Westbalkan: Merz fordert schnellere EU-Integration in Montenegro
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:06 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBerlin-Prozess bringt sechs Staaten zusammen
- Friedrich Merz traf am Donnerstag zum Auftakt des Gipfels in Montenegro ein.
- Der Kanzler verwies auf Reformen und politischen Willen der Beitrittskandidaten.
- Im Jahr 2026 sind 26 Veranstaltungen des Berlin-Prozesses geplant.
- Zwölf dieser Veranstaltungen sollen auf Ministerebene stattfinden.
Merz setzt in Montenegro auf schnellere EU-Annäherung
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fordert eine schnellere Integration der Westbalkan-Staaten in die Europäische Union. Bei seiner Ankunft in Montenegro zum Auftakt des Berlin-Prozess-Gipfels verlangte er von den Beitrittskandidaten Reformen und politischen Willen.
Schrittweise Integration soll Beitritt vorbereiten
Merz sprach sich für eine schrittweise Integration der Westbalkan-Staaten in die EU aus. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe er konkrete und ambitionierte Vorschläge vorgelegt, von denen viele inzwischen von der EU-Kommission aufgegriffen worden seien.
„Wir als EU haben geliefert, aber ihr müsst auch liefern“, sagte Merz. Der EU-Beitritt sei realistisch und lohne sich, wenn die Länder entschlossen daran arbeiteten.
Montenegro sieht Merz in der Schlussphase
Montenegro habe seinen EU-Beitrittsprozess nahezu abgeschlossen, erklärte der Kanzler. Seit einem Treffen im Juni in Tivat sei es gelungen, den Erweiterungsprozess wieder voranzubringen.
Das Land richtet den Gipfel in einem besonderen Jahr aus: Montenegro feiert 20 Jahre Unabhängigkeit und befindet sich nach Angaben von Merz in der Schlussphase seiner Beitrittsverhandlungen.
Aufruf zu Zusammenarbeit und Versöhnung
Zugleich rief Merz die Staaten der Region zu mehr Zusammenarbeit und Versöhnung auf. Spaltende Rhetorik und zunehmende Polarisierung führten nicht zu einem sichereren, freieren und wohlhabenderen Europa.
Mit Blick auf Proteste in der EU und auf dem Westbalkan sagte der Kanzler, Gewalt dürfe niemals eine Option sein – von keiner Seite.
Serbien und Kosovo sollen Dialog fortsetzen
Auch der Normalisierungsdialog zwischen Serbien und Kosovo müsse dringend wiederbelebt werden. Die ausbleibenden Fortschritte seien schwer verständlich, da sie alle Beteiligten bei der weiteren EU-Integration zurückhielten, sagte Merz.
26 Veranstaltungen im Jahr 2026
Der Berlin-Prozess soll die regionale Zusammenarbeit der sechs Westbalkan-Staaten stärken und Reformen auf dem Weg in die EU unterstützen. In diesem Jahr sind 26 Veranstaltungen geplant, zwölf davon auf Ministerebene.
Der Berlin-Prozess verbindet die sechs Staaten des westlichen Balkans mit EU-Mitgliedstaaten und weiteren Partnern. Im Mittelpunkt stehen regionale Zusammenarbeit, wirtschaftliche Verflechtung und Reformen, die den Weg in die Europäische Union unterstützen sollen.
Merz’ Forderung nach einer schrittweisen Integration zielt auf einen Ansatz, bei dem Beitrittskandidaten schon vor einer Vollmitgliedschaft enger in einzelne EU-Bereiche eingebunden werden können. Für die Staaten der Region könnte das früheren Zugang zu Programmen, Märkten und politischen Entscheidungsstrukturen bedeuten, während die vollständige Mitgliedschaft weiterhin an rechtsstaatliche und politische Reformen geknüpft bleibt.
Montenegro als PrĂĽfstein
Montenegro gilt innerhalb der Westbalkan-Staaten als besonders weit fortgeschritten. Ein erfolgreicher Abschluss der Beitrittsverhandlungen würde den Erweiterungsprozess politisch sichtbar voranbringen, erhöht aber zugleich den Druck, offene Reformfragen tatsächlich umzusetzen.
Die von Merz angesprochene Blockade im Verhältnis zwischen Serbien und Kosovo bleibt ein zentrales Hindernis für die regionale Annäherung. Ohne Fortschritte im Normalisierungsdialog erschwert der Konflikt nicht nur die EU-Perspektive beider Seiten, sondern belastet auch die Zusammenarbeit in der gesamten Region.
Reformen und regionale Zusammenarbeit
Der Gipfel setzt damit zwei Maßstäbe nebeneinander: Die EU muss glaubwürdige Integrationsangebote machen, während die Beitrittskandidaten Reformen, Kooperation und Gewaltverzicht voranbringen müssen. Die geplanten 26 Veranstaltungen des Berlin-Prozesses, darunter zwölf auf Ministerebene, schaffen dafür regelmäßige politische Arbeitsformate.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDF: „Merz in Montenegro: Kanzler macht Druck für EU-Erweiterung“ (22.10.2026)
Der Beitrag bestätigt Merz’ Teilnahme am Gipfel und stellt seinen Druck auf eine schnellere EU-Erweiterung in den Mittelpunkt. Anders als die dts-Meldung akzentuiert er stärker die politische Botschaft des Kanzlers im Zusammenhang mit den Beitrittskandidaten.
Deutschlandfunk: „EU-Westbalkangipfel in Montenegro - Blockiert Kroatien Montenegro?“ (22.10.2026)
Der Beitrag ordnet den Gipfel stärker aus der Perspektive des montenegrinischen Beitrittsprozesses und möglicher Hindernisse ein. Gemeinsam ist beiden Darstellungen der Fokus auf Montenegros EU-Perspektive; offen bleibt, wie schnell die politischen und institutionellen Hürden überwunden werden können.
Die Berichte stimmen beim Gipfel und beim EU-Beitrittsprozess des Westbalkans überein, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Merz’ Forderungen stehen neben der Frage, welche konkreten Hindernisse den weiteren Fortschritt bremsen.
