Zuckersteuer, Verbraucherzentrale Bundesverband

Zuckersteuer: Verbraucherzentralen fordern Abgabe auf Süßgetränke

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 18:44 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke und verweist auf Prävention sowie mögliche Entlastungen für die Krankenkassen. In der Union und beim Deutschen Bauernverband stößt der Vorstoß auf Widerstand.

Verbraucherzentralen pochen auf Einführung von Zuckersteuer
Coca-Cola in einem Supermarktregal (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Streit um Zuckerabgabe erreicht die Koalition

  • VZBV-Vorständin Ramona Pop fordert eine Zuckersteuer auf Süßgetränke.
  • Die Koalition aus CDU/CSU und SPD soll die Abgabe nach Pops Forderung nun einführen.
  • Unionsminister und Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied lehnen die Steuer ab.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert die Einführung einer Zuckersteuer auf Süßgetränke. VZBV-Vorständin Ramona Pop begründet den Vorstoß mit Gesundheitsprävention und einer möglichen Entlastung der Krankenkassen.

Pop fordert Entscheidung der Bundesregierung

Pop bezeichnete die Zuckersteuer als überfällig und betonte, sie sei keine Maßnahme zur Sanierung des Haushalts, sondern eine Investition in die Gesundheit. Die Koalition aus CDU/CSU und SPD müsse bei dem Thema nun handeln.

Nach Darstellung des VZBV werden Ernährungsentscheidungen wesentlich durch das vorhandene Angebot beeinflusst. Deshalb reiche es nicht aus, Ernährung ausschließlich als Privatsache zu behandeln.

Unionsminister warnen vor Folgen für Landwirtschaft

Zuvor hatten sich Landesagrarminister der Union gegen eine Zuckersteuer ausgesprochen. Sie setzen stattdessen auf Ernährungsbildung, Eigenverantwortung, Aufklärung und Innovation.

Die Minister befürchten sinkende Erlöse für Landwirte, wenn der Konsum zuckerhaltiger Getränke durch eine Abgabe zurückgeht. Auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, lehnt die Steuer ab und warnt vor wirtschaftlichen Folgen für landwirtschaftliche Betriebe.

WHO empfiehlt Besteuerung gesüßter Getränke

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt eine Besteuerung gesüßter Getränke. Nach ihrer Einschätzung kann eine solche Maßnahme dazu beitragen, Risiken durch Übergewicht, Adipositas und Diabetes zu senken.

Die Ausgestaltung müsse sowohl die gesundheitlichen Belastungen durch den Konsum zuckerhaltiger Getränke als auch die kulturellen Gegebenheiten des jeweiligen Landes berücksichtigen.

Die Forderung des Verbraucherzentrale Bundesverbands fällt in eine bereits zugespitzte politische Debatte über den Umgang mit stark zuckerhaltigen Getränken. Neun Agrar- und Verbraucherschutzminister von CDU und CSU haben sich gegen eine zusätzliche Abgabe gewandt und stattdessen auf Freiwilligkeit, Anreize, Ernährungsbildung und Eigenverantwortung verwiesen.

Im Zentrum steht damit nicht nur die Frage nach einer möglichen Steuer, sondern auch das gesundheitspolitische Instrument. Eine Abgabe kann darauf zielen, Hersteller zu Rezepturänderungen zu bewegen und den Zuckergehalt von Getränken zu senken. Für Verbraucher könnte sich dadurch das Angebot verändern; zugleich würden stärker gesüßte Produkte möglicherweise teurer. Die konkrete Wirkung hängt von der Ausgestaltung und davon ab, ob die Hersteller die Kosten weitergeben oder ihre Produkte anpassen.

Politischer Zielkonflikt

Die Kontroverse verbindet Gesundheitsprävention mit Interessen der Landwirtschaft und der Lebensmittelwirtschaft. Befürworter stellen mögliche Entlastungen für das Gesundheitswesen und geringere Risiken durch übermäßigen Zuckerkonsum heraus. Gegner warnen vor staatlicher Lenkung, zusätzlichen Belastungen und sinkenden Erlösen entlang der Wertschöpfungskette.

Für die Koalition aus CDU/CSU und SPD wird der Streit zu einer frühen Richtungsentscheidung: Soll Prävention vor allem über Information und freiwillige Maßnahmen erfolgen oder durch preisliche Anreize? Die Debatte dürfte deshalb über eine einzelne Abgabe hinausweisen und die künftige Ernährungspolitik bestimmen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesschau: „Landwirtschaftsminister protestieren bei Merz gegen Zuckersteuer“ (12.10.2026)

Der Beitrag beschreibt den gemeinsamen Brief von neun Landesministern aus CDU und CSU an Bundeskanzler Friedrich Merz. Als Alternativen zur Abgabe nennen die Minister Ernährungsbildung, Aufklärung und Eigenverantwortung; zugleich wird ein Entwurf von Finanzminister Lars Klingbeil für eine Abgabe ab Juli 2027 ab fünf Gramm Zucker je 100 Milliliter eingeordnet.

Der Artikel bestätigt damit den politischen Widerstand, setzt den Schwerpunkt aber stärker auf das Vorgehen der Unionsminister und den innerkoalitionären Konflikt. Offen bleibt, wie die Bundesregierung mit dem gestoppten Vorhaben weiter verfährt.

Übergreifend steht der gesundheitspolitische Vorstoß des VZBV einem unionsinternen Plädoyer für freiwillige Maßnahmen und Rücksicht auf die Landwirtschaft gegenüber. Der zentrale Streit betrifft die Wirksamkeit staatlicher Preis- und Lenkungsinstrumente sowie den weiteren Kurs der Koalition.

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