Wechseljahre: Gremium fordert Hilfe für elf Millionen Frauen
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 15:21 Uhr | dpa, AD HOC NEWSElf Millionen Frauen und 15 Jahre Erwerbsleben
- Rund elf Millionen Frauen in Deutschland sind derzeit in den Wechseljahren.
- Das Gremium nennt ein durchschnittliches Eintrittsalter von 51 bis 52 Jahren.
- Eine DAK-Auswertung zufolge berichtet jede dritte betroffene Frau von teils starken Belastungen im Beruf.
Rund elf Millionen Frauen in Deutschland sind derzeit in den Wechseljahren, finden bei Beschwerden aber oft nur schwer passende Unterstützung.
Belastungen am Arbeitsplatz
Ein von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes eingesetztes Gremium fordert deshalb eine bessere medizinische Versorgung, mehr Hilfe am Arbeitsplatz und einen stärkeren Schutz vor Benachteiligung.
Hitzewallungen, Schlafstörungen und Erschöpfung können die Wechseljahre begleiten. Nach Angaben des Gremiums erleben Frauen den Beginn statistisch mit 51 bis 52 Jahren und haben danach im Durchschnitt noch mindestens 15 Jahre Erwerbsleben vor sich.
Verschiedene Arbeitsplätze brauchen unterschiedliche Lösungen
Eine DAK-Auswertung, auf die sich die Handlungsempfehlungen stützen, zeigt, dass jede dritte betroffene Frau von teils starken beruflichen Belastungen berichtet. Dazu zählen eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, mehr Fehltage oder Arbeitsausfälle.
Die Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, nennt flexible Arbeitszeiten, geeignete Raumtemperaturen, einen guten Zugang zu Toiletten und betriebsärztliche Beratung als mögliche Hilfen. Für Beschäftigte etwa in Pflege oder Gastronomie müssten andere Lösungen gefunden werden als für Menschen im Homeoffice.
Medizinische Anlaufstellen fehlen
Auch bei der medizinischen Versorgung sehen Fachleute Lücken. Die Chefärztin für Gynäkologie am Vivantes Klinikum, Mandy Mangler, spricht von einem Versorgungsproblem und verweist darauf, dass sich Medizin und Forschung lange stark am männlichen Körper orientiert hätten.
Nach Manglers Darstellung nimmt das Thema in der Ausbildung bislang wenig Raum ein. An der Berliner Charité gebe es zur Menopause lediglich eine Vorlesung; eine eigene Abrechnungsziffer für die Wechseljahresberatung existiere bisher nicht.
Gremium fordert nationale Strategie
Das Gremium verlangt deshalb eine nationale Wechseljahres-Strategie, die Gesundheitsversorgung, Arbeitswelt, Forschung, Bildung und Diskriminierungsschutz verbindet. Bislang fehle dafür eine übergreifende politische Koordination.
Weitere Vorschläge sind eine bundesweite Aufklärungskampagne, frühere Informationen über die Wechseljahre und das Schließen von Forschungslücken. Außerdem soll geprüft werden, ob das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Benachteiligungen wegen der Wechseljahre ausreichend erfasst.
Versorgung erreicht viele Betroffene nicht
Die Forderung nach einer nationalen Strategie zielt auf ein Problem, das über einzelne Arztpraxen hinausgeht: Wechseljahresbeschwerden können Gesundheit, Alltag und Erwerbsleben zugleich beeinflussen. Wenn Beratung schwer zugänglich ist und medizinische Inhalte in Ausbildung und Forschung nur begrenzt vorkommen, entstehen Lücken an mehreren Stellen des Versorgungssystems.
Besonders relevant ist der Zeitpunkt. Frauen beginnen die Wechseljahre im Durchschnitt mit 51 bis 52 Jahren und stehen damit häufig noch viele Jahre im Berufsleben. Maßnahmen am Arbeitsplatz müssen deshalb unterschiedliche Tätigkeiten berücksichtigen. Flexible Arbeitszeiten können für Bürobeschäftigte hilfreich sein, reichen aber für Pflege, Gastronomie oder andere Arbeitsfelder ohne Homeoffice nicht aus.
Politik soll Zuständigkeiten bündeln
Eine nationale Strategie könnte Gesundheitsversorgung, Arbeitsrecht, Forschung, Bildung und Diskriminierungsschutz in einem politischen Rahmen verbinden. Dazu gehören verständliche Informationen vor Beginn der Wechseljahre, eine bessere Verankerung des Themas in Studium und Weiterbildung sowie eine klare Finanzierung ausführlicher Beratung.
Für Betroffene wäre entscheidend, dass aus den Empfehlungen konkrete Zugänge entstehen: qualifizierte Anlaufstellen, ausreichende Gesprächszeit in Praxen und Ansprechpartner im Betrieb. Ebenso offen ist, wie der rechtliche Schutz vor Benachteiligung im Einzelfall angewendet wird. Die Debatte verschiebt sich damit vom privaten Umgang mit Beschwerden hin zu einer Frage von Versorgung, Teilhabe und Arbeitsbedingungen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: „Antidiskriministerungsbeauftragte Ataman fordert eine Nationale Wechseljahre-Strategie“ (13.10.2026)
Der Nachrichtenbeitrag berichte, Ataman plädiere für eine nationale Wechseljahre-Strategie. Damit bestätige er den politischen Kern der Meldung und setze den Schwerpunkt auf die geforderte übergreifende Koordination.
WDR: „Wechseljahre und Partnerschaft: ‚Die Männer ins Boot holen‘“ (12.10.2026)
Der WDR-Beitrag stelle die Wechseljahre stärker in den Zusammenhang von Partnerschaft, Scham und Kommunikation. Er ergänze damit die politische und berufliche Perspektive um den privaten Umgang mit Beschwerden.
Beide Beiträge bestätigten, dass Aufklärung und ein offenerer Umgang mit den Wechseljahren zentrale Anliegen seien; der Deutschlandfunk fokussiere die politische Strategie, während der WDR die zwischenmenschliche Unterstützung hervorhebe.
