Zuckersteuer: Kanzleramt stoppt Klingbeils Entwurf vorerst
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:01 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Bundeskanzleramt hat den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) fĂŒr eine Steuer auf zuckerhaltige GetrĂ€nke vorerst gestoppt.
Entwurf findet keine Mehrheit
Der Vorschlag sei in dieser Form in der Regierung nicht mehrheitsfĂ€hig, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Zuvor hatte die âBildâ darĂŒber berichtet.
Geplante Abgabe auf ZuckergetrÀnke
Mit der Steuer wollte das Finanzministerium GetrĂ€nke mit hohem Zuckergehalt mit einer zusĂ€tzlichen Abgabe belegen. Der jĂŒngste Entwurf sah eine Staffelung nach dem Zuckergehalt vor; zuckerfreie GetrĂ€nke mit SĂŒĂungsmitteln sollten danach nicht erfasst werden.
Politische Abstimmung vorerst unterbrochen
Der Entwurf befand sich vor dem Stopp noch in der Abstimmung innerhalb der Bundesregierung. Damit ist zunĂ€chst offen, ob Klingbeils Vorhaben ĂŒberarbeitet und erneut vorgelegt wird oder ob die geplante ZuckergetrĂ€nkesteuer insgesamt zurĂŒckgestellt bleibt.
Steuer zwischen Einnahmen und Gesundheitspolitik
Der vorerst gestoppte Entwurf steht fĂŒr einen Zielkonflikt: Die Bundesregierung wollte mit der Abgabe zusĂ€tzliche Einnahmen erzielen und zugleich einen Anreiz fĂŒr Hersteller schaffen, den Zuckergehalt ihrer GetrĂ€nke zu senken. Nach den zuletzt bekannt gewordenen PlĂ€nen sollte die Steuer ab einem Zuckergehalt von fĂŒnf Gramm je 100 Milliliter greifen und je nach Menge zwischen 26 und 38 Cent pro Liter betragen.
FĂŒr den Bundeshaushalt wĂ€re die MaĂnahme relevant. Die erwarteten Einnahmen lagen bei rund einer Milliarde Euro jĂ€hrlich. Gleichzeitig hĂ€tte die Abgabe vor allem klassische Softdrinks, gesĂŒĂte SĂ€fte, Limonaden und Eistees betroffen. GetrĂ€nke, die ausschlieĂlich mit SĂŒĂungsmitteln gesĂŒĂt sind, sowie alkoholfreies Bier und alkoholfreie Wein- und Schaumweinerzeugnisse sollten nach dem jĂŒngsten Entwurf ausgenommen bleiben.
Politische HĂŒrde vor dem Gesetzgebungsverfahren
Der Vorgang zeigt, dass die entscheidende HĂŒrde bereits vor der formalen Beratung im Kabinett liegen kann. Der Entwurf befand sich zunĂ€chst noch in der Abstimmung zwischen Ministerien und LĂ€ndern; Widerstand kam insbesondere aus der Union und einzelnen BundeslĂ€ndern. Mit dem vorlĂ€ufigen Stopp ist offen, ob, wann und in welcher Form die Steuer erneut auf die politische Tagesordnung kommt.
FĂŒr Verbraucher wĂ€ren die konkreten Auswirkungen von der Weitergabe der Abgabe durch Hersteller und Handel abhĂ€ngig gewesen. Möglich wĂ€ren höhere Preise oder verĂ€nderte Rezepturen. FĂŒr die Debatte bleiben damit sowohl die Finanzierung zusĂ€tzlicher Haushaltseinnahmen als auch die gesundheitspolitische Wirksamkeit einer solchen Lenkungssteuer zentrale Streitpunkte.
