Zuckersteuer, Limonadenpreise

Zuckersteuer: Limo kann ab 2027 bis zu 32 Cent teurer werden

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 12:23 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Abgabe soll ab Mitte 2027 gelten und Hersteller zu weniger Zucker in ihren Rezepturen bewegen. Ob Verbraucher den vollen Aufschlag zahlen, hÀngt von den Reaktionen der GetrÀnkeindustrie ab.

Steuerstufen und Haushaltsplanung

  • Die Steuer soll bei fĂŒnf Gramm Zucker je 100 Milliliter mit 26 Cent je Liter einsetzen.
  • Ab acht Gramm Zucker je 100 Milliliter steigt der Satz auf 32 Cent je Liter.
  • FĂŒr 2027 erwartet der Bund Einnahmen von 690 Millionen Euro, fĂŒr 2028 925 Millionen Euro.
  • Die Zuckersteuer soll auf GetrĂ€nke mit zugesetztem Zucker anfallen. (Illustration) - Bild: Sven Hoppe/dpa
  • Nach lĂ€ngerem Verhandeln war die Zuckersteuer heute im Kabinett. - Bild: Michael Kappeler/dpa
  • Erstmal zahlen die Hersteller - doch Softdrinks könnten auch teurer werden. (Illustration) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa
Die Zuckersteuer soll auf GetrÀnke mit zugesetztem Zucker anfallen. (Illustration) - Bild: Sven Hoppe/dpa Nach lÀngerem Verhandeln war die Zuckersteuer heute im Kabinett. - Bild: Michael Kappeler/dpa Erstmal zahlen die Hersteller - doch Softdrinks könnten auch teurer werden. (Illustration) - Bild: Fernando Gutierrez-Juarez/dpa

Bundesregierung bringt ZuckergetrÀnkesteuer auf den Weg

Limonaden, Eistees und andere zuckergesĂŒĂŸte GetrĂ€nke könnten bald teurer werden, nachdem die schwarz-rote Bundesregierung eine Zuckersteuer auf den Weg gebracht hat. Der Entwurf soll nun im Bundestag beraten werden; Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) strebt einen Start im Sommer 2027 an.

Steuer greift ab fĂŒnf Gramm Zucker

Betroffen sind GetrĂ€nke mit mindestens fĂŒnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Dazu zĂ€hlen unter anderem Limonaden, Eistees, Energydrinks und FruchtsaftgetrĂ€nke mit Zuckerzusatz.

Alkoholische GetrĂ€nke, alkoholfreie Biere, Weine und Cocktails werden ausgenommen. Auch reine Frucht- und GemĂŒsesĂ€fte, ungesĂŒĂŸte Schorlen sowie Zero-GetrĂ€nke mit SĂŒĂŸungsmitteln sollen nicht zusĂ€tzlich besteuert werden.

Bis zu 32 Cent je Liter

Der Steuersatz soll in zwei Stufen gelten. Bei fĂŒnf bis unter acht Gramm Zucker je 100 Milliliter sind 26 Cent je Liter vorgesehen, ab acht Gramm sollen 32 Cent je Liter fĂ€llig werden.

ZunĂ€chst zahlen die Hersteller die Steuer. Sie mĂŒssen entscheiden, ob sie die Mehrkosten selbst tragen, ihre Rezepturen verĂ€ndern oder sie ĂŒber höhere Preise weitergeben. Eine unmittelbare Aussage ĂŒber den Preisaufschlag im Handel lĂ€sst sich daraus nicht ableiten.

Ausnahmen fĂŒr kleine Hersteller geplant

Die Bundesregierung will Betriebe mit einer Jahresproduktion von bis zu einer Million Litern ausnehmen. DafĂŒr ist allerdings die Zustimmung der EU-Kommission nötig.

Sollte die Kommission diese weitreichende Ausnahme nicht erlauben, soll zumindest eine Grenze von 70.000 Litern Jahresproduktion gelten. Die genaue Regelung ist damit noch nicht abschließend festgelegt.

Gesundheit und Haushalt als Ziele

Die Steuer soll Hersteller dazu bewegen, weniger Zucker zu verwenden und damit insbesondere Kinder und Jugendliche zu schĂŒtzen. Das Finanzministerium verweist auf Risiken wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies.

Nach Angaben des Ministeriums verursacht ĂŒbermĂ€ĂŸiger Zuckerkonsum im Gesundheitssystem jĂ€hrlich Kosten von rund 2,1 Milliarden Euro. Zugleich sollen die Einnahmen den Bundeshaushalt entlasten und zur Stabilisierung der BeitrĂ€ge zur gesetzlichen Krankenversicherung beitragen.

Bund rechnet mit Millionen-Einnahmen

FĂŒr das kommende Jahr werden 690 Millionen Euro erwartet, weil die Steuer erst zur Jahresmitte gelten soll. FĂŒr 2028 veranschlagt der Bund 925 Millionen Euro.

Danach sollen die Einnahmen auf 875 bis 890 Millionen Euro jĂ€hrlich sinken, weil sich der Markt anpassen und der Zuckergehalt vieler Produkte zurĂŒckgehen könnte.

Streit ĂŒber den Starttermin

In der Union gibt es weiterhin Kritik. Hessens MinisterprĂ€sident Boris Rhein (CDU) bezeichnete die Abgabe vor der Koalitionseinigung als „Teuer-Steuer“ und warnte vor zusĂ€tzlichen Belastungen fĂŒr BĂŒrger sowie möglichen Folgen fĂŒr ArbeitsplĂ€tze in der GetrĂ€nkeindustrie.

Die CSU trĂ€gt die Steuer grundsĂ€tzlich mit, fordert aber mehr Zeit fĂŒr die Unternehmen. Der CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann nannte den 1. Januar 2028 als Wunschtermin und lehnte den vorgesehenen Start am 1. Juli 2027 weiterhin ab.

Im Bundestag dĂŒrften Union und SPD in den kommenden Wochen insbesondere ĂŒber den Starttermin und die Ausnahmen fĂŒr Hersteller beraten.

Die geplante ZuckergetrĂ€nkesteuer verbindet zwei Ziele: Sie soll den Zuckergehalt industriell hergestellter GetrĂ€nke senken und zugleich zusĂ€tzliche Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt bringen. Der Ansatz ist deshalb nicht nur eine Abgabe auf Konsum, sondern auch ein Anreiz fĂŒr Hersteller, Rezepturen zu verĂ€ndern.

FĂŒr Verbraucher hĂ€ngt die konkrete Preiswirkung davon ab, wie Unternehmen die Steuer weitergeben. Bei einem Liter GetrĂ€nk wĂ€ren rechnerisch bis zu 32 Cent zusĂ€tzliche Steuer enthalten, sofern der Hersteller die Belastung vollstĂ€ndig auf den Verkaufspreis aufschlĂ€gt. Ebenso möglich sind geringere Margen oder eine Reformulierung unterhalb der jeweiligen Schwellenwerte.

Gesundheitspolitischer Ansatz

Die Bundesregierung begrĂŒndet den Schritt mit den Folgen eines hohen Zuckerkonsums fĂŒr Übergewicht, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies. Besonders Kinder und Jugendliche stehen im Mittelpunkt der BegrĂŒndung. Zero-GetrĂ€nke, reine SĂ€fte und ungesĂŒĂŸte Schorlen sollen nach dem Regierungsmodell nicht zusĂ€tzlich belastet werden.

Politisch bleibt der Starttermin ein Streitpunkt. WĂ€hrend der Finanzminister einen Beginn zum 1. Juli 2027 anstrebt, fordert die CSU mehr Zeit fĂŒr die Umstellung von Rezepturen. Im Bundestag wird daher neben den SteuersĂ€tzen auch ĂŒber die Belastung kleiner Hersteller und die praktische Umsetzung beraten werden.

Finanzielle Bedeutung

Mit erwarteten Einnahmen von 690 Millionen Euro im ersten Geltungsjahr und 925 Millionen Euro im Jahr 2028 ist die Steuer fĂŒr den Bundeshaushalt relevant, bleibt gemessen an den gesamten Staatsfinanzen aber begrenzt. Sinkende Einnahmen in spĂ€teren Jahren wĂ€ren zugleich ein Hinweis darauf, dass sich Rezepturen und Konsum verĂ€ndern.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Zuckersteuer-Streit beigelegt: Bundesregierung einigt sich“ (13.10.2026)

ZDFheute habe die Einigung von Union und SPD sowie das zweistufige Modell mit 26 und 32 Cent pro Liter hervorgehoben. Anders als die aktuelle dpa-Meldung habe der Beitrag den Kompromiss zunĂ€chst im Vorfeld der Kabinettsbefassung eingeordnet; offen geblieben sei vor allem die Ausgestaltung der Ausnahmen fĂŒr kleinere Hersteller.

tagesschau: „Offenbar ab 1. Juli Schwarz-rote Koalition einig bei Zuckersteuer“ (13.10.2026)

Die tagesschau habe neben den SteuersĂ€tzen und erwarteten Einnahmen den politischen Widerstand aus Teilen der Union dargestellt. Der Schwerpunkt liege damit stĂ€rker auf dem innerkoalitionĂ€ren Streit und der Kritik von Unionsministern, wĂ€hrend die dpa-Meldung die Folgen fĂŒr Produkte, Preise und Hersteller ausfĂŒhrlicher erlĂ€utere.

Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigten die Einigung auf ein zweistufiges Modell und Ausnahmen fĂŒr kleinere Produzenten. Unterschiede bestĂŒnden vor allem bei der Gewichtung von Koalitionskonflikt, Kabinettsverfahren und praktischer Preiswirkung; der genaue Starttermin und die endgĂŒltigen Ausnahmegrenzen blieben zentrale Punkte der weiteren Beratung.

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