Kiew bis Khartoum: 15 Jahre Schutz fĂŒr deutsche Diplomaten
06.09.2023 - 18:09:58 | dpa.deMit einem Festakt und GĂ€sten von auslĂ€ndischen SpezialkrĂ€ften hat die fĂŒr den Schutz deutscher Diplomaten in Krisengebieten verantwortliche Einheit der Bundespolizei an ihre GrĂŒndung vor 15 Jahren erinnert.
Die Arbeit der Diplomaten an Orten wie Bagdad, Tripolis oder Kiew und vielen anderen Standorten wĂ€re ohne die tatkrĂ€ftige UnterstĂŒtzung der Bundespolizei nicht denkbar, betonte der Leiter des Sicherheitsreferats des AuswĂ€rtigen Amtes, Mirko Schilbach, heute bei den Feierlichkeiten zum 15-jĂ€hrigen JubilĂ€um in Sankt Augustin bei Bonn.
Aktuell gewĂ€hrleisten die EinsatzkrĂ€fte der Dienststelle Polizeiliche Schutzaufgaben Ausland (PSA) nach Angaben der Bundespolizei die Sicherheit deutscher Auslandsvertretungen in rund 80 LĂ€ndern. Zu ihren Aufgaben zĂ€hlt dabei auch der Objektschutz und die Beratung der Diplomatinnen und Diplomaten in Sicherheitsfragen. Derzeit sind nach Angaben des Leiters der Dienststelle, JĂŒrgen Hennig, rund 250 seiner Leute im Einsatz.
Herausforderungen fĂŒr PSA-KrĂ€fte
Zu den dunklen Stunden in der Geschichte der Einheit zÀhlt der Tod eines Bundespolizisten im Jahr 2013. Der Polizeibeamte war damals an der Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eingesetzt. Er wurde erschossen, als er mit einem Kollegen in der Stadt Besorgungen machte.
Eine groĂe Herausforderung fĂŒr die PSA-KrĂ€fte war die RĂ€umung der deutschen Botschaft in der afghanischen Hauptstadt Kabul nach der MachtĂŒbernahme durch die militant-islamistischen Taliban vor zwei Jahren. Hennig sagte damals ĂŒber seine Mitarbeiter: «Hinter ihnen liegen mehr als zwei Wochen erhebliche psychische und physische Anstrengungen.» Sie hĂ€tten maĂgeblich die Evakuierung der deutschen Botschaft unterstĂŒtzt und deutsche Diplomaten bis zur letzten Minute bei den EvakuierungsmaĂnahmen am Flughafen geschĂŒtzt.
Zu den neuen Herausforderungen, mit denen sich seine Einheit auseinandersetzen mĂŒsse, gehörten beispielsweise Angriffe mit nicht-militĂ€rischen Drohnen. «Wir mĂŒssen sie frĂŒh erkennen und notfalls auch runterholen können», sagte Hennig der Deutschen Presse-Agentur. Der Ausbau von Spezialkenntnissen sei kĂŒnftig auch mit Blick auf IT-FĂ€higkeiten notwendig sowie im Umgang mit chemischen, biologischen und nuklearen Gefahren. Die PSA wird teilweise mit Mitteln des AuswĂ€rtigen Amtes finanziert.
Auf die Frage, ob Deutschland seine Diplomatinnen und Diplomaten in brenzligen Situationen im Vergleich zu anderen Nationen eher frĂŒh oder spĂ€t auĂer Landes bringt, antwortete Hennig diplomatisch: «Ich denke, wir sind dabei oft in guter Gesellschaft.» Wichtig bei solchen Entscheidungen sei eine gute Vernetzung mit anderen Akteuren vor Ort. Dazu zĂ€hlten etwa die Sicherheitsexperten der Vereinten Nationen.
«Was erwartet uns noch in der Sahelzone?»
Zu den Standorten, bei denen sich die Frage, wie viel Aufwand fĂŒr den Schutz notwendig ist, akut stellt, gehört der Niger. Die Frage, «Was erwartet uns noch in der Sahelzone?» beschĂ€ftige die Bundespolizei aktuell, sagte Normen GroĂmann, Leiter der Abteilung Einsatzangelegenheiten im BundespolizeiprĂ€sidium. Ende Juli hatte die PrĂ€sidentengarde im Niger den bisherigen PrĂ€sidenten Mohamed Bazoum gestĂŒrzt. Es folgten massive anti-französischen Proteste in dem westafrikanischen Land.
Mit möglichen Fehlentscheidungen rund um die Evakuierung in Kabul beschÀftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestages. In seinen ersten Zeugenbefragungen entstand der Eindruck, dass Beamte des AuswÀrtigen Amtes in Berlin damals lange auf der Bremse standen.
Seit 2017 sind alle SpezialkrĂ€fte der Bundespolizei unter dem Dach der Bundespolizeidirektion 11 zusammengefasst. Die wohl bekannteste dieser Einheiten ist die GSG 9, die im vergangenen Jahr ihr 50-jĂ€hriges Bestehen gefeiert hatte. Anders als bei der GSG 9, gibt es fĂŒr die PSA-Polizisten keine Altersobergrenze.
Besonders hÀtten ihn die Leistungen der PSA-KrÀfte in Afghanistan 2021, in der Ukraine 2022 und im Sudan 2023 beeindruckt, sagte der PrÀsident der Bundespolizeidirektion 11, Olaf Lindner.
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