Vanessa Emde, Berliner Linke

Vanessa Emde weist Rückzugsforderung der Berliner Linken zurück

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 10:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer werfen der Abgeordneten vor, gemeinsame Parteibeschlüsse und die Zusammenarbeit zu verweigern. Emde hält dagegen, ihr Mandat sei demokratisch erlangt und kein Verhandlungsgegenstand.

Direktmandat aus Neukölln bleibt bestehen

  • Vanessa Emde wurde am 20. September direkt für den Wahlkreis Neukölln ins Abgeordnetenhaus gewählt.
  • Bei der konstituierenden Fraktionssitzung am 13. Oktober unterschrieb sie eine Erklärung gegen Antisemitismus.
  • Emde beruft sich auf Parteitagsbeschlüsse zur Jerusalemer Erklärung und zur Bewertung des Gaza-Kriegs.
Emde erhielt bei den Wahlen mit einem Erststimmenergebnis von 46,2 Prozent ein Direktmandat in ihrem Wahlkreis in Neukölln. (Archivbild) - Bild: Katrin Luxenburger/dpa

Vanessa Emde hält an Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus fest

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde weist die Forderung des Landesvorstands zurück, ihr Mandat niederzulegen. Sie erklärte, selbstverständlich werde sie ihr Mandat weiter ausüben und demokratisch erlangte Mandate seien kein Verhandlungsgegenstand.

Parteiführung beklagt fehlendes Vertrauen

Die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter und Maximilian Schirmer hatten Emde nach einer Vorstandssitzung am Freitag zum Rückzug aufgefordert. Sie begründeten dies mit einer Verweigerung gemeinsamer Arbeit und erklärten, ihr nicht mehr zu vertrauen.

Emde wird unter anderem vorgeworfen, das Existenzrecht Israels zu bestreiten. Eine Erklärung gegen Antisemitismus hatte sie am 13. Oktober wie alle Linke-Abgeordneten in der konstituierenden Fraktionssitzung unterschrieben, sich anschließend aber in einem Instagram-Video davon distanziert.

Emde beruft sich auf Parteibeschlüsse

Die Abgeordnete erklärte, für sie komme keine Koalition ohne die konsequente Umsetzung des Volksentscheids zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne und ohne Palästinasolidarität infrage. Ebenso dürfe eine Koalition keine sozialen Kürzungen vorsehen.

Als weitere politische Ziele nannte Emde ein Ende von Repression, Einschüchterung und rassistischer Polizeigewalt sowie den Schutz der Meinungs-, Versammlungs- und Kunstfreiheit in Berlin. Sie beruft sich dabei auf geltende Parteibeschlüsse und Mandatsträgervereinbarungen.

Streit nach Wahl in Neukölln

Emde verwies außerdem auf den Parteitagsbeschluss zur Jerusalemer Erklärung sowie auf den Beschluss, die „israelischen Verbrechen“ an den Palästinensern als Genozid zu bezeichnen und zu verurteilen. Diese Beschlüsse bildeten eine ausdrückliche Grundlage ihres politischen Handelns.

Der Konflikt beschäftigt die Berliner Linke seit Wochen. Emde war am 20. September neu in das Abgeordnetenhaus gewählt worden und gewann ein Direktmandat im Wahlkreis Neukölln.

Protest gegen eigene Parteiführung

Am Rand eines Linke-Parteitages demonstrierte Emde gegen ihre Parteiführung. Dabei solidarisierte sie sich mit einem umstrittenen propalästinensischen Aktivisten, der sich nach Angaben des Vereins democ für die Volksfront für die Befreiung Palästinas engagiert.

Der Konflikt zwischen Vanessa Emde und der Berliner Linken verbindet einen innerparteilichen Streit über gemeinsame Beschlüsse mit der schwierigen Regierungsbildung nach der Abgeordnetenhauswahl. Emde war am 20. September mit einem Direktmandat in Neukölln in das Parlament eingezogen. Nach ihrer Unterschrift unter eine Erklärung gegen Antisemitismus am 13. Oktober distanzierte sie sich in einem Instagram-Video davon.

Für die Parteiführung geht es damit nicht nur um einzelne Äußerungen, sondern um die Frage, ob eine Abgeordnete die politischen Grundlagen einer möglichen gemeinsamen Regierungsarbeit mitträgt. Die Linke hatte nach der Wahl Gespräche mit Grünen und SPD über eine Koalition aufgenommen. Der Streit erschwert diese Gespräche, weil die Partner von der Linken zugleich eine klare Haltung gegen Antisemitismus erwarten.

Mandat und Fraktionszugehörigkeit

Emdes Zurückweisung der Rückzugsforderung beendet den Konflikt vorerst nicht. Sollte sie ihr Mandat behalten, steht als möglicher nächster Schritt ein Ausschluss aus der Linke-Fraktion im Raum. Ein solcher Schritt würde ihre parlamentarische Stellung verändern, ohne das direkt errungene Mandat automatisch zu beenden.

Für die Berliner Politik bedeutet der Vorgang deshalb eine doppelte Belastung: Die Linke muss ihre innerparteiliche Zusammenarbeit klären und zugleich ihre Koalitionsfähigkeit unter Beweis stellen. Offen bleibt, ob es noch zu einer Verständigung mit Emde kommt oder ob die Parteiführung weitere organisatorische Konsequenzen zieht.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

rbb24: „Berliner Linke fordert Mandatsverzicht von Emde“ (07.11.2026)

Der Beitrag bestätigt die Rückzugsforderung und ordnet sie in den Streit über Emdes Positionen zum Nahost-Konflikt ein. Als nächste mögliche Konsequenz nennt er einen Ausschluss aus der Fraktion sowie eine von der Parteiführung gesetzte Frist.

Stern: „Umstrittene Abgeordnete: Linke-Chefin hofft auf Einlenken von Vanessa Emde“ (07.11.2026)

Der Artikel hebt stärker die Gesprächsbereitschaft der Landesvorsitzenden Kerstin Wolter hervor. Zugleich stellt er heraus, dass die Parteiführung ihre Kritik mit der verweigerten gemeinsamen Arbeit begründe, während die Palästinasolidarität nicht der alleinige Streitpunkt sein solle.

Beide Beiträge bestätigen die Rückzugsforderung und den Vertrauensverlust der Parteiführung. Unterschiede liegen vor allem beim Schwerpunkt: Der rbb24-Beitrag beschreibt mögliche organisatorische Folgen, der Stern betont die weiterhin bestehende Möglichkeit einer Verständigung.

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