemeinsamen Vereinbarung politisch zu erklĂ€ren.
Offen ist vor allem, ob SPD und GrĂŒne die ErklĂ€rung der Linken als ausreichende Umsetzung akzeptieren oder weitergehende Schritte verlangen. Je lĂ€nger die Pause dauert, desto schwieriger wird es, den geplanten Zeitplan fĂŒr eine mögliche Koalitionsbildung einzuhalten. FĂŒr die Berlinerinnen und Berliner steht damit zunĂ€chst weniger eine einzelne Personalentscheidung als die Frage im Mittelpunkt, ob ein rot-grĂŒn-rotes BĂŒndnis bereits vor möglichen Koalitionsverhandlungen gemeinsame Mindeststandards durchsetzen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âGrĂŒne und SPD in Berlin unterbrechen Sondierungen mit Linksparteiâ (13.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige, dass die Linkspartei Vanessa Emde in ihre Fraktion aufgenommen habe und SPD sowie GrĂŒne deshalb die GesprĂ€che ĂŒber eine mögliche rot-rot-grĂŒne Koalition unterbrĂ€chen. Er hebe zusĂ€tzlich hervor, dass Emde wie die ĂŒbrigen Abgeordneten eine ErklĂ€rung zum Existenzrecht Israels und zum Kampf gegen Antisemitismus unterzeichnet habe.
n-tv: âSondierungsgesprĂ€che in Gefahr?: Berliner Linke nimmt umstrittene Vanessa Emde in Fraktion aufâ (13.10.2026)
Der Artikel stelle die Aufnahme Emdes als unmittelbaren Belastungstest fĂŒr die Sondierungen dar und berichte, die GesprĂ€che seien kurz danach unterbrochen worden. Als zusĂ€tzlichen politischen Zeitdruck nenne er den verschobenen Parteitag der Linken, der nun am 31. Oktober ĂŒber ein Sondierungsergebnis und mögliche Koalitionsverhandlungen beraten solle.
Beide Berichte bestÀtigten die Aufnahme Emdes und die GesprÀchspause; wÀhrend der Tagesschau-Bericht den gemeinsamen Beschluss und die ErklÀrung der Fraktion betone, stelle n-tv stÀrker die Auswirkungen auf den weiteren Zeitplan heraus.
