Wirtschaftsnobelpreis geht an Hall und Woodford für Krisenmodelle
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWSHall und Woodford erhalten den Wirtschaftsnobelpreis
- Die Königlich-Schwedische Akademie zeichnet Robert E. Hall und Michael Woodford aus.
- Hall forscht an der Stanford University, Woodford ist an der Columbia University tätig.
- Die Preisverleihung findet am 10. Dezember in Stockholm statt.
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an die US-Forscher Robert E. Hall und Michael Woodford.
Modelle für wirtschaftliche Schocks
Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften gab die Entscheidung in Stockholm bekannt. Ausgezeichnet werden die beiden Ökonomen für die mikroökonomischen Grundlagen der makroökonomischen Stabilisierung.
Ihre Modelle sollen Staaten und Zentralbanken dabei helfen, Konjunkturschwankungen abzumildern und die Folgen von Wirtschaftsschocks zu begrenzen. Dazu zählen etwa Energiekrisen, Kriege, Inflation oder plötzliche Veränderungen beim Konsum der Haushalte.
Hall und Woodford forschen in den USA
Der 83 Jahre alte Hall arbeitet an der Stanford University. Woodford, Jahrgang 1955, ist an der Columbia University tätig und wurde während der Bekanntgabe aus New York zugeschaltet.
Woodford bezeichnete die Auszeichnung als riesige Ehre und sagte, er sei überrascht. Die Forschung solle auch helfen, wirtschaftliche Krisen verständlicher zu erklären und die wirtschaftspolitische Diskussion zu verbessern.
Erwartungen beeinflussen die Wirtschaft
Nach Darstellung der Preisjury handeln Haushalte und Unternehmen bei Entscheidungen wie dem Sparen vorausschauend. Wenn Regierungen und Zentralbanken ihre Pläne klar kommunizieren, können sie dadurch die Erwartungen und damit die wirtschaftliche Entwicklung beeinflussen.
Zentralbanken nutzen diesen Mechanismus unter anderem, indem sie Hinweise auf ihren künftigen Zinskurs geben. Der Juryvorsitzende John Hassler erklärte, eine zentrale Aufgabe bestehe darin, Schwankungen zu steuern und das Risiko zu begrenzen, dass die Wirtschaft bei hoher Arbeitslosigkeit feststecke oder die Inflation außer Kontrolle gerate.
Abkehr von früheren Keynes-Modellen
Die Forschung von Hall und Woodford knüpft an die Grenzen älterer wirtschaftspolitischer Modelle an. Während der Ölkrisen der 1970er Jahre führte eine expansive Nachfragepolitik nach Darstellung der Jury nicht zu dauerhaft niedriger Arbeitslosigkeit, sondern trug zur hohen Inflation bei.
Die beiden Forscher entwickelten deshalb Modelle, die nicht nur statistische Zusammenhänge zwischen Inflation, Produktion und Konsum betrachten. Sie beziehen auch ein, wie Haushalte und Unternehmen die Wirtschaft durch ihre Entscheidungen beeinflussen.
Preisgeld und Verleihung
Der Wirtschaftsnobelpreis wurde 1969 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet und ist nicht Teil des ursprünglichen Testaments von Alfred Nobel. Wie die anderen Nobelpreise wird er am 10. Dezember in Stockholm verliehen.
Das Preisgeld beträgt umgerechnet mehr als eine Million Euro. In der Vorwoche waren bereits die Nobelpreise in den Kategorien Medizin, Physik, Chemie, Literatur und Frieden bekanntgegeben worden.
Warum Erwartungen die Stabilisierung prägen
Die ausgezeichneten Modelle verbinden gesamtwirtschaftliche Größen wie Inflation, Produktion und Beschäftigung mit den Entscheidungen einzelner Haushalte und Unternehmen. Damit rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Menschen und Firmen auf angekündigte Maßnahmen reagieren – etwa auf Zinsentscheidungen oder staatliche Programme.
Für Zentralbanken bedeutet das: Nicht nur der aktuelle Leitzins beeinflusst Konsum, Investitionen und Preise. Ebenso wichtig ist, welchen künftigen Kurs die Geldpolitik glaubwürdig vermittelt. Eine Ankündigung kann deshalb wirtschaftliche Wirkung entfalten, bevor eine Maßnahme vollständig umgesetzt ist.
Bedeutung für Krisen und Verbraucher
Die Bedeutung zeigt sich besonders bei externen Schocks wie Energiepreissprüngen, Kriegen oder abrupt verändertem Konsum. Solche Ereignisse lassen sich nicht verhindern, ihre Folgen können durch abgestimmte Geld- und Finanzpolitik jedoch begrenzt werden. Entscheidend bleibt dabei der Zielkonflikt zwischen der Stabilisierung von Preisen und der Vermeidung hoher Arbeitslosigkeit.
Für Verbraucher wirken diese Entscheidungen über Kreditzinsen, Sparrenditen, Beschäftigung und Kaufkraft. Die Forschung liefert keine automatische Lösung für jede Krise, aber ein theoretisches Gerüst, mit dem Regierungen und Notenbanken die Reaktionen von Haushalten und Unternehmen systematischer berücksichtigen können. Die frühere Erfahrung der 1970er Jahre zeigt zugleich, dass Maßnahmen gegen Arbeitslosigkeit bei falscher Ausgestaltung Inflation verstärken können.
