Parteien, Justiz

AltbundesprÀsident Gauck gegen AfD-Verbotsverfahren

03.03.2026 - 06:24:44 | dts-nachrichtenagentur.de

AltbundesprÀsident Joachim Gauck lehnt ein AfD-Verbotsverfahren ab.

Joachim Gauck (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
Joachim Gauck (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur
"Vor allem will ich nicht in einem fĂŒnfjĂ€hrigen Prozess des Abwartens sein, was die in Karlsruhe machen, und die ganze Zeit sammelt die AfD Stimmen ein von denen, die meinen, man behandle die Partei unfair", sagte Gauck bei einer Veranstaltung der "Rheinischen Post". "Wir sollen die AfD politisch stellen, auch als BĂŒrgergesellschaft. Man muss nicht jeden Mist unwidersprochen anhören", so Gauck.

Mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD speziell in ostdeutschen BundeslĂ€ndern machte er eine unterschiedliche Grundhaltung von Menschen in Ost- und Westdeutschland aus. "Der Grund ist, dass hier im Westen nach zwölf Jahren Diktatur noch genĂŒgend Leute noch da waren, die wussten, wie Demokratie geht, und genĂŒgend Menschen noch da waren, die eigenverantwortlich zu leben vermochten", sagte Gauck. "Zwölf Jahre Anpassung und Unterwerfung verlernen sich schneller als 56 Jahre unter Anpassung und Unterwerfung."

Bei 56 Jahren in politischer Ohnmacht sei es "hochrational, sich anzupassen, sich rechtzeitig zu fĂŒrchten", so Gauck. "Und deshalb haben wir eine schwĂ€chere Zivilgesellschaft in jedem ostdeutschen Land als in jedem westdeutschen Land." Das könne man an der Zahl der Vereine, an der Zahl der aktiven Menschen auf den unterschiedlichsten Ebenen des gesellschaftlichen Raums bemessen. Hinzu komme die Verunsicherung in der Phase der Wiedervereinigung.

Aber auch im Westen gebe es Wahlkreise mit hoher AfD-WĂ€hlerschaft, und Zuspruch fĂŒr populistische KrĂ€fte ebenso in der Schweiz oder Skandinavien. Seine ErklĂ€rung: "Der Populismus nĂ€hrt sich auch aus dem Misserfolg der gewĂ€hlten Politiker", sagte Gauck. SpĂ€ter fĂŒgte er hinzu: "Wenn du lĂ€ngere Zeit deine demokratisch gewĂ€hlte Regierung als zu unentschlossen erlebst - das ist ein Punkt." Ebenfalls als ursĂ€chlich nannte er die IntensitĂ€t des gesellschaftlichen Wandels und Krisen.

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