Protest, Gedenken

Protest und Gedenken - Hunderte demonstrieren in Berlin

05.10.2024 - 21:23:41 | dpa.de

Vor dem ersten Jahrestag des Terroranschlags auf Israel ist die Anspannung groß. Die Polizei stellt sich auf mehrere GroßeinsĂ€tze ein. ZunĂ€chst bleiben grĂ¶ĂŸere ZwischenfĂ€lle aus.

  • Die proisraelischen Demonstranten versammelten sich vor der Humboldt-UniversitĂ€t - Foto: Joerg Carstensen/dpa
  • Es wurde auch aus Texten palĂ€stinensischer Schriftsteller vorgelesen - Foto: Joerg Carstensen/dpa
Die proisraelischen Demonstranten versammelten sich vor der Humboldt-UniversitÀt - Foto: Joerg Carstensen/dpa Es wurde auch aus Texten palÀstinensischer Schriftsteller vorgelesen - Foto: Joerg Carstensen/dpa

Bereits vor dem Jahrestag am 7. Oktober erinnern Hunderte Menschen in Berlin mit Kundgebungen und Demonstrationen an das Hamas-Massaker in Israel und den Gaza-Krieg. Weit ĂŒber 1.000 Menschen beteiligten sich laut Polizei an einem propalĂ€stinensischen Protestzug, rund 650 kamen zu einer proisraelischen Versammlung. 

Ein Polizeisprecher bezeichnete den Verlauf insgesamt als «weitestgehend störungsarm». Knapp 500 Polizistinnen und Polizisten waren im Einsatz, wie die Polizei auf der Onlineplattform X mitteilte. Sie stellt sich am gesamten Wochenende auf einen Großeinsatz ein, da auch fĂŒr Sonntag zahlreiche Versammlungen angekĂŒndigt sind. 

Die Teilnehmerzahlen in Berlin waren zunĂ€chst relativ gering, vor allem im Vergleich zu einer propalĂ€stinensischen Demonstration am Samstag in London, an der Zehntausende teilnahmen. In Rom kam es bei einer nicht genehmigten Pro-PalĂ€stina-Demonstration mit mehreren Tausend Menschen zu teils heftigen ZusammenstĂ¶ĂŸen zwischen Demonstranten und Polizisten. 

Auch andernorts in Deutschland sind noch Demonstrationen geplant. In Hamburg versammelten sich Hunderte Demonstranten und protestierten zunĂ€chst friedlich gegen den Gaza-Krieg. Schwerpunkt der Proteste dĂŒrfte nach EinschĂ€tzung des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz aber die Hauptstadt sein. 

PropalÀstinensische Demonstration in Tempelhof 

In Berlin versammelten sich am Platz der LuftbrĂŒcke in der NĂ€he des PolizeiprĂ€sidiums nach SchĂ€tzung der Polizei rund 500 Menschen zu einer propalĂ€stinensischen Demonstration mit dem Titel «Ein Jahr Genozid – und die Welt schaut zu. Gegen Polizeigewalt». WĂ€hrend der Protestzug durch Tempelhof und Kreuzberg zog, stießen immer mehr Menschen dazu. In der Spitze waren es weit mehr als 1.000, aber unter 2.000, wie der Polizeisprecher sagte. 

Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer schwenkten PalĂ€stina-Flaggen und trugen sogenannte PalĂ€stinensertĂŒcher. Auf Schildern war zu lesen «Free Palestine». Auf einem großen, mit blutroter Farbe ĂŒberzogenen Transparent stand «Stop Israels Blood Genoicide» (Stoppt Israels Blut-Völkermord). Mehrere Demonstranten hielten Fotos hoch, die Polizisten bei EinsĂ€tzen zeigten, und prangerten Polizeigewalt an. 

In Reden wurden deutsche Waffenlieferungen nach Israel kritisiert. Der Tonfall war dabei teils aggressiv. Die Stimmung unter den Demonstranten war aufgeheizt. Nach Angaben der Polizei skandierten Teilnehmer mehrfach verbotene Parolen, andere zeigten verbotene Symbole. Sechs Demonstranten wurden nach Polizeiangaben deswegen kurzzeitig festgenommen. 

Gegen 20.20 Uhr löste der Versammlungsleiter die Demonstration am Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte auf. Zu diesem Zeitpunkt waren schon viele Teilnehmer nicht mehr dabei. UrsprĂŒnglich sollte die Demonstration am Brandenburger Tor enden. 

Störung bei proisraelischer Kundgebung in Berlin-Mitte

Vor der Humboldt-UniversitĂ€t versammelten sich zahlreiche Menschen zu einer proisraelischen Kundgebung, die durch Berlin-Mitte ging. Die Polizei sprach von schĂ€tzungsweise 650 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Einige von ihnen schwenkten israelische Fahnen. Auf einem großen Banner war das Motto der Kundgebung zu lesen: «Gegen die antisemitische Internationale». Auch Mitglieder der linksradikalen Antifa-Bewegung beteiligten sich.

Die Demonstration erreichte am Nachmittag ihren Endpunkt ohne grĂ¶ĂŸere Störungen, wie es von der Polizei hieß. Allerdings versuchte eine 26-köpfige Gruppe, in den Protestzug zu drĂ€ngen. Polizisten seien eingeschritten, so der Sprecher. Es kam zu Rangeleien. Nach Angaben der Polizei handelte es sich um Menschen aus dem propalĂ€stinensischen Lager. Gegen sie seien Verfahren wegen Landfriedensbruch eingeleitet worden. 

Vor einem Jahr am 7. Oktober 2023 hatten Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen mehr als 1.200 Menschen in Israel getötet und etwa 250 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Dies war der Auslöser fĂŒr den Gaza-Krieg, in dem nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde bisher rund 42.000 PalĂ€stinenser getötet wurden, etwa ein Drittel davon Kinder und Jugendliche.

Israelfeindliche Ausrufe, Fahnen verbrannt 

Bei propalĂ€stinensischen Demonstrationen am Berliner Alexanderplatz ist die Polizei wegen israelfeindlicher Ausrufe und Aktionen eingeschritten. Nach Behördenangaben gab es am Freitagabend zehn vorĂŒbergehende Festnahmen. In einem Fall betraf dies einen Mann, der bei einer Kundgebung mit dem Motto «Mahnwache fĂŒr Gaza» Papierfahnen des Staates Israel zerriss. 

Gegen die Mutter eines elfjĂ€hrigen Kindes wird zudem wegen des Verdachts der Verletzung der FĂŒrsorge- und Erziehungspflicht ermittelt. Hintergrund ist, dass laut Polizei bei einer Versammlung mit dem Titel «Stoppt den Krieg» RedebeitrĂ€ge gezielt von minderjĂ€hrigen Kindern gehalten wurden, die noch nicht strafrechtlich belangt werden können. 

Gewerkschaft erwartet «dynamische Lage» 

Die Gewerkschaft der Polizei erwartet im Zusammenhang mit dem Jahrestag in der Hauptstadt eine «stadtweite, dynamische Lage». Zum Jahrestag selbst, am Montag, werden laut Polizei rund 2.000 Beamten im Einsatz sein. Es sind mehrere Gedenkveranstaltungen und Proteste angekĂŒndigt. 

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hat fĂŒr den Fall antisemitischer Äußerungen ein hartes Durchgreifen angekĂŒndigt. Berliner Polizisten und EinsatzkrĂ€fte aus anderen BundeslĂ€ndern sowie die Bundespolizei wĂŒrden Straftaten mit aller Konsequenz verfolgen, sagte Spranger. Die PolizeikrĂ€fte hĂ€tten dafĂŒr ihre volle RĂŒckendeckung, hatte zuvor auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) betont.

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