Zuckersteuer: Koalition plant schnelle Einigung ĂŒber Abgabe
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 14:37 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Bundesregierung will die geplante Zuckersteuer trotz des Streits zwischen Kanzleramt und Bundesfinanzministerium weiter vorantreiben. Regierungssprecher Sebastian Hille sagte am Freitag auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur, zwischen den beiden Stellen gebe es lediglich Abstimmungsbedarf.
Die EinfĂŒhrung der Steuer stehe nicht infrage, offen sei nur ihre Ausgestaltung, erklĂ€rte Hille.
Knackpunkte bleiben zunÀchst offen
Welche Punkte zwischen Kanzleramt und Finanzministerium strittig sind, wollte der stellvertretende Regierungssprecher nicht sagen. âDann wĂŒrden ja die internen Abstimmungen nicht mehr intern seinâ, sagte Hille.
Auch das Bundesfinanzministerium zeigte sich grundsÀtzlich zuversichtlich, dass rasch eine Einigung erreicht werde. Einen konkreten Zeitplan nannte ein Sprecher am Freitag jedoch nicht.
Unterschiedliche Einnahmeerwartungen
Zuvor hatten Medienberichte von einem Koalitionskonflikt ĂŒber das Vorhaben berichtet. Demnach soll das Kanzleramt den Entwurf des Finanzministeriums als ânicht mehrheitsfĂ€higâ und nicht ausreichend abgestimmt bewertet haben.
Nach den vorliegenden Angaben sieht ein Gesetzentwurf offenbar Einnahmen von bis zu 1,2 Milliarden Euro vor. UrsprĂŒnglich waren rund 450 Millionen Euro erwartet worden. Die Differenz zĂ€hlt damit zu den zentralen Streitpunkten bei der weiteren Ausgestaltung.
Die geplante Zuckersteuer ist Teil der Vereinbarung der schwarz-roten Koalition ĂŒber ein Sparpaket fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung. Sie verfolgt zwei Ziele: zusĂ€tzliche Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt und einen Anreiz fĂŒr Hersteller, den Zuckergehalt von GetrĂ€nken zu senken.
Nach dem bislang bekannten Entwurf soll die Abgabe ab dem 1. Juli 2027 fĂŒr GetrĂ€nke mit mindestens fĂŒnf Gramm Zucker je 100 Milliliter gelten. Vorgesehen sind gestaffelte SĂ€tze zwischen 26 und 38 Cent je Liter; Zero-GetrĂ€nke sowie bestimmte SĂ€fte und alkoholfreie GetrĂ€nke sollen ausgenommen bleiben. Damit wĂ€ren nicht alle Produkte gleichermaĂen betroffen, die Kosten könnten aber ĂŒber die Verkaufspreise weitergegeben werden.
Streit ĂŒber Umfang und Einnahmen
Der zentrale Konflikt dreht sich um die konkrete Ausgestaltung. Eine Finanzkommission hatte mit zwei Stufen und geringeren Einnahmen von rund 450 Millionen Euro jÀhrlich gerechnet. Der Entwurf des Finanzministeriums sieht dagegen drei Stufen vor und kalkuliert mit deutlich höheren BetrÀgen: 945 Millionen Euro im ersten Jahr und 1,155 Milliarden Euro im zweiten Jahr.
FĂŒr Verbraucher wĂ€ren die SteuersĂ€tze, die betroffenen Produktgruppen und der Zeitpunkt der EinfĂŒhrung entscheidend. FĂŒr Hersteller geht es um Rezepturen, Kennzeichnung, Kalkulation und mögliche Nachfrageeffekte. Die angekĂŒndigte schnelle Einigung soll nun klĂ€ren, ob die Bundesregierung am grundsĂ€tzlichen Vorhaben festhĂ€lt und welche Belastung tatsĂ€chlich im Gesetz landet.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: âKanzleramt bremst beim Gesetzentwurf zur Zuckersteuerâ (01.10.2026)
Der Beitrag bestÀtigt den Widerstand des Kanzleramts gegen den Entwurf und ordnet ihn in die Koalitionsvereinbarung zur Zuckersteuer ab 2027 ein. Im Mittelpunkt stehen die Abweichung von den Empfehlungen der Finanzkommission, die geplanten SteuersÀtze und die höheren Einnahmeerwartungen des Finanzministeriums.
n-tv: ââNicht mehrheitsfĂ€higâ: Kanzleramt stoppt vorerst Klingbeils Zuckersteuerâ (01.10.2026)
Der Artikel legt den Schwerpunkt auf den politischen Konflikt und die unterschiedlichen Einnahmeprognosen von Finanzministerium und Finanzkommission. ZusĂ€tzlich beschreibt er den Widerstand aus Union, LĂ€ndern und Teilen der GetrĂ€nkeindustrie sowie die UnterstĂŒtzung durch Verbraucher- und ĂrzteverbĂ€nde.
Ăbereinstimmend bleibt das Vorhaben grundsĂ€tzlich bestehen, wĂ€hrend Umfang, Staffelung und Einnahmen umstritten sind. Offen ist vor allem, welche Ănderungen Kanzleramt und Finanzministerium bis zur Einigung vereinbaren.
