Zuckersteuer, Lars Klingbeil

Zuckersteuer: Kanzleramt stoppt Klingbeils Entwurf vorerst

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 12:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Das Bundeskanzleramt hat den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil fĂŒr eine Steuer auf zuckerhaltige GetrĂ€nke vorerst gestoppt. Der Plan war erst am Mittwoch zur Abstimmung an die Ministerien gegangen und gilt in der vorliegenden Form als nicht mehrheitsfĂ€hig.

  • Die Zuckersteuer könnte im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. (Symbolbild)  - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
    Die Zuckersteuer könnte im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. (Symbolbild) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
  • Das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) hatte am Mittwoch den Gesetzentwurf verschickt.  - Bild: Carsten Koall/dpa
    Das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) hatte am Mittwoch den Gesetzentwurf verschickt. - Bild: Carsten Koall/dpa
Die Zuckersteuer könnte im Jahr rund eine Milliarde Euro einbringen. (Symbolbild)  - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa Das Finanzministerium von Lars Klingbeil (SPD) hatte am Mittwoch den Gesetzentwurf verschickt.  - Bild: Carsten Koall/dpa

Das Bundeskanzleramt hat den Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) fĂŒr eine Steuer auf zuckerhaltige GetrĂ€nke vorerst gestoppt.

Entwurf erst seit Mittwoch in der Abstimmung

Klingbeil hatte seine PlĂ€ne erst am Mittwoch zur Abstimmung unter den Ministerien verschickt. In Regierungskreisen heißt es, der Entwurf weiche vom Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit ab und sei in dieser Form in der Regierung nicht mehrheitsfĂ€hig.

Aus dem Finanzministerium gab es zunÀchst keinen Kommentar. Die Steuer liegt damit vorerst auf Eis.

Bis zu 38 Cent pro Liter

Nach dem Entwurf sollte die Abgabe fĂŒr GetrĂ€nke ab einem Zuckergehalt von fĂŒnf Gramm je 100 Milliliter gelten. Die Höhe sollte nach dem Zuckergehalt gestaffelt werden und zwischen 26 und 38 Cent pro Liter liegen.

Zero-GetrĂ€nke, die mit Ersatzstoffen gesĂŒĂŸt sind, sollten anders als zwischenzeitlich erwogen nicht besteuert werden. Ausgenommen waren außerdem reine Frucht- und GemĂŒsesĂ€fte, alkoholfreies Bier und alkoholfreier Wein.

Eine Milliarde Euro Einnahmen erwartet

Klingbeil wollte mit der Zuckersteuer zusĂ€tzliche Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt erzielen und GetrĂ€nkehersteller zugleich zu weniger Zucker in ihren Produkten bewegen. Das Finanzministerium rechnete mit Einnahmen von rund einer Milliarde Euro pro Jahr.

FĂŒr das kommende Jahr wurden 945 Millionen Euro erwartet, im zweiten Jahr 1,155 Milliarden Euro. Bis 2031 sollten die Einnahmen auf 1,18 Milliarden Euro steigen.

Widerstand aus Union und LĂ€ndern

Vor allem in der Unionsfraktion gibt es Widerstand gegen die PlÀne. Auch mehrere BundeslÀnder lehnen die Steuer ab.

Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) bezeichnete sie als Belastung fĂŒr mittelstĂ€ndische GetrĂ€nkehersteller. Auch aus der Wirtschaft kamen kritische Stimmen.

Ein Instrument mit zwei Zielen

Die geplante Abgabe soll den Bundeshaushalt entlasten und zugleich das Angebot zuckerĂ€rmer machen. Der Mechanismus ist bewusst gestaffelt: Je höher der Zuckergehalt, desto höher fĂ€llt die Steuer aus. Damit entsteht fĂŒr Hersteller ein finanzieller Anreiz, Rezepturen unter die jeweiligen Schwellenwerte zu senken.

Gesundheitspolitisch richtet sich die Maßnahme gegen den hohen Konsum gezuckerter GetrĂ€nke. Eine zentrale Streitfrage bleibt, ob die Abgabe tatsĂ€chlich zu weniger Zuckeraufnahme fĂŒhrt oder vor allem höhere Preise verursacht. Entscheidend wĂ€re, ob Unternehmen die Rezepturen verĂ€ndern und wie stark sie die Kosten an Verbraucher weitergeben.

Politischer Konflikt ĂŒber Einnahmen und Belastungen

Mit erwarteten Einnahmen von rund einer Milliarde Euro hĂ€tte die Steuer fĂŒr den Bundeshaushalt eine messbare, im VerhĂ€ltnis zum gesamten Etat aber begrenzte Bedeutung. Gleichzeitig trĂ€fe sie GetrĂ€nkehersteller und HĂ€ndler je nach Produkt unterschiedlich stark. Zero-GetrĂ€nke sowie mehrere alkoholfreie Produkte sollen nach dem Entwurf ausgenommen bleiben.

Das vorlĂ€ufige Aus aus dem Kanzleramt zeigt, dass die Ressortabstimmung nicht nur technische Details betrifft. Die Bundesregierung muss einen Entwurf finden, der gesundheitspolitische Ziele, Einnahmeerwartungen und den Widerstand aus Union, LĂ€ndern und Wirtschaft miteinander verbindet. FĂŒr Verbraucher steht zunĂ€chst fest: Die genannten BetrĂ€ge sind keine beschlossenen PreisaufschlĂ€ge; vor einer möglichen EinfĂŒhrung mĂŒssten weitere Beratungen und das Gesetzgebungsverfahren folgen.

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