Steuerpolitik, Gesundheit

Kubicki geht Zuckersteuer scharf an – Kritik an PlĂ€nen der Regierung

Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 16:09 Uhr | dts-nachrichtenagentur.de

Wolfgang Kubicki, prominentes FDP-Mitglied, attackiert die geplante Zuckersteuer des Finanzministeriums mit ungewöhnlich deutlichen Worten.

Kubicki kritisiert Zuckersteuer-PlÀne scharf
Wolfgang Kubicki (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Mit einer Mischung aus Kopfschütteln und deutlichem Unmut hat Wolfgang Kubicki sich Dienstag im Gespräch mit dem TV-Sender „Welt“ über die Zuckersteuer-Pläne ausgelassen: „Was hier als Zuckersteuer verkauft wird, ist letztlich eine verdeckte Steuererhöhung von über 30 Prozent auf einige durchaus alltägliche Produkte. Das ist echt eine Hausnummer.“ Gerade in einer sowieso angespannten Wirtschaftslage, in der viele Leute dringend Entlastung erwarten, hält er eine solche Preiswelle für falsch. Trotzdem – die Regierung, so Kubicki, habe doch eigentlich versprochen, die Bürger nicht noch weiter zu belasten. Mit Blick auf Friedrich Merz und Markus Söder wirft Kubicki den Spitzenpolitiker:innen eine eklatante Bruchlandung ihrer wahlkampferprobten Versprechen vor: „Ein weiteres Beispiel dafür, dass man Regierungen nur schwer vertrauen kann – erst heißt es keine Steuererhöhungen, dann kommt sowas durchs Hintertürchen.“ Von Gesundheit sei kaum die Rede; Hauptsache, neue Einnahmequellen für die Staatskasse. Bestes Beispiel aus Kubickis Sicht: Obwohl überall diskutiert wird, wie man Spritpreise drücken könnte, sollen nun plötzlich Grundnahrungsmittel deutlich teurer werden. Das passe vorn und hinten nicht zusammen. Einen Seitenhieb verteilt er auch an Finanzminister Klingbeil – gezielt und bissig: „Klingbeil will seine Haushaltslöcher stopfen, weil an tatsächliche Einsparungen keiner ran will. Gerade bei der Entwicklungshilfe oder Subventionen gäbe es jede Menge Möglichkeiten, den Rotstift anzusetzen – stattdessen werden Konsumenten zur Kasse gebeten.“ Für Kubicki ist die Behauptung, die Steuer hätte tatsächlich einen gesundheitsfördernden Zweck, vorgeschoben. Effektiver findet er Aufklärung und Eigenverantwortung: „Vernunft kann man den Bürgern schon zutrauen; wir müssen sie nicht wie unmündige Kinder behandeln.“ Angesprochen auf die gesellschaftlichen Folgen, betont er: „Werden die zuckerhaltigen Getränke, dazu zählt auch alkoholfreies Bier, jetzt deutlich teurer, trifft das gerade Haushalte mit wenig Geld überproportional hart. Genau diese Gruppen trinken oft die Produkte, die künftig steuerlich belastet werden.“ Er befürchtet außerdem einen Dominoeffekt für Gastronomie-Betriebe. „Erhöhen sich die Kosten für Getränke, wird’s auch für Kneipen und Restaurants problematisch. Und selbst der Trick mit den Ersatzeinnahmen funktioniert auf Dauer nicht: Weniger Konsum, weniger Steuer – hoppla, der Bumerang kommt zurück.“

Wolfgang Kubicki von der FDP lehnt die geplante Zuckersteuer vehement ab und sieht darin eine versteckte Steuererhöhung, die entgegen den Wahlversprechen der Regierungsparteien läuft. Er wirft der Regierung und insbesondere Finanzminister Klingbeil vor, Einnahmen zu erhöhen, statt gezielt zu sparen, etwa durch Kürzungen bei Entwicklungshilfe oder Subventionen. Die gesundheitlichen Argumente hält er für eine Alibifunktion; die Steuer würde besonders Haushalte mit geringem Einkommen und die Gastronomie belasten, ohne langfristig stabile Einnahmen für den Staat zu sichern. Ergänzend zu den bisherigen Debatten: Jüngste Presseberichte zeigen, dass die Zuckersteuer in vielen europäischen Ländern bereits eingeführt wurde – etwa in Großbritannien, wo sie zu einem Rückgang des Zuckergehalts führten, aber auch zu Ausweichbewegungen hin zu anderen, oft nicht gesünderen Ersatzstoffen. In Deutschland formiert sich neben Kritik aus der Politik auch Widerstand von Verbänden wie dem Handelsverband Deutschland und der Gastronomie, die einen Rückgang der Nachfrage und weitere Belastungen für ein ohnehin angeschlagenes Gastgewerbe befürchten. Gesundheitsorganisationen halten dagegen, dass die Maßnahme wissenschaftlich gut belegt ist – nicht zuletzt, weil Übergewicht und Diabetes weiter zunehmen; zudem argumentieren sie, dass freiwillige Aufklärung allein in der Vergangenheit wenig erfolgreich war und Preise ein wirksames Lenkungsinstrument seien.

  • Die Süddeutsche Zeitung hat einen ausführlichen Hintergrund zu den Streitpunkten rund um die Zuckersteuer veröffentlicht: Der Artikel beleuchtet, dass sich die Ampel-Koalition intensiv über Sinn und Zielrichtung neuer Verbrauchssteuern streitet und auch SPD und Grüne mit eigenen Vorstellungen gegenüber der FDP aufgetreten sind. Es wird betont, dass gesundheitliche Aspekte wissenschaftlich belegt sind, aber im politischen Alltag oft hinter fiskalischen Interessen zurücktreten. Die SüZ liefert zudem Stimmen von Ärzten, Verbraucherschützern und aus dem Handel, die sowohl Vorteile der Prävention als auch soziale Nebenwirkungen diskutieren. (Quelle: Süddeutsche Zeitung)
  • Die FAZ berichtete, dass Finanzminister Klingbeil die Steuer im Kontext der schwierigen Haushaltslage verteidigt, aber selbst innerhalb der eigenen Koalition auf Widerstand stößt. Laut FAZ wird auch die Kommunikation der Regierung infrage gestellt: Bürger würden unzureichend auf die Maßnahme vorbereitet, was das Misstrauen zusätzlich erhöhe. Der Artikel gibt eindrucksvoll den Spagat zwischen Sparzwang und öffentlichem Druck wieder und nennt konkrete Schätzungen zu möglichen Staatseinnahmen. (Quelle: FAZ)
  • Auf Zeit Online geht es ausführlich um die gesellschaftlichen Akzente der Debatte: Der Artikel beleuchtet einerseits die Kritik Kubickis, gibt aber auch der gesundheitspolitischen Argumentation Raum. Zudem werden internationale Beispiele herangezogen – beispielhaft Großbritannien und Mexiko – und evaluiert, wie diese Steuern dort wirken. Der Bericht endet mit der offenen Frage, welche Maßnahmen in Deutschland tatsächlich geeignet wären, Übergewicht wirksam zu bekämpfen. (Quelle: Zeit Online)

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