(18/ 2024) Einsatzbilanz Demo 13. Januar: 21 EinsatzkrÀfte in Göttingen verletzt, vier Personen vorlÀufig festgenommen, rund 60 Ermittlungsverfahren eingeleitet, Statement Einsatzleiter Rainer Nolte
Veröffentlicht am: 15.01.2024 um 15:49 Uhr | presseportal, AD HOC NEWS
Das Fazit von Gesamteinsatzleiter Rainer Nolte fÀllt angesichts dieser Zahlen in der Nachbetrachtung des Einsatzverlaufes am Montag (15.01.24) gemischt aus.
"Zum einen bin ich froh darĂŒber, dass es uns gelungen ist, unseren Auftrag zur Durchsetzung des Versammlungsrechts umsetzen. Unser abgestuftes Einsatzkonzept ist damit gröĂtenteils aufgegangen. Durch den Einsatz von Konfliktmanagern, einsatzbegleitende Kommunikation und deeskalierendes Vorgehen ist es uns nahezu vollstĂ€ndig gelungen, das Versammlungsrecht der anlassgebenden Versammlung zu gewĂ€hrleisten und die von der Versammlungsbehörde bestĂ€tigte Aufzugsroute im Wesentlichen zu ermöglichen. Der GroĂteil der Gegendemonstrierenden verhielt sich friedlich und hat damit ein klares Signal fĂŒr die Rechtstaatlichkeit gesetzt. Das freut mich auĂerordentlich und dafĂŒr möchte ich mich auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen bedanken. Selbst kurzfristige, symbolische Blockaden, die nach Aufforderung durch die Polizei freiwillig beendet wurden, sind aus meiner Sicht als Zeichen der kontrĂ€ren Meinung zulĂ€ssig. Leider gab es jedoch auch einige Hundert Menschen, die sich nicht an die demokratisch legitimierten Protestformen gehalten haben. GegenĂŒber diesen Menschen mussten wir zur Durchsetzung der VerfĂŒgungen körperlichen Zwang anwenden und in EinzelfĂ€llen leider auch von Schlagstöcken und Pfefferspray Gebrauch machen", so Nolte.
An der von mehreren Gruppierungen als "Querdenker"-Versammlung eingestuften "Versammlungsfreiheit"-Demonstration beteiligten sich nach polizeilichen SchĂ€tzungen in der Spitze etwa 480 Personen. Entlang der von der Versammlungsbehörde bestĂ€tigten Aufzugsroute kam es im Laufe des Tages zu mehreren Blockadeaktionen. Auf Höhe Nikolausberger Weg/GoĂlerstraĂe z. B. versperrten gegen 16.00 Uhr geschĂ€tzt ca. 1.200 Menschen den Weg. EinsatzkrĂ€fte mussten vereinzelt unmittelbaren Zwang anwenden, um die Personen von der StraĂe zu drĂ€ngen.
Nach Erreichen des Hiroshimaplatzes und dortiger Abschlusskundgebung endete die versammlungsrechtliche Aktion gegen 18.45 Uhr. Ein fĂŒr 19.00 Uhr angezeigter Autokorso wurde abgesagt.
21 Beamtinnen und Beamte verletzt
Nach Stand von Montagmorgen wurden am Einsatztag 21 Beamtinnen und Beamte verletzt. Sie erlitten u. a. Atemwegsreizungen, Prellungen und SchĂŒrfwunden.
60 Verfahren eingeleitet
Die Polizei leitete etwa 60 Ermittlungsverfahren u. a. wegen Landfriedensbruchs, Beleidigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, tĂ€tlichen Angriffs, Körperverletzung und VerstoĂes gegen das Versammlungsgesetz ein. Vier TatverdĂ€chtige wurden vorlĂ€ufig festgenommen, von ca. 60 Personen die IdentitĂ€t festgestellt.
SteinwĂŒrfe und Schmierereien am Vorabend
Im Vorfeld der versammlungsrechtlichen Aktionen war es am Freitagabend (12.01.24) zu einer nicht angezeigten Versammlung mit ca. 50 vermummten Teilnehmenden gekommen (siehe auch https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/119508/5690929).
Dazu Einsatzleiter Rainer Nolte:
"Insgesamt 21 verletzte EinsatzkrĂ€fte, diese Zahl macht mich wirklich fassungslos, denn die Kolleginnen und Kollegen haben wieder einmal sprichwörtlich ihren Kopf fĂŒr den Schutz des Grundrechts auf Versammlungsfreiheit hingehalten. Bereits in der Nacht zuvor zogen einige Vermummte durch die Göttinger Innenstadt und haben gezielt mit Steinen auf einen fahrenden Funkstreifenwagen (Foto), unsere neue Innenstadtwache und ein Geldinstitut geworfen. Dabei entstanden hohe SachschĂ€den (Foto), die Besatzung des Funkstreifenwagens kam zum GlĂŒck nicht zu Schaden. Ich frage mich, was derlei Taten bewirken sollen. Dem noch nicht genug, konnten entlang der Aufzugsroute angelegte Depots von Steinen und Baumaterialien oder WeihnachtsbĂ€umen mit UnterstĂŒtzung des stĂ€dtischen Bauhofs rechtzeitig vor Demonstrationsbeginn abgerĂ€umt/beseitigt und somit Schlimmeres verhindert werden. Auch die Tatsache, dass wĂ€hrend des Aufzugs wiederum MĂŒlltonnen und andere GegenstĂ€nde in Brand gesetzt worden sind oder dass Nebeltöpfe gezĂŒndet wurden, macht mich sprachlos. Solche Verhaltensweisen sind durch nichts zu rechtfertigen. Damit stellen sich diese Menschen selbst ins Abseits und outen sich als Antidemokraten".
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