Gesellschaft, MilitÀr

Wehrbeauftragter Otte zweifelt am freiwilligen Wehrdienst

Veröffentlicht am: 05.10.2025 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

Vor den Bundestags-Beratungen ĂŒber den geplanten neuen Wehrdienst hat der Wehrbeauftragte des Parlaments, Henning Otte (CDU), fĂŒr Nachbesserungen plĂ€diert, um bei Bedarf schneller den Einstieg in die Wehrpflicht einzuleiten.

Bundeswehr-Soldat (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
Bundeswehr-Soldat (Archiv) - Bild: ĂŒber dts Nachrichtenagentur
"Es mag zwar grundsĂ€tzlich löblich sein, auf Freiwilligkeit zu setzen", sagte Otte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben). "Allerdings habe ich erhebliche Zweifel daran, ob dies wirklich gelingen kann. Schließlich scheitert die Bundeswehr als Freiwilligenarmee schon seit Jahren daran, die TruppenstĂ€rke anzuheben."

Es wĂ€re daher notwendig, bereits jetzt die Voraussetzungen zu schaffen, bei einem neuen Wehrdienst schnell auf weitere verpflichtende Elemente umschalten zu können, erklĂ€rte der Wehrbeauftragte. "Wir mĂŒssen recht zeitnah nach der Erfassung ĂŒber die Fragebögen eine Zwischenbilanz ziehen - wie viele RĂŒckmeldungen gab es? Wie viele Freiwillige haben Interesse bekundet", so der Wehrbeauftragte. "Den Luxus, erst einmal ein Jahr oder zwei abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, dĂŒrfen wir uns nicht leisten." Otte fĂŒgte hinzu: "Eine Wehr-Pflicht wĂ€re wahrlich kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Teil eines grĂ¶ĂŸeren sicherheitspolitischen Konzepts." Das neue Gesetz fĂŒr einen attraktiveren Wehrdienst sollte eigentlich am kommenden Donnerstag in erster Lesung vom Bundestag beraten und möglichst zum Jahresende beschlossen werden. Der Gesetzentwurf sieht die WiedereinfĂŒhrung einer Wehrerfassung junger MĂ€nner vor und spĂ€ter auch eine verpflichtende Musterung, eine Wehrpflicht ist dagegen nicht festgeschrieben. Die PlĂ€ne setzen vielmehr zunĂ€chst auf Freiwilligkeit und einen attraktiveren Dienst. Allerdings hat die CDU/CSU-Regierungsfraktion die Beratung im Bundestag zunĂ€chst gestoppt, weil sie erst eine VerstĂ€ndigung in der Koalition ĂŒber Korrekturen am Gesetzentwurf von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) durchsetzen möchte. Das Gesetz soll nach dem Willen der Union genauer definieren, unter welcher Bedingung die Freiwilligkeit beim Wehrdienst in eine neue Pflicht umgewandelt werden könnte. Otte Ă€ußerte sich aber skeptisch zu einer möglichen Verschiebung der Bundestagsbefassung. Die Debatte ĂŒber den Gesetzentwurf gehöre jetzt ins Parlament, sagte er. Der Wehrbeauftragte erklĂ€rte: "Eine der grĂ¶ĂŸten Herausforderungen fĂŒr die Bundeswehr besteht darin, genĂŒgend Personal fĂŒr die anstehenden Aufgaben zu gewinnen - und dieses Personal dann auch zu halten." Der Koalitionsvertrag sehe hierzu zwar vor, es zunĂ€chst weiter mit einem freiwilligen Wehrdienst zu versuchen. Doch scheitere die Bundeswehr als Freiwilligenarmee schon seit Jahren daran, die TruppenstĂ€rke anzuheben, meinte der Wehrbeauftragte. Otte sagte, er werde die Entwicklungen konstruktiv und kritisch begleiten. Bei den anstehenden Änderungen mĂŒsse primĂ€r darauf geachtet werden, dass ein neuer Wehrdienst die Truppe stĂ€rke und sie nicht belaste. "Es bedarf daher mehr als nur eines Gesetzesbeschlusses. Es erfordert Infrastruktur, AusbildungskapazitĂ€ten und Material." Sicherheit sei keine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Sie brauche Menschen, die bereit seien, sie zu verteidigen. "Junge Menschen ernst zu nehmen bedeutet nĂ€mlich nicht, sie zu verschonen. Es bedeutet, ihnen zuzutrauen, Teil der Lösung zu sein", erklĂ€rte er.

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