Zuckerkonsum in Deutschland: Bis zu 100 Gramm tĂ€glich â Zuckersteuer vorerst gestoppt
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDeutsche nehmen tĂ€glich deutlich mehr Zucker zu sich, als die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt â mit möglichen Folgen fĂŒr Gewicht, Stoffwechsel und Zahngesundheit.
Die Kehrseite des SĂŒĂen
Zucker liefert Kalorien, aber keine Vitamine oder Mineralstoffe. Wer regelmĂ€Ăig zu viel davon isst oder trinkt, erhöht sein Risiko fĂŒr Ăbergewicht und Adipositas sowie fĂŒr Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten.
ErnĂ€hrungsforscher Stefan Kabisch von der Berliner CharitĂ© sagte Ende 2025, Zucker sei nicht die alleinige, aber eine relevante Ursache. RegelmĂ€Ăiger Zuckerkonsum könne auĂerdem die Steuerung von SĂ€ttigung und Appetit beeintrĂ€chtigen, erlĂ€uterte Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut fĂŒr Stoffwechselforschung in Köln im MĂ€rz 2026.
WHO empfiehlt deutlich weniger
Die WHO rÀt Menschen mit gesundem Körpergewicht zu höchstens 50 Gramm sogenanntem freien Zucker pro Tag, besser zu weniger als 25 Gramm. Dazu zÀhlen zugesetzter Zucker und Zucker, der beim Entsaften freigesetzt wird. Zucker in unverarbeitetem Obst fÀllt nicht darunter, Fruchtsaft dagegen schon.
In Deutschland nehmen MĂ€nner im Schnitt 78 Gramm Zucker tĂ€glich auf, Frauen 61 Gramm. EinschlieĂlich weiterer Zuckerquellen kann die tĂ€gliche Menge bis zu 100 Gramm erreichen.
Kinder besonders gefÀhrdet
Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene trinken fĂŒnf- bis zehnmal mehr zuckergesĂŒĂte GetrĂ€nke als Ă€ltere Menschen. Der PrĂ€sident der BundesĂ€rztekammer, Klaus Reinhardt, warnte Ende 2025 vor einer kĂŒnftig groĂen Zahl von Diabeteserkrankungen infolge von Bewegungsmangel und ungesunder ErnĂ€hrung.
Eine Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2021 legt zudem nahe, dass hoher Zuckerkonsum in jungen Jahren die Entstehung von Darmkrebs im Erwachsenenalter begĂŒnstigen könnte.
Folgen fĂŒr die ZĂ€hne
Zucker schÀdigt auch die Mundgesundheit. Bakterien wandeln ihn in SÀuren um, die Zahnmineralien angreifen; dadurch kann Karies entstehen.
Zuckersteuer vorerst gestoppt
Mit dem vorlÀufigen Stopp der Zuckersteuer durch das Bundeskanzleramt bleibt offen, wie der hohe Zuckerkonsum wirksam begrenzt werden soll. Der politische Streit betrifft damit nicht die gesundheitlichen Risiken, sondern den geeigneten Umgang damit.
Gesundheitsrisiko und Verbrauch
Die im dpa-Bericht genannten Mengen liegen deutlich ĂŒber der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation. Gemeint ist dabei freier Zucker, also zugesetzter Zucker sowie Zucker in SĂ€ften. Der natĂŒrliche Zucker in unverarbeitetem Obst wird nicht in gleicher Weise bewertet, weil Obst zugleich Ballaststoffe und andere NĂ€hrstoffe liefert.
Besonders relevant sind zuckerhaltige GetrĂ€nke: FlĂŒssige Kalorien sĂ€ttigen hĂ€ufig weniger als feste Nahrung und können deshalb eine hohe Energiezufuhr begĂŒnstigen. Ein dauerhaft hoher Konsum erhöht das Risiko fĂŒr Ăbergewicht und Folgeerkrankungen; bei Kindern und Jugendlichen prĂ€gt er zudem Gewohnheiten, die bis ins Erwachsenenalter fortwirken können. Die Risiken entstehen nicht durch einzelne SĂŒĂigkeiten, sondern vor allem durch regelmĂ€Ăigen Ăberkonsum.
Politischer Streit um die Zuckersteuer
Die geplante Abgabe ist deshalb zugleich Gesundheits- und Verteilungspolitik. BefĂŒrworter erwarten, dass Hersteller Rezepturen verĂ€ndern und Verbraucher hĂ€ufiger zu weniger sĂŒĂen GetrĂ€nken greifen. Kritiker verweisen auf zusĂ€tzliche Kosten, BĂŒrokratie und Belastungen fĂŒr Unternehmen. Der aktuelle Stopp des Gesetzentwurfs lĂ€sst die politische Ausgestaltung offen, beendet die Debatte ĂŒber den hohen Zuckerkonsum aber nicht.
Was sich im Alltag Àndert
FĂŒr Verbraucher bleibt die einfachste Orientierung der Blick auf GetrĂ€nke, Desserts, SĂŒĂwaren und stark verarbeitete Produkte. Wasser und ungesĂŒĂte GetrĂ€nke enthalten keinen freien Zucker; Fruchtsaft zĂ€hlt dagegen trotz seines natĂŒrlichen Ursprungs zu den relevanten Zuckerquellen. Eine Verringerung zuckerhaltiger GetrĂ€nke kann die tĂ€gliche Aufnahme besonders wirksam senken.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR24: âZuckersteuer ausgebremst: Wie geht es weiter?â (02.10.2026)
Der Bericht bestĂ€tige den vorlĂ€ufigen Stopp des Entwurfs, betone jedoch, die Zuckersteuer sei damit nicht vollstĂ€ndig vom Tisch. Anders als die dpa-Meldung, die vor allem die gesundheitlichen Folgen des hohen Konsums erlĂ€utere, stelle BR24 die geplanten SteuersĂ€tze, die politische Vorgeschichte und mögliche weitere Verhandlungen in den Mittelpunkt. Zugleich beschreibe der Beitrag die Argumente von BefĂŒrwortern und Gegnern.
MDR: âKanzleramt stoppt Zuckersteuer von Klingbeilâ (01.10.2026)
Der MDR-Bericht bestĂ€tige den Stopp und hebe hervor, der Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab. Er stelle zudem die unterschiedlichen Einnahmeerwartungen und die abweichende Zahl der Steuerstufen heraus. Offen bleibe, ob und in welcher Form die Abgabe nach weiteren Abstimmungen eingefĂŒhrt werde.
Beide Berichte bestÀtigten den politischen Stopp des konkreten Entwurfs und beschrieben zugleich eine fortbestehende grundsÀtzliche Absicht zur Zuckersteuer. Unterschiede ergÀben sich vor allem beim Schwerpunkt: BR24 ordne den weiteren Verhandlungsprozess und die Gesundheitsargumente ein, wÀhrend der MDR die Abweichungen vom Kommissionsvorschlag und die Einnahmen stÀrker betone.
