Volkswagen, IG Metall

Volkswagen: IG Metall setzt Vorstand Ultimatum bis Ende Oktober

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 11:47 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Gewerkschaft verlangt bis Ende Oktober die Rücknahme der gekündigten Vereinbarungen. Andernfalls soll die Vorbereitung eines Arbeitskampfs anlaufen; ein weiteres Gespräch über die Zukunftszusagen von 2024 steht an.

Tarifkonflikt bei Volkswagen spitzt sich zu

  • Volkswagen kündigte Ende September zehn Tarifverträge zum 31. Dezember 2026.
  • Betroffen sind rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland.
  • Die Verhandlungen müssen spätestens Anfang Dezember beginnen; die Friedenspflicht endet zum Jahreswechsel.
  • Die IG Metall droht der VW-Führung mit Arbeitskampf. (Archivbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa
  • Gröger: «Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa
Die IG Metall droht der VW-Führung mit Arbeitskampf. (Archivbild) - Bild: Sebastian Kahnert/dpa Gröger: «Wir suchen den Konflikt nicht, aber wir sind vorbereitet». - Bild: Julian Stratenschulte/dpa

IG Metall setzt Volkswagen Frist bis Ende Oktober

Die IG Metall erhöht im Streit über den Sparkurs bei Volkswagen den Druck und verlangt bis Ende Oktober die Rücknahme der Kündigung von zehn Tarifverträgen. Bezirksleiter Thorsten Gröger kündigte andernfalls die Vorbereitung eines Arbeitskampfs an.

Bei VW wird bislang noch nicht über neue Tarifverträge verhandelt, doch die Kündigungen haben den Konflikt zwischen Unternehmen und Beschäftigten deutlich verschärft.

Tarifverträge regeln zentrale Arbeitsbedingungen

Volkswagen hatte Ende September zehn Vereinbarungen gekündigt, darunter Regelungen zu Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen. Die Kündigungen werden zum 31. Dezember 2026 wirksam und betreffen rund 130.000 Beschäftigte der Volkswagen AG in Deutschland.

Zum Geltungsbereich gehören die Marken Volkswagen Pkw und Nutzfahrzeuge, die Komponentensparte sowie zentrale Konzernbereiche. Das Unternehmen will angesichts des Kostendrucks verschiedene Regelungen anpassen, hat konkrete Forderungen bislang aber nicht vorgelegt.

Friedenspflicht endet zum Jahreswechsel

Die anstehenden Tarifverhandlungen müssen spätestens Anfang Dezember beginnen. Gröger schlug als ersten Termin den 24. November vor und forderte Gespräche an den bedrohten Standorten Emden, Hannover und Zwickau.

Die IG Metall verlangt in der Tarifrunde fünf Prozent mehr Geld. Darüber hinaus will sie nach eigenen Angaben auch über eine Verlängerung der Altersteilzeit und eine Fortschreibung der Beschäftigungssicherung in die 2030er Jahre sprechen.

Überprüfungsgespräch in Hannover

Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat treffen sich am Freitag in Hannover zu einem weiteren Überprüfungsgespräch. Die Arbeitnehmerseite verlangt Klarheit darüber, ob und wie VW die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von 2024 einhält.

Die Gewerkschaft sieht diese Zusagen durch die verschärften Sparpläne gefährdet. Das Management will erläutern, warum die damals vereinbarten Einsparungen aus seiner Sicht nicht mehr ausreichen.

Der Konflikt bei Volkswagen verbindet zwei Ebenen: die Überprüfung der Zukunftszusagen aus dem Tarifabschluss von 2024 und die bevorstehende Tarifrunde. Das heutige Gespräch ist noch keine Verhandlung über neue Tarifbedingungen. Es soll klären, ob die damaligen Vereinbarungen angesichts des verschärften Sparkurses weiterhin gelten und wie das Unternehmen die vereinbarten Einsparungen sowie Investitionen bewertet.

Mit der Kündigung von zehn Tarifverträgen hat VW den tarifpolitischen Rahmen für rund 130.000 Beschäftigte grundlegend geöffnet. Betroffen sind unter anderem Regeln zu Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen. Weil konkrete Änderungsforderungen des Unternehmens bislang fehlen, bleibt offen, welche Einschnitte VW anstrebt. Die Kündigungen schaffen jedoch den Raum, in der späteren Tarifrunde auch über zentrale Kosten- und Beschäftigungsfragen zu sprechen.

Standorte und Arbeitskampf

Für die Beschäftigten ist der Streit eng mit der Zukunft einzelner Werke verbunden. Die IG Metall nennt Emden, Hannover und Zwickau als Orte, an denen die Verhandlungen stattfinden sollten, und will neben fünf Prozent mehr Geld auch Regelungen zur Altersteilzeit und zur Beschäftigungssicherung weiterentwickeln.

Die Friedenspflicht endet zum Jahreswechsel. Beginnen die Verhandlungen spätestens Anfang Dezember, bleiben nur wenige Wochen für eine Annäherung. Scheitert der Versuch, die gekündigten Verträge zurückzunehmen oder tragfähige Alternativen zu vereinbaren, könnte der Konflikt nach dem Jahreswechsel in die Vorbereitung von Arbeitskampfmaßnahmen übergehen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Worüber VW und IG Metall beim Krisengipfel sprechen“ (23.10.2026)

Der Beitrag ordne das Treffen als zweites Überprüfungsgespräch und ausdrücklich nicht als Tarifverhandlung ein. Er stelle die offenen Zukunftsfragen zu Investitionen, Standorten und den gekündigten Verträgen in den Mittelpunkt und verweise auf mögliche Arbeitskämpfe nach dem Ende der Friedenspflicht.

Deutschlandfunk: „Hannover VW-Spitze, Betriebsrat und IG Metall ringen um Sparkurs“ (23.10.2026)

Der Deutschlandfunk fasse das Treffen als Ringen um den Sparkurs zusammen und betone zusätzlich den geplanten Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen sowie die unsichere Zukunft von vier deutschen Werken. Damit setze der Beitrag einen stärkeren Schwerpunkt auf Beschäftigung und Standorte, während das ZDF die Verfahrensfragen des Tarifkonflikts ausführlicher erläutere.

Beide Beiträge schilderten ein erneutes Gespräch ohne bereits begonnene Tarifverhandlungen. Offen blieben vor allem die konkreten Forderungen von VW, die Zukunft einzelner Standorte und der Verlauf der Tarifrunde nach dem Jahreswechsel.

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