Deutschland, Migration

Familiennachzug: SPD kritisiert Regelung als zu streng

Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 12:37 Uhr | dpa.de

Vor einem Jahr setzte die Regierung ein Stoppsignal an Menschen, die zu einem Angehörigen mit eingeschrÀnktem Schutzstatus in Deutschland nachziehen wollen. Nun gibt es Kritik vom Koalitionspartner.

Kommt die Familie nach Deutschland nach? FĂŒr subsidiĂ€r SchutzbedĂŒrftige ist das die sehr große Ausnahme. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa
Kommt die Familie nach Deutschland nach? FĂŒr subsidiĂ€r SchutzbedĂŒrftige ist das die sehr große Ausnahme. (Archivbild) - Bild: Boris Roessler/dpa

Gut ein Jahr nach dem vorlĂ€ufigen Stopp des Familiennachzugs fĂŒr GeflĂŒchtete mit eingeschrĂ€nktem Status hat die SPD-Fraktion die Regelung als zu streng kritisiert. «Dass nur so wenige AntrĂ€ge erfolgreich waren, bedeutet nicht, dass sie grundlos gestellt wurden. Es liegt an den restriktiven Regelungen: Die zulĂ€ssigen Trennungszeiten fĂŒr Kinder und Eltern sind nicht familienfreundlich, sondern unzumutbar», sagte die migrationspolitische Sprecherin Rasha Nasr dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). 

Die HĂ€rte sei unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig. «Klar ist: Die Regelung kann nicht ĂŒber zwei Jahre hinaus verlĂ€ngert werden. Schon jetzt muss damit begonnen werden, die liegen gebliebenen AntrĂ€ge so vorzubereiten, dass nach Auslaufen der Regelung im Sommer 2027 keine weiteren Wartezeiten entstehen», forderte Nasr. Es sei belegt, dass GeflĂŒchtete sich besser integrierten, wenn sie ihre Familien bei sich und in Sicherheit wĂŒssten.

Der Kinderbeauftragte der SPD-Fraktion, Truels Reichardt, forderte ebenfalls im RND, dass der Familiennachzug umfassend wiederhergestellt wird. Es sei fraglich, ob die Regelung verfassungsrechtlich haltbar ist. «Denn der besondere Schutz der Familie steht im Grundgesetz», sagte er. Es gehe lediglich darum, die Kernfamilie zusammenzufĂŒhren, also Eltern mit ihren minderjĂ€hrigen Kindern.

Nur wenige Visa seit Stopp des Familiennachzugs

Bei der Regelung geht es um die Familien von sogenannten subsidiĂ€r Schutzberechtigten. Das sind Menschen, die keinen Anspruch auf Asyl oder FlĂŒchtlingsschutz haben, aber dennoch wegen Bedrohung in ihrer Heimat vorerst in Deutschland bleiben dĂŒrfen. Ihre Verwandten dĂŒrfen nur noch in HĂ€rtefĂ€llen nachziehen. 

Die frĂŒhere Kontingentlösung von bis zu monatlich 1.000 Visa fĂŒr den Familiennachzug ist vom 24. Juli 2025 bis zum 23. Juli 2027 ausgesetzt. Im ersten Jahr seit dem vorlĂ€ufigen Stopp wurden nur wenige Visa fĂŒr HĂ€rtefĂ€lle erteilt. Die Zahl lag bei 13, wie die Deutsche Presse-Agentur Ende Juli aus dem AuswĂ€rtigen Amt erfuhr. 

Das HĂ€rtefall-Verfahren lĂ€uft nach Angaben der Bundesregierung so: HĂ€rtefĂ€lle werden bei der Internationalen Organisation fĂŒr Migration angezeigt, mit deren Hilfe dann der Sachverhalt geprĂŒft wird. Im Anschluss geht das Dossier ans AuswĂ€rtige Amt.

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