Zuckersteuer: Reichinnek warnt vor Belastung fĂŒr Familien
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 12:35 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSReichinnek fordert andere Gesundheitspolitik
- Heidi Reichinnek kritisiert die geplante Verbrauchsteuer als zusĂ€tzliche Belastung fĂŒr niedrige und mittlere Einkommen.
- Die Linken-Fraktionschefin nennt bessere Kennzeichnung, Informationskampagnen und Herstellervorgaben als Alternativen.
- Finanzminister Lars Klingbeil verbindet die Abgabe mit Einnahmen und Anreizen fĂŒr weniger Zucker in GetrĂ€nken.
Linke warnt vor Folgen der Zuckersteuer
Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek kritisiert die geplante EinfĂŒhrung einer Zuckersteuer und warnt vor einer zusĂ€tzlichen Belastung niedriger und mittlerer Einkommen. GegenĂŒber der âRheinischen Postâ sagte sie, es sei ihr unbegreiflich, dass die Bundesregierung in der aktuellen Situation eine weitere Verbrauchsteuer einfĂŒhre.
Familien mit kleinerem Budget im Fokus
Nach Reichinneks EinschĂ€tzung wĂŒrden besonders Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen belastet, weil sie einen gröĂeren Anteil ihres Einkommens fĂŒr Lebensmittel ausgeben. Haushaltslöcher auf dem RĂŒcken der Mehrheit stopfen zu wollen, sei und bleibe der falsche Weg.
Linke setzt auf Vorgaben und Information
Ernst gemeinter Gesundheitsschutz funktioniere nach Reichinneks Darstellung nur ĂŒber bessere Kennzeichnung, Informationskampagnen, Vorgaben an Hersteller und Verbote irrefĂŒhrender Werbung. Eine zusĂ€tzliche Verbrauchsteuer lehnt sie als Instrument ab.
Koalition legt Streit ĂŒber Abgabe bei
Die Koalition hatte am Dienstag ihren Streit ĂŒber die EinfĂŒhrung einer Steuer auf zuckergesĂŒĂte GetrĂ€nke beigelegt. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will damit nicht nur Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt erzielen, sondern auch GetrĂ€nkehersteller zu einem niedrigeren Zuckergehalt und gesĂŒnderen Produkten bewegen.
Die geplante Zuckersteuer verbindet zwei Ziele: Sie soll zusĂ€tzliche Einnahmen fĂŒr den Bundeshaushalt schaffen und GetrĂ€nkehersteller zu RezepturĂ€nderungen bewegen. Die Koalition hat sich nach einem Streit auf ein zweistufiges Modell verstĂ€ndigt. Vorgesehen sind 26 Cent je Liter ab fĂŒnf Gramm Zucker pro 100 Milliliter und 32 Cent ab acht Gramm. Der Start ist fĂŒr den 1. Juli 2027 vorgesehen.
Ausgenommen werden sollen unter anderem ungesĂŒĂte GetrĂ€nke, Produkte mit SĂŒĂungsmitteln sowie bestimmte Frucht- und GemĂŒsesĂ€fte. FĂŒr kleinere Hersteller ist eine Befreiung geplant, deren konkrete Umsetzung noch europarechtlich abgestimmt werden muss. Damit versucht die Regierung, die Belastung kleiner Betriebe zu begrenzen, ohne den Lenkungseffekt der Abgabe aufzugeben.
Verteilungs- und Gesundheitsdebatte
Reichinnek richtet ihre Kritik vor allem auf die soziale Wirkung einer Verbrauchsteuer. Haushalte mit niedrigen Einkommen geben typischerweise einen gröĂeren Anteil ihres Budgets fĂŒr den tĂ€glichen Konsum aus; PreisaufschlĂ€ge bei hĂ€ufig gekauften GetrĂ€nken können sie deshalb stĂ€rker treffen. Die tatsĂ€chliche Belastung hĂ€ngt allerdings davon ab, ob Hersteller die Steuer vollstĂ€ndig weitergeben.
FĂŒr Verbraucher dĂŒrfte entscheidend sein, welche Produkte die Schwellenwerte erreichen und wie Unternehmen reagieren. Möglich sind höhere Endpreise, verĂ€nderte Rezepturen oder eine Kombination aus beidem. Die politische Auseinandersetzung verschiebt sich damit vom Grundsatz der Steuer hin zu ihrer konkreten Ausgestaltung, der Preisweitergabe und der Frage, wie wirksam sie den Zuckerkonsum tatsĂ€chlich senkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
ZDFheute: âZuckersteuer-Streit beigelegt: Bundesregierung einigt sichâ (13.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die Einigung von Union und SPD und nennt das zweistufige Modell mit 26 beziehungsweise 32 Cent je Liter. ZusĂ€tzlich hebt er die geplanten Einnahmen fĂŒr den Bund und die Ausnahme kleiner Hersteller hervor.
tagesschau.de: âBundesregierung einigt sich bei Zuckersteuer auf Zwei-Stufen-Modellâ (14.10.2026)
Der Artikel berichtet, dass das Kabinett den Gesetzentwurf auf den Weg gebracht hat, und grenzt die betroffenen GetrĂ€nke genauer ein. Anders als der ZDF-Bericht stellt er zudem die noch offene europarechtliche Genehmigung fĂŒr Ausnahmen kleiner Betriebe heraus.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen die Einigung und die geplante Staffelung. Unterschiede liegen vor allem im Schwerpunkt: WĂ€hrend der ZDF-Bericht stĂ€rker die Haushaltswirkung beleuchtet, beschreibt die tagesschau die betroffenen Produktgruppen und den weiteren Gesetzgebungsweg ausfĂŒhrlicher.
