US-Notenbank lÀsst Leitzins unverÀndert
Veröffentlicht am: 20.09.2023 um 20:34 Uhr | dpa.deWegen der Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Kriegs rĂŒhrt die US-Notenbank Federal Reserve ein weiteres Mal den Leitzins nicht an. Der Zentralbankrat stimmte geschlossen fĂŒr eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne zum vierten Mal in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Nicht einmal der neue Fed-Chef Kevin Warsh wollte in seiner ersten Sitzung die von US-PrĂ€sident Donald Trump geforderten Zinssenkungen durchsetzen.
2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei den bisherigen drei Sitzungen im laufenden Jahr legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zugleich erhöhter Inflation rĂŒcken Zinssenkungen in weite Ferne â stattdessen scheint eine straffere Geldpolitik im Jahresverlauf wahrscheinlicher, um die Inflation in den Griff zu bekommen.
Energiekrise und starker Arbeitsmarkt
Grund dafĂŒr sind die Folgen des Iran-Kriegs und die Blockaden in der StraĂe von Hormus, durch die das weltweite Energieangebot deutlich eingeschrĂ€nkt wurde. Entsprechend mĂŒssen Firmen derzeit viel mehr Geld fĂŒr Ăl, Gas und DĂŒnger ausgeben. Das belegen auch die Mai-Zahlen in der gröĂten Volkswirtschaft: FĂŒr Energie musste 23,5 Prozent mehr gezahlt werden als vor einem Jahr. Besonders stark war der Anstieg der Benzinpreise. Der Kraftstoff hat sich etwa 40 Prozent verteuert.
Zudem war die Zahl der BeschĂ€ftigten in den USA im Mai ĂŒberraschend um 172.000 gestiegen â fast doppelt so stark wie von Experten erwartet. Das lĂ€sst Zinssenkungen in weite Ferne rĂŒcken und stattdessen, wenn auch unwahrscheinlich, Zinserhöhungen wieder ein Thema werden.
Jerome Powell war turnusgemÀà im Mai als Chef ausgeschieden und als Mitglied in den Vorstand gewechselt. Er versperrt Trump damit die Möglichkeit, einen weiteren Kandidaten im Fed-FĂŒhrungsgremium zu platzieren. Powell dĂŒrfte es Warsh zudem schwieriger machen, Zinssenkungen durchzubringen.Â
Dieser saĂ einst schon im Fed-Vorstand. Warsh gilt eigentlich als «Inflation Hawk» und tendiert eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-JĂ€hrige soll sich allerdings laut US-Medien offen fĂŒr niedrigere Leitzinsen gezeigt haben â zur Freude Trumps.
Angst vor politischer Einflussnahme
Die Fed soll unabhĂ€ngig von der Politik ĂŒber den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Inflation und VollbeschĂ€ftigung finden. Das Problem: Lockert die Fed das Zinsniveau, dĂŒrfte das die Inflation zusĂ€tzlich anheizen â das will sie vermeiden. Zuletzt lag die Inflation in den USA bei 4,2 Prozent und damit weit ĂŒber dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent.
Ăkonomen fĂŒrchten, dass Trump ĂŒber Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt eine lockerere Geldpolitik forcieren könnte. Die eigentlich objektiven Zinsentscheidungen könnten damit politisch verfĂ€lscht werden. Trump dĂŒrfte genauestens darauf achten, wie sich sein Kandidat positioniert.Â
Auch die EuropĂ€ische Zentralbank hatte jĂŒngst ihre Zinsen wegen Inflationssorgen erstmals seit 2023 angehoben. Sie hob den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent an, um sich so gegen den Inflationsschub mit dem Iran-Krieg zu stemmen.
